
…wo der Rübezahl mit seinen Zwergen heut‘ noch Sagen und Märchen spinnt“, so heißt es in dem alten Riesengebirgslied „Blaue Berge, grüne Täler“, geschrieben von Othmar Fiebiger im Jahre 1910.
Keine Sagengestalt ist so populär wie des Rübezahls. Warum der Zauberunhold Rübezahl heißt, vermag, niemand so richtig zu sagen, meinte Carl Hauptmann. Es gibt so viele Erklärungen des Namens, wie Forscher, die sich mit ihm beschäftigen.
Jedes nicht erfassbare Geschehen und Erleben, wurde von den Menschen im Riesengebirge und Umgebung mit Rübezahl in Verbindung gebracht. Rübezahl war Beschützer, Wetterherr, Schatzspender, auch manchmal Schalk.
Er geleitete nachts Menschen durch den Wald, brachte anderen Freude und Glück. Aber es gab auch trauriges Warten auf seine Hilfe. Ferdinand Freiligrath schildert in seinem Gedicht „Aus dem schlesischen Gebirge“ die große Not der Weberfamilien und die Hoffnung eines kleinen Jungen auf Unterstützung von Rübezahl.
Leider finden wir in den neu verlegten Sagenbüchern kaum noch Sagen aus dem Osten Deutschlands. Darunter fallen 700 Jahre deutsche Geschichte und Kulturgeist, die wie ausgelöscht sind.
Für den Schlesier wird Rübezahl immer ein Berggeist blieben. Er gehört zum Riesengebirge, zum deutschen Schlesierland, zu unserer Heimat.

Zeit für einen Blick in den germanischen Sagenschatz:
„Rübezahls Verbannung“
Es wurde einmal vorgenommen, Rübezahl von der Koppe hinweg zu bannen. Da hat sich denn ein Hexenmeister auf das Gebirge hinaufgewagt, seine Zirkel gemacht und allerhand teuflische Figuren dazu geschrieben, auch Rübezahl zu diesem Werk hinzugefordert. Der hat sich auch willig eingestellt und auf der Schneekoppe in einem sonderlich hierzu gemachten Sessel präsentiert – mit dem Versprechen, sofern der Banner seine Sache ausführen könne, wolle er geschwinde von hinnen weichen. Was geschieht? Da der Verbanner sein Zauberbuch hervorgekriegt und etliche Zeilen gelesen, auch nun zum Hauptpunkt gerät, da reißt der Rübezahl das Blatt dem Kerl vor der Nase aus dem Buch und wirft ihn mitsamt dem Bettel in hundert Stückchen den Berg hinunter. Noch jetzt sollen etliche Kennzeichen und Merkmale solcher Geschichten auf dem Berge gezeigt werden.
(Aus dem Sagenschatz des Königreich Sachsen, Erscheinungsdatum: 1874, Verleger: Schönfeld’s Verl.)
Für den Dichter Carl Hauptmann war Rübezahl ein unlösbares Geheimnis, das so alt war „wie die weißen Schaumwasser, die in der Zackelklamm jeden Tag jung und neu ihrer über Schroffen und Steine zu Tale springen“.

