
Bild: Tollenstein, aus A. Moschkas Raubburgen
Wer weiß, um die Zeit, als Bautzen, Zittau und Görlitz Ritterburgen eroberten?
Frei dem Motto: „Reiten und Rauben ist keine Schand“, dies tun die Besten im ganzen Land“, hat auch in der Oberlausitz solch übermütiges Leben Platz ergriffen.
2012 war ein besonderes Jahr. Stadtschreiber und Autoren der Gegenwart machten sich auf den Weg und wollten mehr über den Sechsstädtebund erfahren. Damals wurde das Bündnis 666 Jahre alt. Die ernüchternde Erkenntnis ließ nicht lange auf sich warten: Der Bund war nämlich gar nicht so friedlich.
Das räuberische Handwerk unter König Johann von Böhmen
Trotzig saßen sie auf ihren festen Burgen inmitten ihrer weiten Besitzungen. Sie schlossen unter sich Bündnisse ab, oder führten nach Belieben gegen sich das Schwert. Zum Schrecken war die Burg des Ritters dem friedlichen Bürger geworden, sodass kein Weg, keine Straße sicher war und die Frachtwagen nur unter großem Geleite zu ihrem Ziele gelangen konnten.
Historiker datieren ein solches Ereignis ab 1291. Andere sind skeptisch, ob es überhaupt so stattgefunden hat.
Doch tauchen immer wieder Berichte auf, die besagen, dass in Zeiten des schwachen Königs Johann von Böhmen das räuberische Handwerk zur Blüte gedieh. König Johann brauchte des Geldes immer gar viel, was ihn endlich dazu brachte, königliche Städte, Schlösser und Güter an den Adel zu versetzen. In Folge dessen gewann dieser unverhältnismäßig an Macht – Übermut und Prunksucht kannten keine Grenzen.
Die Überfälle vom Oybin aus
So berichtet Zittaus Stadtschreiber Johannes von Guben im 14. Jahrhundert, über das, was da vor sich ging – in grauen Vorzeiten auf dem Oybin: „Daz worn die ersten rowber, die man y desem lande irkante, dez czogen die lowte, die hier woren,vnd vortrebin die selben herren von dem burcberge“. Da steht zu lesen: Es gab Räuber, die vom Oybin in Stadt und Land einfielen. Und mutige Zittauer, die dem ein Ende machten.
Ein Bündnis, gerichtet auf gemeinsame Hilfe gegen Mörder, Räuber und andere Verbrecher
Wenige Tage nach Schließung dieses Bündnisses erfolgte der Tod König Johann’s. Ihm folgte Karl IV., der eben auch ein großer Freund der Städte war. Neben der Bestätigung alter Privilegien, versah er das Bündnis mit neuen Vorrechten. Dazu forderte er die Untertanen zum Gehorsam gegen die Obrigkeit auf und zur Steuerung des Unwesens kündigte er den Wegelagerern den Krieg an.
Im Jahre 1355 übernahm der zum Kaiser gekrönte Karl IV. die Herstellung des Landfriedens in Böhmen allein. Mit seinen Kriegsleuten durchzog er die unsicheren Gebiete, strafte Verbrecher und erstürmte und verbrannte ihre Burgen.
Um vor allem die Landbewohner vor Überfällen zu schützen, befahl der Kaiser am 1. September von Leitmeritz aus:
„Dass man von jeder Stadt zum nächsten Dorf und von einem Dorfe zum anderen Graben machen solle“. Jede Stadt oder jedes Dorf, welches sich widersetze, solle mit 5 Schock Groschen bestraft werden.
Gleichzeitig erfolgte der Befehl, der die Sechsstädte als Prinzip des Friedens, als Schutzmacht gegen die Störer der Ruhe einsetzte und sie zu einer ehrfurchtgebietenden Macht erhob.
Ob nun Legende oder wahre Begebenheit: Es ist fast so etwas wie eine Ouvertüre, denn schließlich musste sich der Sechsstädtebund nach seiner Gründung über eine lange Zeit mit Raubrittern und Raubnestern auseinandersetzen. Vor allem in den ersten 150 Jahren belagerte, eroberte und zerstörte das Bündnis der Städte Bautzen, Görlitz, Kamenz, Lauban, Löbau und Zittau wohl weit über 20 Burgen, einige sogar mehrfach. Und das, nicht nur in der Oberlausitz.
Von den meisten erstürmten Burgen blieben lediglich Ruinen, heute beliebte Ausflugsziele.
Heute, 677 Jahre nach seiner Gründung, ist das Bündnis der Sechsstädte ein Zusammenschluss ohne politische Bedeutung.
Hier noch ein Blick in die Chronik:
- Gegründet wurde der Oberlausitzer Sechsstädtebund 1346 von Görlitz, Zittau, Bautzen, Löbau, Kamenz und Lauban.
- Für alljährliche Versammlungen, die „Konvente“ kam man in Löbau zusammen.
- 1547 verloren die Städte infolge des Oberlausitzer „Pönfalls“ alle Privilegien. Der Grund: Sie hatten den Landesherren Ferdinand I. bei einer Schlacht im Stich gelassen.
- 1815 gingen nach dem Wiener Kongress Görlitz und Lauban an Preußen. Aus dem Sechs- wurde der Vierstädtebund – er endete 1868.
- Die letzte Tagung des Oberlausitzer Sechsstädtebundes fand anlässlich des 675. Jubiläums im September 2021 in Zittau statt.
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