Görlitz, meine wunderschöne Heimat Teil VII – Oberbürgermeister Demiani verärgert die Waldbewohner, und was sonst noch geschah

Die Aufnahme zeigt das Hammergut in Schönberg (heute Piaseczna). Es prägte das Bild der kommunalen Görlitzer Heidelandschaft über Jahrhunderte mit.

Die ehemals städtische Görlitzer Heide gilt nicht nur als das größte zusammenhängende Wald- und Wiesengebiet Mitteleuropas – sie ist auch reich an Geschichten und an Geschichte.

Vorweg: Maßnahmen, die damals unverstanden blieben, sind aus heutiger Sicht zu rechtfertigen. Denn nicht zuletzt wurden darüber Eigenmächtigkeiten, die zum Raubbau führten, verhindert.

Doch beginnen wir im Jahr 1300, als die große Niederschlesische Heide (zwischen Neiße und Queiß gelegen), den Landesherren unterstand. Da ergab es sich, dass 1349 König Johann von Böhmen einen Teil der Heide, als erhebliches Lehen den Herren von Penzig, überließ. Infolge wirtschaftlicher Schwierigkeiten der Adelsfamilie boten diese die Heide zum Verkauf an. Zu Beginn des 15. Jahrhunderts erwarb die Stadt Görlitz die gesamte Herrschaft Penzig mit dem Heideland. Der Rat der Stadt zahlte damals für dieses Gebiet 11 000 Goldgulden (das sind etwa 1,25 Millionen Euro).

Erste Diskrepanzen mit den Bürgern der Randgemeinden gab es schon nach 1840. Es war geplant, die Schlesisch-Sächsische Eisenbahn von Breslau (Wroclaw) aus über Liegnitz (Legnica), Bunzlau (Boleslawiec) direkt durch die Görlitzer Heide über Rothenburg, Bautzen nach Dresden zu projektieren.

Dann kam Demiani! Und eine Abneigung, die in Hass umschlug

Der kostengünstige Vorschlag wurde durch Demianis Einspruch verhindert.

Als der Rat mit Demiani an der Spitze nach den Regeln der straffen Forstbewirtschaftung (um 1830) alle angeeigneten Privilegien, die wohl über Jahrhunderte ungerechtfertigt genutzt wurden, mit Verboten zunichtemachte, wuchs die Abneigung, um nicht zu sagen, der Hass der Wirtschaftsbesitzer sowie Häusler am Rande der Heide.

Die Förster bekamen immer mehr konkrete Aufgaben. Es entstanden Ober- und Revierförstereien. Die 1737 eingeführte Forst- und Jagdordnung ist strenger angewandt worden. Vor allem die Wilderei musste aufhören. Wilddiebe wurden nun verfolgt und streng bestraft. Später wurde gar das Sammeln der Beeren nur mit Erlaubnisschein möglich.

„Er (Demiani) hat uns die Heide weggenommen!“

Dieser Kommentar war noch lange ein geflügeltes Wort.

Der Wald hatte für die Bewohner der angrenzenden Ortschaften seine Vorteile. Denn Wild, Pilze, Beeren und die Bienenzucht waren eine wichtige Lebensgrundlage. Wer Holz benötigte, holte es sich zum Teil als Leseholz. Auch die Wilderer waren reichlich am Werk. Der Bedarf an Waldstreu, die Heunutzung der Waldwiesen, mitunter auch das Fischen in den einzelnen Teichen zählten zu den Selbstverständlichkeiten, die nun auf Anordnung von Demiani unterbunden wurden. Der Rat der Stadt Görlitz wollte Geld sehen und dem Frevel ein Ende setzen.

Kein Wunder also, dass all die einschneidenden Maßnahmen auf wenige Gegenliebe bei den Betroffenen stießen.

Wer war Gottlob Ludwig Demiani?

Der Oberbürgermeister zu Görlitz (ab 1. Juni 1844) wurde am 22. April 1786 zu Dresden geboren und starb am 5. Juli 1846 ebenda. Bereits seit 1833 übte er das Amt des Bürgermeisters aus. Er stammte von einer ungarischen, im 17. Jahrhundert wegen Religionsverfolgungen aus Siebenbürgen ausgewanderten Familie her. Urgroßvater, Großvater und Vater waren Ärzte, der erst genannte zu Muskau, die beiden Letzteren zu Dresden. Verheiratet war er seit dem Jahre 1814 mit Wilhelmine Knaust, der Witwe des königlich-sächsischen Münzwardeins, welche ihm zwei Stiefkinder zubrachte.

Im Geschichtsbuch geblättert:

  • 1491/ 1492 erwarb die Stadt Görlitz die gesamte Herrschaft Penzig mit dem Heideland.
  • 1499: Kasper von Rechenberg überschickt der Ritterschaft und Mannschaft, den Landen und Städten der Oberlausitz, um die Berechtigung seines Besitzes der zwei Hämmer auf der Görlitzer Heide nachzuweisen.
  • 1815 fiel die Stadt mit einem großen Teil der Oberlausitz an Preußen. Von 1635 an hatte sie zu Sachsen gehört, vorher zu Böhmen. Kaiser Karl V. legte im Schmalkaldischen Kriege der Stadt eine harte Buße auf. Sie verlor nicht nur 25 Dorfschaften, sondern auch ihr sämtliches Rüstzeug samt Munition und musste außerdem eine stattliche Summe zahlen. Trotzdem besteht der Grundriss „Görlitzer Heide“ in 25.774 ha.
  • Das Jahr 1833 war von großer Bedeutung für die Stadt Görlitz. Es wurde die preußische Städteordnung eingeführt und Görlitz in den Rang einer großen preußischen Stadt erhoben. Görlitz war zu einer pulsierenden Stadt in der Mitte Deutschlands emporgewachsen.
  • 1843 traf das Zeitalter der Eisenbahn, aufgrund des Wunsches, zwei Zielen sich gleichzeitig nähern zu könne, eine Entscheidung. Aus dieser heraus, erwuchs mitten in der Heide ein Hauptknotenpunkt des ostdeutschen Verkehrs.

Zauberhafte Görlitzer Heide – Wissenswertes

Die Görlitzer Heide ist ein etwa 30 000 Hektar großer Görlitzer Stadtforst. Dieser füllt das große Waldgebiet zwischen der Neiße im Westen und großer Zschirne im Osten, zwischen Sänitz (Sanice), Freiwaldau (Gozdnica), Neuhaus (Nowiny) im Norden und Penzig (Piensk), Rothwasser, und Heidewaldau im Süden. Dabei soll Heidewaldau eines der schönsten Dörfer in der Görlitzer Heide gewesen sein.

Besonders charakteristisch sind die mitten in den Wäldern liegenden Teiche und die hier vorhandenen Torfmoore. Im Herbst erstrahlt die Heide in prächtig bunten Farben.


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