Karl der Große (747-814)

Karl der Große: ein (heidnischer Christ ?)

Karl der Große: Schlüsselfigur der Epoche 482-911

Karl der Große: Fränkischer König und Römischer Kaiser

Hilfe! Das ist ein Kapitel in der Geschichte, dass unendlich scheint – ertönt jetzt vielleicht so mancher Aufschrei. Und überhaupt, was interessiert mich ein Kaiser, der derart gewütet und die Christianisierung vorangetrieben hat? Ich gebe zu, einige seiner „Taten“ machen ihn nicht unbedingt zum Sympathisanten.

Es gibt unzählige Geschichten und kurzweilige Kaisersagen zu „Karl dem Großen“. Doch kommen wir nicht umhin, ein „bisschen“ in seiner Biografie zu stöbern, um überhaupt die Geschichte hinter der Geschichte zu verstehen.

Versuchen wir es mal:

Bei seiner Geburt ist es Karl nicht in die Wiege gelegt, dass er der mächtigste Herrscher des Abendlands sein wird. Zu viele Konkurrenten mit gut begründeten Herrschaftsansprüchen gibt es. Aber mit Mut, Härte strategischem Geschick und etwas Glück setzten sich sein Vater Pippin und später er selbst gegen alle Gegner durch.

Bruderzwist: Karl der Große wird 746 geboren, sein Bruder Karlmann um das Jahr 751. Wie, das bei den Franken Tradition ist, wird das Reich nach dem Tod König Pippins 768 unter den Brüdern aufgeteilt.

Doch schon bald kommt es zum Machtkampf der Geschwister.

Um seine Position zu stärken, heiratet Karl um 770 die Tochter des Langobarden Königs Desiderius, der über ganz Norditalien herrscht. Auch zum Bayernherzog Tassilo III. nimmt er Kontakt auf. Noch bevor zwischen den Brüdern ein offener Krieg ausbricht, stirbt Karlmann jedoch 771. Dessen Witwe flieht auf den Langobarden Königs. Karl verstößt seine langobardische Frau und schickt sie nach Italien zurück. Es kommt zum Krieg zwischen den Franken und Langobarden.

Völkerkunde im Schnelldurchlauf 

Das Erbe der Römer ist Eigentum der Franken geworden. Ihr Reich und seine Verbindung mit dem Katholizismus gestalteten sich zum Angelpunkt mittelalterlicher Geschichte. Die Franken waren ein kriegerisches Bauernvolk, unternehmend, verschlagen, grausam, berüchtigt ob Hinterlist und Treulosigkeit. Dabei zeigten sie einen gesunden Blick für alles Erreichbare, eine Art praktischen, staatenbildenden Instinkts.  

Zustatten kam ihnen ihr rein germanisches Hinterland, welches immer wieder neue deutsche Kräfte lieferte, und ferner eine geregelte Thronfolge: Das volle Erbrecht aller Söhne.  

Bevor in der Erzählung fortgefahren wird, müssen wir einen Blick auf die fränkische Kirche und die Belehrung der Deutschen werfen. Aber auch auf die Sachsen, Langobarden, Bayern und auf die Beziehungen zum Hof des Kalifen zu Bagdad.

Ich versuche, es so kurzweilig wie nur möglich darzustellen. Versprochen!

  • Den Franken lag eine tiefere Auffassung des Christentums ursprünglich fern. Sie verließen ihre überlebten Götter, weil Sie Christus für mächtiger hielten, bewahrten sich aber ein gutes Stück Heidentum und gelangten unter Romanen mit einer fertigen Kircheneinteilung und der zersetzen Kultur eines absterbenden Weltreiches.
  • Die Krone der Langobarden in Gefahr! Die Langobarden standen in uralt naher Beziehung zum obersten Germanengotte, zu Wodan. Noch als Herren Italiens haben sie ihn in heiligen Hainen verehrt. Der Langobarden König Desiderius fürchtet Karl, der plötzlich so mächtig ist. Desiderius gibt der Familie von Karlmann ein Zuhause. Und das nicht ohne Grund: Denn die noch minderjährigen Söhne haben Erbansprüche auf das Reich ihres Vaters., durch sie will Desiderius Karls Herrschaft untergraben. Doch der Plan schlägt fehl.
  • Bayern wird fränkisch: Bayern gehört zu den letzten germanischen Stammesherzogtümern, die noch nicht unter fränkischer Kontrolle stehen. Karl der Große verdächtigt Bayernherzog Tassilo III., ein Bündnis mit dem heidnischen Awaren gegen ihn zu schmieden. Nach der Eingliederung Bayerns in das fränkische Großreich beginnt Karl den Krieg mit den Awaren.
  • Kampf gegen die Sachsen: Einer der letzten Stämme der Germanen, die noch nicht von den Franken unterworfen sind, sind die Sachsen. 772 kommt es immer wieder zu Grenzstreitigkeiten zwischen den Stämmen. Dies nutzt Karl, um bei einem Kriegszug ins sächsische Kernland einzufallen und deren Stammesheiligtum zu zerstören.

Historische Akteure dieser Zeit:

  • Widukind: Der Sachsenherzog Widukind (Lebensdaten unbekannt) wehrt sich erbittert gegen die fränkische Eroberung und Christianisierung. Es gelingt ihm, in mehreren Schlachten die Franken zu besiegen. Nach einer Niederlage flüchtet er und sieht ein, dass weiterer Widerstand gegen Karl zwecklos ist. Er lässt sich 785 taufen. Danach verschwindet der Herzog aus den historischen Quellen.
  • Paps Leo III. (Pontifikat 795-816), ein Süditaliener aus einfachen Verhältnissen, macht eine steile Karriere in der römischen Kirche. Während sein Pontifikats bleibt er ein treuer Verbündeter der Karolinger
  • Harun ar-Raschid (766-809) wird 786 Kalif von Bagdad. Er ist bekannt für die Prachtentfaltung auf seinem Hof und ist eine der Hauptfiguren aus „Tausend und einer Nacht“.
  • Internationale Erfolge

Karl unterhält gute Beziehungen zum Hof des Kalifen von Bagdad Harun ar-Raschid. Mehrfach werden Gesandtschaften zwischen Aachen, das Karl zum Mittelpunkt seiner Herrschaft macht, und Bagdad ausgetauscht. Im Jahr 802 erhält Karl vom Kalifen das Verfügungsrecht über das Heilige Grab Christi in Jerusalem. Damit wird deutlich. das ar-Raschid Karl des Kaisers des Westens, und nicht den byzantinischen Kaiser für den wichtigsten Herrscher der Christenheit hält. Lange Zeit erkennt der byzantinische Kaiser die Erhebung Karls zum Kaiser des Westens nicht an. Erst nach einem langwierigen Krieg, in dem die Franken im Jahr 810 siegen, wird er als gleichberechtigter Herrscher akzeptiert.

  • Aufteilung des Reiches: Ganz der Familientradition folgend, teilt Karl der Große sein riesiges Reich 806 unter seinen drei Söhnen Pippin, Karl und Ludwig auf. Da Pippin und Karl aber noch zu Lebzeiten des Vaters sterben, setzt dieser 813 Ludwig zum Mitkaiser und Alleinherrscher nach seinem Tod ein. So kann das Reich ungeteilt erhalten werden.

Karl der Große stirbt am 28.1.1814 in Aachen und wird dort beigesetzt. Schon zu Lebzeiten trägt er den Ehrentitel „der Große“.

1165 wird er auf Initiative Friedrich Barbarossas heiliggesprochen.

  • Karl der Große – zur Person:

2.4.747    Geburt Karls

768           Er und sein Bruder Karlmann teilen sich nach dem Tod ihres Vaters Pippin III. die Herrschaft über das fränkische Reich.

769         Niederschlagung von Aufständen in Aquitanien

771         Karlmann stirbt, ein Bruderkrieg wird so verhindert.

772 -804 Feldzüge gegen die Sachsen

774         Karl wird langobardischer König

776        Ein Aufstandsversuch in Italien wird niedergeschlagen

778        Niederlage der fränkischen Truppen gegen die Araber von Saragossa (Spanien).

782       „Verdener Blutgericht“. Karl soll die Enthauptung 4500 Sachsen befohlen haben.

785      Karls sächsischer Widersacher Widukind lässt sich taufen.

788      Der bayerische Herzog Tassilo III. wird abgesetzt, Bayern dem Frankenreich eingegliedert.

792     Pippin, der Bucklige, Karls Sohn aus erster Ehe, stiftet eine Verschwörung an, die niedergeschlagen wird.

794      Karl beruft das erste abendliche Konzil nach Frankfurt.

799      Papst Leo III. und Karl treffen in Paderborn zusammen.

800      Kaiserkrönung in Rom

801     nach Vertreibung der Araber ist in Nordspanien die Spanische Mark Teil des Frankenreichs.

803      Die Unterwerfung der Awaren ist abgeschlossen.

812     Karls Kaisertitel wird von Byzanz anerkannt.

27.1.814 Karl stirbt in Aachen.

1165   Heiligsprechung Karls.


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