„Wer nicht von dreitausend Jahren sich weiß Rechenschaft zu geben, bleibt im Dunkel unerfahren, mag von Tag zu Tage leben.“

Was genau möchte uns Goethe damit sagen?
Ganz einfach:
Nur wer seine Geschichte, die Geschichte seiner Kultur und die Geschichte der Welt kennt, wird im Stande sein, von diesem Erfahrungsschatz bei der Bewertung seiner Umwelt und ihren Anforderungen zu profitieren. Wer seine Geschichte nicht kennt, wird bei der Bewertung oft raten müssen und kann nicht auf Erfahrung
zurückgreifen, die er als Bewertungsgrundlage heranziehen kann. Er bleibt im Dunkeln, unerfahren und lebt von Tag zu Tag ohne die Zusammenhänge zu verstehen, ohne die Welt zu verstehen, in der er lebt und ohne sie intelligent bewerten zu können, weil ihm die Grundlagen dazu fehlen: das Wissen um seine Geschichte, um die Geschichte seiner Kultur, um die Geschichte der Welt.
Ein großer Teil der Deutschen kennt nur die Geschichte ab 1933 und ihnen fehlen jegliche Zusammenhänge. Aus Lügen wurden für sie Wahrheiten, mit denen sie leben. Man kann sagen, sehr gut damit leben und an Erlebnisgenerationen unangebrachte bis hin zu frechen Antworten zu stellen, und fordern ihre Behauptungen anzuerkennen.
Die Menschen glauben viel leichter eine Lüge, die sie schon hundertmal gehört haben, als eine Wahrheit, die ihnen völlig neu ist.
Ich habe es mir zur Aufgabe gemacht, diese Erlebnisgeneration zu Wort kommen zu lassen. Meine Mutter hat vor wenigen Monaten ihren 100. Geburtstag gefeiert. Ich möchte ihrem Wunsch, endlich gehört zu werden, nachkommen. Ich möchte Niedergeschriebenes und Gesagtes zitieren und an die kommende Generation weitergeben. Ich kann nur hoffen, dass die Ausführungen und Berichte in die richtigen Hände gelangen. Unzählige Menschen haben sich über Jahrhunderte die Finger wund geschrieben, und doch kam nur selten die Wahrheit ans rechte Licht.
Wer in der Zukunft lesen will, muss in der Vergangenheit blättern
Wir bewegen uns gerade in einer Zeit, die für wachsame Menschen eine echte Herausforderung darstellt. Dass sind auch die, die der Geschichte hinter der Geschichte nachlauschen. Das ist gut. Denn so bekommt wenigstens ein Teil der Gesellschaft ein Gespür dafür, was gerade aus dem Ruder läuft und erkennt Zusammenhänge.
So fahre ich fort, mit den wahren und oft mahnenden Worten meiner Mutter:
Weil die Germanen in der NS Zeit glorifiziert wurden, glaubt man heute, sie für dumm erklären zu müssen, deren Geschichte und Geschichtsschreiber (wie Tacitus) vollkommen verändert darzustellen. Manche die Geschichte in Schule und Elternhaus nicht kennenlernen durften (und das nicht nur in der DDR) sagen so ganz naiv daher, dass die Germanen noch auf Jagd gingen, während andere Völker schon Häuser bauten.
Das macht deutlich: Nur bedingt erfolgte eine entsprechende Wissensvermittlung, die auch die große Kultur der Römer und Griechen beinhaltete.
Die Zeit der Germanen kam später. Sie waren ein wissensdurstiges Volk, unermüdlich fleißig, verantwortungsvoll und gewissenhaft, was ihnen schon bei den Römern große Anerkennung brachte. Mit den Kenntnissen, die sie bei den Römern erworben hatten und ihren eigenen klugen Ideen und dem großen Willen zum Schaffen und zum Denken, bauten sie Mitteleuropa auf, nachdem 476 das Ende des Weströmischen Reiches kam und der germanische Heerführer Odoaker zum König ausgerufen wurde.
Kaiser Karl der Große, aus dem Stamm der westgermanischen Franken, vereinte die einzelnen Königsländer zum großen Frankenreich und damit erneuerte er auch das alte römische Kaisertum.
Dieser Riesenstaat wurde später für seine Enkelkinder geteilt. Aus einem Teil bildete sich das Römische Reich Deutscher Nation, das unter der Herrschaft deutscher Kaiser fast 1000 Jahre bestand und erst unter der Gewaltherrschaft Napoleons in kleine Staaten aufgeteilt wurde.
Man kann, wenn von Tatsachen (bewiesenen) und Wahrheiten berichtet wird, nicht ein anderes Thema verlangen oder verlangen, falsche Aussagen für wahr anzuerkennen.