Der Harz – die erzreiche „Schatzkammer Deutschlands“ und eine wundervolle Sagenwelt

Als Kind war ich oft im Harz. Das Bild, dass aus dem Fotoalbum meiner Eltern stammt, zeigt mich mit meinem Cousin, der in Nordhausen lebt. Oft sind wir den Einladungen gefolgt, und haben die schönsten Ecken vom Harz erobert.

Mit seinen Wäldern und Mooren, den rauschenden Wildbächen und zerklüfteten Felsen ist der jüngste Nationalpark Deutschlands ein besonders urwüchsiges Stück Natur.

Es ist an der Zeit!  Ich habe mir fest vorgenommen, mit meinem Göttergatten in nur wenigen Wochen mit unserem Wohnmobil an die Orte zurückzukehren, die ich einst so liebgewann und um Neues zu entdecken. Selbstverständlich ereilen euch dann ganz viele Bilder und Berichte.

Harzreise 1806 / 1970 – und ich stimme euch ein, zu meinem Vorhaben noch vor Ostern in den wunderschönen Harz zu reisen.

Bis es so weit ist, schmökern wir in den Erzählungen aus dem Sagenschatz des Harzes.

Hier > „Harzreise 1806“, verfasst von Friedrich Gottschalk im selben Jahr.

Wer sich die Jahreszeit zu einer Harzreise selbst bestimmen kann, dem rate ich, nie im hohen Sommer zu reisen, teils wegen der größeren Wärme, vorzüglich aber wegen des die Aussichten verdunkelnden Heiderauches. Zu wenig Zeit sich zu einer Harzreise zu nehmen, taugt nicht. Unter 14 Tagen wird man den ganzen Harz nie mit Vorteil bereisen können.

Bloße Touren auf den Brocken können, vom Fuße des Harzes an gerechnet, freilich 2,3,4 Tagen abgetan werden.

Obgleich es auf dem Harze ziemlich sicher ist und Beispiele von räuberischen Anfällen äußerst selten sind, so rat ich doch niemandem des Nachts zu reisen, um selbst der Möglichkeit eines solchen Überfalls zu entgehen.

Gebirgige Gegenden werden am sichersten, bequemsten und nützlichsten zu Fuße bereist. Nichts entgeht dem Fußreisenden: alle Gegenstände, jeden Stein, jede Pflanze kann er betrachten, mit jedem Menschen sich unterhalten. Vor 30 bis 40 Jahren sahen noch deutsche Wirte Fußreisende von der Seite an, trauten ihrem Beutel wenig zu und behandelten sie oft mit Gleichgültigkeit. Jetzt hat sich das verloren, da so viel zu Fuß gereist wird.

Wenn schon bei weitem mächtigere und höhere Bergketten das südliche Deutschland durchziehen, so ist doch der silbereiche Harz unter allen Gebirgen unseres Vaterlandes seit altersher das berühmteste.

Der ganze Harz ist gleichsam, nur ein einziger, fast überall steil aus der hügeligen Ebene aufsteigender, vom Lande aus nur wie eine Masse erscheinender Berg, auf dessen hoch über der Ebene erhabenem, etwas abhänglichem Rücken mehrenteils zu kleinen Anhöhen, Vertiefungen und tief eingeschnittenen  Flußbetten zu sehen sind, aus dessen Nordseite aber ein zweiter´, höherer, weitprallender Berg voller Felsen und Bruchstücke hervorragt.

Diese zweite Bergmasse besteht aus Granit, hat den Brocken zu ihrer höchsten Spitze und wird daher nicht unschicklich das harzische Granitgebirge oder das Brockengebirge genannt.“

Tipp: Wer aktuell die Absicht hegt, den Hexentanzplatz aufzusuchen, muss dieses Vorhaben verschieben. Denn dort ist im Moment eine riesige Baustelle.

Quelle Text: „Aus dem Sagenschatz des Harzes“ Halberstadt 1968

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