Der Eintritt der Slaven in die Weltgeschichte

„Ein ausschließlich europäisches Volk, saßen die Slaven auf der weiten, waldigen und sumpfigen Ebene, zwischen der Oder und dem Oberlauf des Dnjepr und der Wolga, von dem Südabhang der Karpaten bis zum Baltischen Meere, im Rücken von Germanen, Dakern und Skythen. Ihre Hauptaufstellung war gegen Westen, gegen Germanen gerichtet; daher traten sie, bei späteren Griechen wie bei Römern, nur unter ihrem deutschen Namen auf, als Wenden.“

An dieser Stelle werfen wir noch einen Blick auf die Niederschrift des Dr. U. Brückner (um 1905 Historiker und Universitäts-Professor in Berlin), betreffend des Eintritts der Slaven in die Weltgeschichte.

Auch in der Sprache offenbarten sie die dieselben Beziehungen, während der Osten, u. a. Türken, den Slaven fast nichts abgab, zählen die Entlehnungen aus dem Deutschen zu ihrem ältesten und wichtigstem Sprachgut. Diese Entlehnungen weisen auf nachhaltige Einflüsse hin, auf eine vermutliche Oberherrschaft der Germanen zwischen Oder und Weichsel, wie eine historisch bezeugte Herrschaft der Goten im Osten.“

„Von diesen ihren nächsten und wichtigsten Nachbarn, waren jedoch Slaven nach Art und Anlage völlige verschieden. Gutmütig und gastfrei, sorglos und lebenslustig, lebhaften, aber unsteten Geistes, ohne Initiative und Energie, träge und oberflächlicher Art, festhalten am Altgewohnten als dem Bequemsten, jedem Druck ausweichend, jede Überordnung argwöhnisch meidend, sind es stets geborene Demokraten, ja Anarchisten gewesen; mordeten sie doch siegreiche Führer, um das Aufkommen von Herrschern im Keime zu ersticken. Dabei außerordentlich genügsam, daher auch wenig strebsam, waren sie trotz ihrer Tapferkeit und Zahl und physischen Ausdauer zu Eroberern oder zu Staatengründern nicht geschaffen.

„Ihre Ausbreitung in Europa stockte immer dann, wo sie auf ernsteren Widerstand stießen. Sie rückten meist in leer gewordene Gegenden ein. Doch gelang es ihnen nicht, besetztes Gebiet dauernd zu behaupten.“

So staute sich denn bald die große Slaven-Flut, die sich viel weniger gegen den geschützten Westen und Süden als gegen Osten und Norden ausbreiten sollte, weil hier finnische Jäger und Fischer nicht den geringsten Widerstand entgegenzusetzen vermochten.

Ihre Grenzen verschoben sich zuerst weit nach Westen und Süden; längst waren sie nämlich auch über die Oder in altes deutsches Gebiet eingedrungen. Bei Räumung der Gebiete (u. a. das der Langobarden) an Elbe, Havel und Elster, breiteten sich die Slaven schließlich bis an die Fulda, nach Thüringen (Erfurt) und weit in Oberfranken aus (Wenden am Main, Pegnitz, Regnitz).

Der Abzug der Quaden und Markomannen ließ auch die endgültige Ausdehnung über das südliche Böhmen und Mähren frei – an der Donau bei Wien, dessen keltischen Namen die Slaven beibehielten.

Zu einer neuen Vereinigung von West- und Südslaven, mochten sich auch in Dannonien, Slowaken und Slowenen begegnen, ist es nicht gekommen, denn bald schoben sich vom Osten als Querriegel die Awaren vor, worauf Wagnaren (Ungarn) für immer die westliche von der südlichen Slaven-Welt abgetrennt haben.“

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