
Wuchtig groß erscheint es, das Denkmal, dass zur Erinnerung an die Völkerschlacht erstellt wurde. Letztes Jahr haben wir es besucht.
In den Tränensee, auch Sorgenteich genannt, werfen wir einen kleinen Stein hinein. Man sagt: Wenn man dem Stein seine Sorge zuspricht, und ihn dann anschließend in den Teich wirft, verschluckt der See deine Sorgen und die Tränen lassen nach. Das glaube, wer mag: Aber der Wurf des Steins ist unheimlich befreiend!
Wir sind hier: Am Völkerschlachtdenkmal – ein Tränensee im Vordergrund und die Silhouette eines Denkmals, dessen Geschichte sich im Wasser spiegelt.









Und wieder schreiben wir deutsche Geschichte: Ja, es gab auch eine Zeit vor 1933!
Das Land der Deutschen, und die Gefahr als Volk ausgelöscht zu werden
Der geschichtliche Lebenslauf der Germanen beginnt mit Kämpfen gegen das Römerreich. Auf die Jahrhunderte des Kampfes folgte ein Jahrtausend des willigen Lernens, freilich, nicht ohne weitere Schlachten schlagen zu müssen.
Das tausendjährige Reich deutscher Nation, dass von den Merowingern, unter Karl dem Großen, von Sachsen und Saliern aufgebaut und gestärkt worden war, ging vor Napoleon in Trümmern. Getrennte Staaten, deren Oberhäupter volle Selbstherrlichkeit bekamen, schreibt das Jahr 1806, und Deutschland war seitdem nur ein geografischer Begriff. Das Land der Deutschen blieb es allerdings. Jedoch brach auch mit dem Zusammensturz des Reiches die schwere Gefahr herein, als Volk ausgelöscht zu werden.
Als ein Volk all seine Kräfte bündelte
Da, nachdem das staatliche Dasein der Deutschen vernichtet worden war, als ihnen die Gefährdung ihres Bestandes als Volk fühlbar wurde, fing man bei uns zum ersten Male an, vom „Deutschtum“ zu sprechen und raffte sich empor, um mit dem letzten und äußersten Aufgebot der Kräfte die Franzosen aus dem deutschen Boden herauszuschlagen.
Wir schreiben das Jahr 1813 – es galt, das Vaterland zu erstreiten. Auf den Gefilden Leipzig fiel die Entscheidung zum Heile für Deutschland.
Sachsen, Pommern, Preußen, Österreich, Schweden, Russland: Von überall rückte Verstärkung an. Sehr blutig ging es her. Kein Franzose wurde verschont. Mitten im Kampfgetümmel warfen die Einwohner aus den Fenstern den Preußen Äpfel zu, die begierig aufgesucht wurden, reichten ihnen auch einige Flaschen Wein.
Mit einstimmigen Hurrageschrei gingen es an gegen den Feind und ein rauschendes Lebehoch der Leipziger begleitete ihr herzhaftes Vordringen.
- Damals, vom 16.-19. Oktober 1813 kämpften bei Leipzig in der größten Schlacht vor dem 1. Weltkrieg über 510.000 Soldaten gegen die Truppen Napoleons.
Die Schlacht der Schlachten war zu Ende
Einige Stunden des Freudenrausches in den Gemütern ließen ihren dunklen Hintergrund vergessen. Hinweg gerollt war das große Ereignis über einen weiten Raum, den es als Brandstätte, als ein unermessliches Leichenfeld zurückließ. Wo vor einigen Tagen noch blühende stattliche Dörfer gestanden, waren jetzt rauchende Ruinen und unförmliche Steinhaufen.
Mit soviel Zerstörung, Jammer und Elend musste die Befreiung Deutschlands erkauft werden – teuer, sehr teuer.
Die Eigenschaften, das Vermögen und die Absichten des deutschen Volkes werden oft in ein falsches Licht gerückt.
Wie einst Paul Hindenburg es schon in seiner Rede deutlich machte. Eine Rede, die einst als Tafel das Tannenberg-Denkmal schmückte – mit Blick auf vergangene Schlachten.
„Die Anklage, dass Deutschland schuld sei an diesem Kriege, weisen wir, weist das deutsche Volk in allen seinen Schichten einmütig zurück! Nicht Neid, Haß oder Eroberungslust gaben uns die Waffen in die Hand. Der Krieg war uns vielmehr das äußerste, mit dem schwersten Opfer verbundene Mittel der Selbstbehauptung einer Welt von Feinden gegenüber. Reinen Herzens sind wir zur Verteidigung des Vaterlandes ausgezogen…“
Zum Denkmal:
- Die Eingangstüre verschwindet fast unter der über 11 Meter hohen Statue des Erzengels Michael, der mit dem Schild der Kreuzritter, dem Flammenschwert und dem Adlerblick die Besucher anschaut. Zu beiden Seiten ein Relief mit einer Schlachtenszene.
- Das symbolische Grabmal für die Toten der Völkerschlacht hat in allem überdimensionale Ausmaße. An der Außenseite der Kuppel halten 12,5 Meter hohe Ritterfiguren, gestützt auf ihr Schwert, Totenwache.
- Der Bau des 300.000 Tonnen schweren Denkmals kostete ca. 6 Millionen Mark, was heute rund 49 Millionen Euro entspricht.
- Von der Sängergalerie hat man einen wunderschönen Blick nach unten und nach oben – nach unten zur Ruhmeshalle mit seinen vier gut 10 Meter hohen Steinfiguren – und nach oben in die Kuppelhalle. In elf Kreisen sind 324 fast lebensgroße Reiter abgebildet, die abwechselnd mal in die eine oder andere Richtung reiten.
Wir blicken zurück auf: Tapferkeit, Glaubensstärke, Volkskraft, Opferfreudigkeit und eine entscheidende Schlacht der Befreiungskriege…, versehen mit der Hoffnung, dass das deutsche Volk doch endlich zur Besinnung komme, und die Gefährdung ihres Bestandes fühlt.
Quelle: Die Völkerschlacht bei Leipzig von Heinrich Wuttke (1863) Dritte Auflage