
Der Dreißigjährige Krieg war anfangs religiös begründet, aber bald fielen die Nachbarstaaten ins geschwächte Reich ein, jeder wollte Land gewinnen. Zuerst die Dänen, die von Wallenstein (nach Schiller Wallenstein) geschlagen wurden und den Plan aufgaben. Es folgten Heere der Schweden und Franzosen. Die Franzosen hofften, die kaiserliche Macht im Reich zu schwächen, und Land zu erobern, die Schweden sahen ihre Chance auf Nordosteuropa zu erweitern.
Am Ende des Kriegs nahmen sich Frankreich und Schweden große Gebiete des deutschen Reiches.
Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts erholte sich Görlitz von den Folgen des Dreißigjährigen Krieges. Leine- und Damastweberei und der Handel mit Getreide, Wolle und Metallerzeugnissen brachten neuen wirtschaftlichen Aufschwung. Das Kriegsgeschehen hatte die Bautätigkeit zum Erliegen gebracht, aber schon ab Endes des 17. Jahrhunderts entstanden viele neue Häuser und um 1720 großartige Barockhäuser u. a. Handwerk 22, Obermarkt 29-31, Nikolaistr.32, Langenstr. 43, Untermarkt 13, Neißestr. 27 sowie das Haus Neißestr. 20.
Jedoch ab Anfang 19. Jahrhundert brachten Napoleons Raub-und Plünderzüge, die Einquartierungen mit hohen Sachschäden und die von den Okkupanten auferlegte Geldleistung, der Stadt hohe Schulden und damit den wirtschaftlichen Rückschlag.
Nach den Befreiungskriegen 1813-1815 und Napoleons endgültiger Niederlage durch den Sieg der preußischen und der verbündeten britischen Armee 1815 bei Waterloo, kam Görlitz und die Oberlausitz zu Preußen. Das Zerstörte wieder aufzubauen war mühevoll, aber es gab Erfolg und großen Fortschritt.



Schon 1816 entstand die erste Görlitzer Tuchfabrik, deren Maschinen durch die Wasserkraft der Dreiradenmühle betrieben wurden. Ab 1830 begann die Industrialisierung in der Stadt. Dieser Veränderungsprozess erfasste zunächst die traditionelle Tuchherstellung, führte jedoch auch zur Gründung neuer Wirtscahftszweige, Waggon- und Maschinenbaubetrieben, Landskronbrauerei u. s. w.


1847 erhielt Görlitz Anschluss an das preußische und sächsische Bahnnetz. Im gleichen Jahr wurde der Viadukt fertiggestellt.





Siehe auch:
Infotafel:
Dreißigjähriger Krieg (1618-1648) – Auslöser Prager Fenstersturz 1618
Fensterstürze sind im Mittelalter und in der frühen Neuzeit nicht unüblich. Sie stellen eine Form des Protests zwischen Lynchjustiz, Gottesurteil und gemeinschaftlich begangenem Mord dar.
Fotos:
- Görlitz von Norden (Lithographie um 1840)
- Getreideernte am Fuße der Landeskrone (Zeichnung und Lithografie von L. Sommerschuh um 1845)
- Der Obermarkt als Zentrum der Begegnung und des Durchgangsverkehrs. Auf dem Bild von der Brüdergasse aus gesehen.
- Der Obermarkt: Zentrum zahlreicher Huldigungsfeiern und Paraden (Lithografie von C. Kadersch um 1840)
- Die historische Ecke am Untermarkt mit den Einmündungen der Neißgasse und Webergasse.
- Private Aufnahmen aus dem Jahr 2022
Bild und Textquelle: „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“ Schriftenreihe Städtische Kunstsammlungen Görlitz Heft 19 / 1. Auflage 1984