
Dieser Satz stammt aus der Feder der Ruth Storm, einer Dichterin aus Schlesien mit großer Sprachkraft, die mit erzählerischem Können ein großes Kapitel aus dem Schicksalsbuch des deutschen Ostens behandelt.
Ihr dürft mir glauben, dass mir das Behandeln von Schriften und Niederschriften der Betroffenen nicht leichtfällt und ich lange mit mir gehadert habe.
Ich muss das nicht tun. Nein. Aber ich möchte es. Denn es ist nicht nur mein Wunsch, es ist vor allem der Wunsch unserer Vorfahren, es ist meine Pflicht.
Viele Gräueltaten aus der Vergangenheit wurden, und werden immer noch in den Fokus gerückt. Das ist gut so, gut gegen das Vergessen. Doch sollten Verbrechen, und das daraus resultierende Leid und Schicksal der Menschen immer gleichbehandelt und ebenso benannt werden. Die meisten unter uns wissen nur zu gut, wovon ich hier schreibe, und auch, dass es eben so nicht umgesetzt wird, oder eben nur so weit, dass man offiziell vorgibt, genug dafür getan zu haben.
Doch wer kennt die Geschichten schon von
… damals, als Hundertausende Ostdeutscher leidvoll die Rechnung des verlorenen Krieges tragen mussten?
… damals, als die Eroberung Schlesiens durch die Rote Armee der Sowjetunion erfolgte?
… damals, als Pommern für viele West-und Ostpreußen zum Fluchtweg wurde?
Das Geschehene ergibt
- Lesestoff für Kapitel in Bücher gefasst, welche die Räume einer mächtigen Bibliothek füllen könnten.
- Filmmaterial für Dokumentationen, Spielfilme, Dramen und Tragödien, die sämtliche Sender fluten würden.
- Presseberichte, die in ihren Auflagen unendlich wären.
Viele kennen Schindlers Liste, doch kaum jemand die Liste derer, die sich 1945 bis 1949 geschichtlich einzigartiger Vertreibungsverbrechen an Deutschen schuldig gemacht haben.
Hin und wieder wird es mal erwähnt, es gibt einen Bund der Vertriebenen, es haben sich Landsmannschaften gebildet, es gab ehemalig ein Bundesministerium für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsgeschädigte.
Warum eigentlich ehemalig?
1969 wurde das Ministerium im Zuge der Ostpolitik Willy Brandts unter starker Kritik der Vertriebenenverbände aufgelöst. Die Zuständigkeiten gingen in den Geschäftsbereich des Bundesministeriums des Innern über.
Heute werden die Vertriebenenverbände (noch) „geduldet“ – so mein Gefühl. Und das trügt mich in der Regel selten.
Unzählige Tatsachenberichte stammen aus den Händen der Erlebnisgeneration der 12 Jahre von 1933-1945 und in den Jahren danach. Diese Generation scheidet aus der Welt. Es ist die Aufgabe der Nachkommen das Wissen darüber zu bewahren und an die nächste Generation weiterzugeben.
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Meine Mutter schreibt 1990: Ich weiß, dass auch meine Tage gezählt sind. Deshalb habe ich mein Wissen über Wahrheit und Tatsachen niedergeschrieben und Beweise dazu gelegt. Längst ist es nicht alles, was ich erlebt, und wovon ich Kenntnis habe. Alles was ich darüber besitze, geht zu Händen meiner Kinder. Ich hoffe, auch sie bewahren dieses Wissen und geben es weiter.“
Meine Mutter ist am 5. Januar 2023 100 Jahre alt geworden, und hofft, nach wie vor, dass endlich Wahrheit ans Licht kommt.
Die spannungsreichen Kapitel einer Wahrheitssuche, dürfen nicht unter dem Schutt der Vergangenheit“ vergraben bleiben.
Auszug aus einer Niederschrift vom Juni 1974 auf der Reise nach Breslau.
„Eine 80-jährige Polin sagte u. a. folgendes: „Bei unserer Einweisung in die Wohnungen in Breslau und anderen Orten wurde uns mitgeteilt, dass diese Gebiete und Städte mit Gebäuden usw. rein polnische seien und von den Deutschen 1939 eingenommen wurden. Erst später haben wir erfahren, dass hier keine Polen, sondern über Jahrhunderte nur Deutsche wohnten – wir können es gar nicht begreifen, das man uns so belogen hat.“
Ein junger Pole sagte: „Erst vor einigen Wochen habe ich erfahren, dass das alles deutsche Städte sind und meine Großeltern 1946 in eine Wohnung zogen, aus der man, wie überall in den Orten die Deutschen vertrieben hat. Ich betrachte, die heute noch vorhandenen Gegenstände in der Wohnung mit ganz anderen Augen und frage mich, ja ich überlege, was haben dieses Menschen ertragen müssen, als sie zum letzten Mal aus dem Fenster oder auf den Regulator nach der Zeit schauten.“
Weiter schreibt sie: „In unverfrorener Weise hat auch der polnische Papst die Erde Breslaus mit den Worten geküsst: „Ich bin wieder auf polnischem Boden, ich bin wieder zu Hause.“ Und was so ein Papst behauptet, müssen ja die treuen Katholiken auch glauben. Da fragt auch keiner, was hat eigentlich der Papst als junger Mann gemacht? Und auch das ist wahr: Er trug ein Gewehr und hat damit geschossen!“. Und dem nicht genug: In einer seiner Aussagen beruft er sich auf einen „gerechten Krieg“.
Kein Krieg ist gerecht! Doch wer das Unrecht für sich pachtet, wird es stets nach außen tragen. Auch, oder vor allem…, ein Papst, der sich zwar Vertreter Gottes auf Erden schimpft, und doch nicht mehr ist, als der Lakai einer Kirche, die von Beginn an, dem Menschen mehr Schaden brachte als Nutzen… – ein Syndikat.