„Ein Drama von atemberaubender Wucht und voll apokalyptischer Bilder“ – wer wird einmal über unser Leben berichten?

Bevor ich die Erinnerungen einer Erlebnisgeneration aufgreife, unternehme ich noch einen Zeitsprung in Schlesiens Vergangenheit, zu seinen Ursprüngen. Im Schrifttum taucht im 10. Jahrhundert das Reich des Mesikos (auch Miseco) im Gebiet des Posener Landes auf. Bis 990 dehnte Dago-Mesiko sein Reich auch auf Schlesien aus.

Seit jener Zeit, in der zum ersten Mal schriftliche Aufzeichnungen über das Land an der Oder gemacht wurden, verging kein Jahrhundert, in dem es nicht schwere Heimsuchungen erleiden musste. So war es die Schlacht bei Wahlstatt (Liegnitz) 1241, nach der sich der Ansturm der Mongolen auf Zentraleuropa brach, der dieses Land überhaupt erst richtig ins Bewusstsein des Abendlandes rückte.

„Sie sind mehr Ungeheuer, die nach Blut dürsten und es trinken, als Menschen“ (Heinrich II. (der Fromme), dem die unangenehme Aufgabe zufiel, sich dem Heer der Mongolen entgegenzustellen).

Doch was geschah zuvor?

 „Wie mittelalterliche Chronisten berichten, versuchte Dago mehrmals, die Herrschaft über den unteren Oderlauf von Küstrin bis nach Wollin zu erkämpfen. Doch andere Wikingerfürsten hatten diesen wichtigen Zugang zur Ostsee bereits besetzt. Wie weiter östlich entlang der Wolga und ihren Nebenflüssen, wo die schwedischen Rus Handelsstützpunkte errichteten und schließlich das russische Reich gründeten, so bauten norwegische Wikinger auf der späteren Dominsel bei Posen eine Burg, von der aus sie das Wandalenreich beherrschten. Erst gegen Ende des 10. Jahrhunderts trat Gnesen an die Stelle von Posen.“

„Einige Historiker glauben, dass Dago der Nachkomme einer einheimischen germanischen Adelsfamilie gewesen sei. Nach verbreiteter polnischer Überlieferung soll Mesiko dagegen von einem Bauern namens Piast abstammen, der bei Kruschwitz (östlich Posen) gelebt habe. Selbst heute noch führen mehrere polnische und schlesische Uradelsgeschlechter ihre Abstammung auf ostgermanische Wandalen, Quaden oder Markomannen zurück. Viele uradelige polnische Familien führen germanische Runenzeichen.“

(Auszug, übernommen aus Johannes Schultz-Tesmar Reiseführer „Durch das Land an der Oder“)

Hier machen wir einen Zeitsprung, denn zu den darauffolgenden Ereignissen wie

  • Christianisierung,
  • Feldzug des Kaisers Friedrich Barbarossa,
  • Abzug der Mongolen
  • Reformation
  • Dreißigjähriger Krieg

lesen wir an anderer Stelle.

„Das weitgehend protestantisch gewordene Schlesien wurde von den Habsburgern im Zuge der Gegenreformation zwischen 1648 und 1654 zwangsrekatholisiert. Den Protestanten waren im Westfälischen Frieden nur drei Friedenskirchen (in Schweidnitz, Jauer, Glaugau) zugestanden. Über 600 protestantische Kirchen wurden katholisier. 1707 erreichte Karl der XII von Schweden im Vertrag von Altranstädt die Rückgabe von 121 Kirchen an die Protestanten und das Recht, sechs Gnadenkirchen (in Sagan, Freystadt, Militsch, Landeshut, Teschen, Hirschberg) zu bauen“.

Als ich vor Kurzem meinen Beitrag „Görlitz meine Heimatstadt zwischen Reformen, Eroberungen, Kriegen und wirtschaftlichem Aufschwung“ in einer Groppe öffentlich machte, las ich den folgenden Kommentar: „Der dreißigjährige Krieg war ein antigermanischer Feldzug, hervorgerufen durch die Kirche und ihre Büttel“. Dem vermag ich nicht zu widersprechen.

Die spannungsreichen Kapitel einer Wahrheitssuche, dürfen nicht unter dem Schutt der Vergangenheit“ vergraben bleiben.

Wie viele Schlesier wissen auch die Pommern, West- und Ostpreußen um ihre Wurzeln und um die Dramen atemberaubender Wucht. Sie reichen weit, sehr weit zurück. So blickt auch Pommern (deutsche Provinz seit 1181) sowie West- und Ostpreußen auf eine bewegende Geschichte zurück.

Dazu aber in einem Beitrag mehr.

Quellen:

Schlesien-der Reiseführer durch das Land an der Oder – Johannes Schultz-Tesmar

Erlebnisberichte /Niederschriften meiner Mutter (geb. 1923) und meiner Großeltern (geb.  gest.

Kulturstiftung.org/biografien

Schlesien –Land aus Gottes Hand Josef von Gollitschek


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