Zobten? Kennt ihr nicht? Dann wird es Zeit. Dieser dunkle und geheimnisvolle Berg war schon zur Bronzezeit bewohnt und bewahrt eine sagenhafte Geschichte. Daher möchte ich dem Zobten wenigstens zwei Kapitel widmen.

Ab 300 – 100 v. u. Z. kamen die Germanen zum (heute) sagenumwobenen Vater Zobten. Es waren die Silinger, ein Stamm der Vandalen. Sie gehörten zum Gesamtverband der Ostgoten. Aus dem Namen dieses Stammes – Silinger – entstand viel später der Name Schlesien.
Der Zobten, auch Siling genannt, ist mit seinen 718 Meter der höchste Berg des Zobtengebirges und befindet sich etwa 30 Kilometer von Breslau entfernt. Diesem dunklen und geheimnisvollen Berg hat man viele Namen gegeben: Götterberg, schlesischer Olymp, Germanenberg, heiliger Berg der Schlesier, Mittelpunkt Schlesiens, Nabel Schlesiens, Wetterprophet.
Bei Asgar, Odin und Fryia
Die Silinger machten den Zobten mit ihren Göttern zum Germanenberg, und den Berggipfel zu Asgard, dem Wohnsitz der Götter in der germanischen Mythologie. Odin, den Göttervater stellte man sich als Reiter, und Donar mit dem Hammer über den Wolken vor. Es gab auch weibliche Göttinnen wie Fryia und Frigg, die Frau Odins.
Wo wir bei den Aufzeichnungen Tacitus’s angelangt sind: So schreibt er in seiner Germania: „Sie stellten ihre Götter nicht menschenähnlich dar, sie weihen ihnen Lichtungen und Haine und mit Namen von Göttern bezeichnen sie jenes Geheimnisvolle, dass sie nur in ihrer Verehrung und im Geiste schauen.
Götterberg und Kultstätte der Illyrier, und später der Gallier
Bereits 1000 v. u. Z. wurde der Zobten ein Götterberg, sein Gipfel eine Kultstätte. Zuerst für die Illyrer, sie kamen aus der Gegend der westlichen Balkanhalbinsel, die damals den Namen Illyrien trug.
Die Illyrer waren mit den Dorern um 1200 v. u. Z. in das Gebiet um das heutige Athen eingewandert und mit ihrer Einnahme des Landes begann das griechisch-römische Altertum die Antike. Der Berg Olymp in Griechenland galt nach den Aussagen der antiken Dichter als sagenhafter Sitz der griechischen Hauptgötter mit dem Götterkönig Zeus und seiner Frau Hera. Und diese Götter verehrten die Illyrer auf dem schlesischen Olymp, dem Zobten. Für sie war wahrscheinlich auch das Orakel wichtig, eine Stätte, meist ein Heiligtum, wo Priester Weissagungen gaben. 200 Jahren lebten die Illyrer mit ihren Göttern am und um den Zobten, dann zogen sie weiter.
Von Kelten und Druiden – von Orakeln der Weissagung und Zauberei
Ihnen folgten die Kelten, die Griechen nannten sie Galater, die Römer Gallier. Auch sie verehrten ihre Götter auf dem Zobtengipfel und sie hatten eine Priesterschaft, die Druiden. In den Händen dieser Priester lag die Erziehung der keltischen Jugend, das Richteramt, das Orakel mit Weissagungen. Zauberei war ihnen wahrscheinlich nicht fremd.
Es gab auch weibliche Priesterinnen. Die Kelten kamen ca. 700 v. u. Z. aus Böhmen zum Zobten und wanderten erst 400 Jahre später weiter.
Heute krönen den Haus-und Geisterberg Breslaus ein Sendeturm und eine Bergbaude. Rundum finden sich heidnische Steinskulpturen: Jungfrau mit dem Fisch, Bär und Eber, die als charakteristisches Symbol des Sonnenkultes die Swastika tragen.
Eine Wanderung zum Zobtengipfel ist ein spannendes Wagnis voller Mystik, im Zauber unserer Götter.

