Der Zobten – Teil II

Zurück zum Zobten, dem dunklen und geheimnisvollen Berg unweit Breslaus, und hin zu einer Zeit, die längst vergangen,  aber deren Geschichte immer noch eng mit uns verbandelt ist.


Was wir aus dem ersten Teil bereits wissen: Die Germanen kamen ab 300-100 v. u. Z. zum Zobten. Es waren die Silinger, ein Stamm der Vandalen. Sie gehörten zum Gesamtverband der Ostgoten. Aus dem Namen dieses Stammes – Silinger – entstand viel später Schlesien. Die Silinger machten den Zobten mit ihren Göttern zum Germanenberg.

Tacitus schrieb das etwa 73 u. Z.:

 „Die Germanen stellten ihre Götter nicht menschenähnlich dar, sie weihen ihnen Lichtungen und Haine und mit Namen von Göttern bezeichnen sie jenes geheimnisvolle, dass sie nur in ihrer Verehrung und im Geiste schauen. Die Germanen sind groß, blond und haben blaue Augen. Die germanischen Mädchen heirateten erst mit 20 Jahren und nicht wie in Rom als Kinder. Der Mann hat nur eine Frau und die Frau ist dem Manne gleichgestellt“.    

Etwas ist dazu noch erwähnenswert: Zahlreiche Bodenfunde aus der Zeit der Vandalen verraten uns die hohe Kultur dieses oft zu Unrecht verleumdeten Germanenstammes. Sie waren bäuerliche Siedler, Viehzüchter und Ackerbauer. Sie waren auch geschickte Handwerker beim Haus- und Gerätebau und der Schmuckherstellung sowie bei Webarbeiten und sie betrieben bereits Handel. Die Silinger verarbeiteten den Zobtengranit zu Mühlsteinen. Im 6. Jahrhundert verließen die Silinger den Zobten. Zurück blieben Ringwälle, Steintische und die Steinfiguren, die ich schon im ersten Teil zum Zobten erwähnte.

Für die Breslauer war der Zobten der Hausberg und

Der heidnische Kult auf dem Zobten vor Christianisierung

100 Jahre später kamen in geringer Zahl Slawen zum Zobten. Auf dem Gipfel des Berges verehrten sie ihre Götter-, ihr oberster Gott war Flyn. Dem heidnischen Kult wurde durch die Christianisierung ein Ende bereitet. Doch manch alter Brauch der verschiedenen Stämme tauchte später bei den Menschen in einer anderen Form, meist in einer erdachten Gestalt wieder auf. Darunter Rübezahl und andere Geister wie Wasser-, Feld-, Erd-, Berg-, und Hausgeister, Riesen und Kobolde und viele mehr.

Fast alle Sagen berichten Spukgeschichten von Haus und Hof, Schloss und Ruine, Kirche und Kirchhof. Das Wahrsagen ist sogar bis in die heutige Zeit erhalten geblieben.

Die Kelten feierten hier (vor mehr als 500 Jahren) das Fest Samhain, sie warteten auf die Rückkehr der Toten und vertrieben die bösen Geister.

Doch zurück zu weiteren Ereignissen im Zusammenhang mit dem Zobten.

Auf dem Berg stand 1120 eine Burg. Sie wurde dem Grafen Peter Walst als Lehen übergeben. Der Graf wandelte sein Burgverlies in ein Augustinerherrenstift um, und holte wallonische Mönche aus Flandern. Die Ordensleute lebten nur 40 Jahre auf dem Berg. Sie gründeten am Fuße des Zobten bei Grokau eine Abtei.

Die Piasten, die in Mittelschlesien ihr Lehen hatten, waren deutschfreundlich, sie sprachen Deutsch und ihre Ritter waren zum größten Teil Deutsche. Dazu kam, dass sie sich mit Töchtern aus deutschen Fürstenhäusern vermählten. (siehe hierzu die Infotafel am Ende des Beitrags).

Wie sich daraufhin das Land um den Zobten veränderte

Die Herzöge schickten Werber, meist Ritter, zu dem Franken, Thüringern, Sachsen und Flamen. Sie versprachen den Siedlern fruchtbares Land, Bauern, Handwerker, Kaufleute und Ritter folgten diesem Ruf.

Hatten die Werber einen Zug Siedlungswilliger mit Familie. Hausrat und Vieh zusammengestellt, begann die beschwerliche Reise in das fast menschenleere Land. Die Reise dauerte oft Monate. Gleich bei der Ankunft wurde jedem Siedler ein Stück Land zugeteilt. Die Werber bekamen als Dank abgabefreien Boden, sie wurden meist Dorfvorsteher, Richter u. s. w.

Für die Siedler begann nach den Strapazen der langen Reisen eine harte Zeit, der Boden musste gerodet werden und eine Hütte gebaut.

Allerdings blieben sie auch 10 Jahre abgabefrei.

Es entstand der älteste Marktort Schlesiens

Es ist kaum zu glauben, dass bis 1350 über 1200 Dörfer und ca. 120 Städte gegründet wurden. Die Wildnis rund um den Zobten hat sich in ein blühendes Land verwandelt. Zu den Neugründungen gehörte auch die Stadt Zobten. Die entstand 1221 als ältester Marktort Schlesiens. Das ist urkundlich belegt.

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Infotafel! Hier findet ihr historische Eckdaten – und noch mehr zur Geschichte hinter der Geschichte

  • Boleslaw III. heiratete 1110 Salome, die Tochter des schwäbischen Grafen Heinrich von Berg.
  • Der Sohn Boleslaus I. nahm 1163 die bayerische Grafentochter Agnes v. Sulzbach zur Frau.
  • Agnes v. Sulzbach war eine Schwester des damaligen Kaisers Konrad III.
  • Und wieder der Sohn Heinrich I. heiratete 1186 18-jährig die 12-jährige Hedwig, die Tochter des Herzogs v. Andechs von Oberitalien.
  • Herzogin Hedwig erwarb sich die Liebe ihrer Untertanen, sie wurde 1265 heiliggesprochen. Fast jeder Schlesier kennt sie als „Hedwig von Schlesien“.
  • Unter Heinrich I. waren die Piasten zu deutschen Fürsten geworden, damit schied Schlesien 1327 endgültig aus der polnischen Verbindung aus. Nur Oberschlesien wurde nicht eingegliedert.
  • Unter Herzog Heinrich I. und anderen Herzögen begann die Erschließung Schlesiens durch deutsche Siedler.

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