Von Raubrittern, von Krieg und Zerstörung, von emsigen und tapferen Menschen, von Feen und einem Berggeist –  von einem Berg, der Geschichte ausruft

Gerne möchte ich dem Zobten, diesem dunklen geheimnisvollen Berg, ein weiteres – ein letztes Kapitel widmen. Mit diesem Berg lässt sich ein von ungeheurem Ausmaß, beachtlicher Teil der deutschen Geschichte erfassen. Einige unter uns erinnern sich vielleicht an die vorangegangenen Kapitel zu dem mystischen Berg mit den vielen Namen: Götterberg, Germanenberg, Berg der Schlesier oder Wetterprophet.

In der Kommentarspalte könnt ihr diese noch einmal aufrufen.

Was war in der Zwischenzeit auf dem Zobtenberg geschehen, nachdem die Ordensleute ca. 1200 vom Berg gingen?

Zurück blieben die Kuppe und das einstige Kloster – verödet und verlassen.

Im 15. Jahrhundert trieben Scharen von Raubrittern ihr Unwesen hinter den alten Mauern. Die verbündeten Städte Breslau und Schweidnitz zerstörten die Anlage und vertrieben die Raubritter.

Schon Mitte des 17. Jahrhunderts bekam der Zobten für seine Besucher die Jägerbaude. Einige Jahrzehnte danach, setzte man für die vielen Ausflügler die Zobtenbaude daneben.

1702 entstand an der Stelle des alten Klosters eine Kapelle, die 1834 ausbrannte, 17 Jahre später wurde die Bergkirche errichtet.

Trotz Iser- und Riesengebirge und dem Berggeist Rübezahl machten die Schlesier den heidnischen Götter- und Germanenberg zu ihrem Wahrzeichen.

Viele Menschen aus der Umgebung, aber auch Reisende von weither, zog es zum Zobten.

Alle schlesischen Dichter bestiegen diesen Berg.

Eichendorff kam als 16-jähriger zum Zobten. Er schrieb in seinem Tagebuch unter dem 21. Mai 1804 u. a. folgendes: „Vom Zobtenberge , von dem wir froh den schönen Abend genoßen und die ausgebreitete Gegend mit den Fernrohre überschauten, und einen Tag später, auf dem Wege nach der Koppe, des berüchtigten Zobtenberges. Erwartungsvoll schritten wir nun über das Gestein und die Felsen, die uns schaurig in die Ritter- und Feenwelt versetzten und erreichten endlich mit Freudengeschrei den Gipfel, wo plötzlich tief unter uns ringsum unser geliebtes Vaterländchen lag, wo wir aus den Seitenfenstern der alten 100-jährigen Kirche, die auf einer Wiese den Gipfel krönt, auch den Sonnenaufgang hatten“.

Auch Carl und Gerhart Hauptmann besuchten den Berg. Der letzte Zobtenbaudenpächter, ein Herr Kaiser, besaß noch alte Koppen – bzw. Gästebücher. Und darin fand man auch die Namen bekannter Persönlichkeiten, auch den von Generalfeldmarschall von Moltke. Einige Dichter hatten sich mit Versen in den Büchern verewigt, darunter Felix Dahn und Robert Rößler. Paul Keller schrieb den humorvollen „Bergkrach“, in dem der nicht halb so hohe Zobten mit seinen 718 Metern, die Königin des Riesengbirges, die 1605 Meter hohe Schneeekoppe, als ANE ALE GAKE bezeichnete. Dieser blieb die Antwort nicht schuldig und nannte den Zotaberg einen FATZKEN, Rübezahl hat laut einer Erzählung die Gemüter wieder beruhigt.

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Die Geschichte um den Zobtenberg im Zeitraffer:

  • 1220 entstand die Stadt Zobten als ältester Marktort Schlesiens
  • Aus den alten deutschen Stämmen der Franken, Schwaben, Flamen, Thüringer, Sachsen und den wenigen Slawen wurde der Neustamm der Schlesier.
  • 1325 wurde ein Teil Schlesiens böhmisch, darunter auch die Stadt Zobten.
  • Bis 1350 entstanden über 1200 Dörfer und ca. 120 Städte wurden gegründet. Zu dieser Zeit regierte in Prag Kaiser Karl IV. Er stammte aus dem deutschen Grafengeschlecht der Luxemburger.
  • 1526 übernahmen die Habsburger unter Ferdinand I. Schlesien. Ferdinand I. war der Bruder Karl V. Durch ihn wurde Schlesien weiter in das Reichsgefüge eingebunden.
  • 1740 übernahm Maria Theresia die Regentschaft in Österreich und im selben Jahr Friedrich II. d. Große die Regentschaft in Preußen.
  • Schon zwei Jahre später (1742) kam es zum Krieg zwischen Österreich und Preußen. Nach dem Sieg Friedrich d. Großen ging Schlesien an Preußen. Maria Theresia bekam von Friedrich d. Großen die Zusicherung, dass ihr Mann Herzog Stephan von Lothringen, Kaiser von Deutschland wird. Und tatsächlich wurde er als Franz I. zum deutschen Kaiser gewählt.
  • 1806 ging das Römische Reich Deutscher Nation nach fast einem Jahrtausend durch die Herrschaft Napoleons zu Ende.

Französische Truppen zogen auf dem Marsch gegen Russland durch Niederschlesien. Laufend mussten die Städte für Unterkunft und Verpflegung sorgen. Auch nach seiner Niederlage in Moskau auf dem Rückzug 1812.

Doch die Niederlage Napoleons gab Hoffnung auf eine Befreiung. Mit dem Aufruf Friedrich Wilhelm III. „An mein Volk“ und der Verlegung des königlichen Hofes nach Breslau, wurde Schlesien zum Zentrum der Erhebung gegen die französische Vorherrschaft. Nach dem Aufruf war die Opferwilligkeit der Schlesier riesengroß. Die Handwerker arbeiteten Tag und Nacht an der Herstellung von Ausrüstungsgegenständen für die Armee. Jeder brachte sein Scherflein für den Befreiungskampf.


Als 1832 die Farben schwarz-rot-gold zu Nationalfarben wurden…, die Geschichte hinter der Geschichte

Während der Zeit, als die Menschen rundum den Zobten alles für den Befreiungskampf unternahmen, entstand in Breslau eine schlesische Armee von etwa 10 000 Freiwilligen.

Andere stifteten wertvollen Schmuck, Silber- und Goldbestecke und Geräte. Sogar die goldenen Trauringe tauchten sie in eiserne Ringe mit der Aufschrift „Gold gab ich für Eisen“.

Die Dichter forderten ebenfalls das Volk zum Kampf auf, darunter Ernst Moritz Arndt, Theodor Körner, Max von Schenkendorf, Friedrich Rückert.

In der Stadt Zobten bildete Major Lützow ein Freikorps. Auch dort meldeten sich viele Freiwillige, sie sich ihre Ausrüstung auf eigene Kosten beschaffen mussten. Das Lützow Korps wurde am 27. März 1813 in der Kirche von Rogau, nahe der Stadt Zobten eingesegnet.

Zum Korps gehörten bekannte Männer der damaligen Zeit u. a. Joseph von Eichendorff, Theodor Körner, Friedrich von Friesen, Friedrich Ludwig Jahn. Ihre Uniformen hatten die Farben schwarz-rot-gold, nämlich die Hose schwarz, die Jacke rot, die Knöpfe goldfarben. 1832 wurden diese Farben Nationalfarben. In der Kaiserzeit 1871-1918 waren die Nationalfarben jedoch schwarz-weiß-rot.

Im Kampf gegen die Franzosen ist Theodor Körner im Alter von nur 22 Jahren am 18.6.1813 in Gadebusch gefallen.

Erst die Völkerschlacht bei Leipzig im Oktober 1813, wo Russland, Österreich und Preußen gegen Napoleon kämpften, brachten den Sieg über Napoleon und 1814 seine Verbannung nach Elba.

Nach diesem Sieg trat auch wieder Ruhe in Schlesien ein. Bauern und Handwerker konnten wieder einer geordneten Arbeit nachgehen. Die Bevölkerung besuchte wieder Heilbäder und wanderte zu vielen Ausflugsorten.

Der Zobten, die Urheimat der Schlesier, sah Generationen kommen und er sah auch die Menschen in ihrer schwersten Stunde des Abschiednehmens von ihrer Urheimat, von ihrem Eigentum von allem, was ihnen lieb und wert war. Doch den Berg konnten die Vertreiber nicht wegrücken!

Mit den Worten Gerhart Hauptmanns will ich den Bericht um den Zobten nun schließen. Er sprach sie kurz vor seinem Tod, als die Vertreiber bereits das Land eingenommen hatten, und sie lauten: „In einem kerndeutschen Land bin ich geboren, mit Stolz nenne ich mich einen Schlesier.“


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