Teil I /Teil II
Eine weitere Geschichte hinter der Geschichte mit ihrer Vorgeschichte. Vor wenigen Tagen habe ich die Antwort des israelischen Botschafters Asher Ben Nathan auf die Frage wer 1967 den 6-Tagekrieg begonnen hat vermerkt. Sie lautete wie folgt: „Das ist völlig belanglos. Entscheidend ist was den Schüssen vorausgegangen ist.“

Blicken wir also erneut zurück. Versailler Vertrag, Elsass-Lothringen, Kolonialzeit:
Auch diesen Kapiteln der Geschichte werde ich mehrere Passagen widmen müssen. Verstehen wir es also wie eine Serie, in Staffeln mit mehreren Folgen.
Mancher erinnert sich vielleicht an einen meiner letzten Beiträge. Ich setze dort am besten an, zum einfacheren Verständnis:
Am 28.6.1914 wird der österreichische Thronfolger und seine Frau in Sarajewo von einem Serben erschossen. Dieses Verbrechen und die allgemeine Feindseligkeit, die zwischen Österreich-Ungarn und dem Königreich Serbien bestand, führte zum Ersten Weltkrieg. Am 28.7.1914 erklärte Österreich-Ungarn – Serbien den Krieg. Am 30.07.1914 befiehlt Russland die Gesamtmobilmachung gegen Österreich-Ungarn und gegen Deutschland, das im Bündnis mit Österreich-Ungarn stand.
Darauf erklärten Frankreich und England, die im Entente mit Russland verbunden waren, Deutschland und Österreich-Ungarn den Krieg. Die drei großen Gegner waren mit ihren 262 Millionen Einwohnern und 5,7 Millionen Soldaten, von Anfang an weit überlegen. Auf beiden Seiten schlossen sich im Lauf des Krieges weitere Staaten an. Als am 16.4. 1917 die USA auch noch Deutschland und Österreich-Ungarn erklärte, war die Niederlage nicht mehr aufzuhalten.
Der Eintritt Amerikas in den Ersten Weltkriegs war nicht das Ergebnis des Deutschen U-Boot-Krieges – Versenkung des amerikanischen Schiffs „Lusitania“, das seit 17.9.1914 als bewaffneter Hilfskreuzer für die britische Admiralität lief, und mit Munition, Handgranaten, Handfeuerwaffen und anderem Kriegsgerät beladen war – oder irgendwelcher idealistischer Ziele, sondern die glänzende Rüstungskonjunktur durch die Waffenverkäufe an die Entente-Mächte.
Dazu muss man auch wissen: Im Zweiten Weltkrieg wurde Russland mit Kriegsmaterial in jeglicher Form, aber auch mit Kleidung ausgestattet.
Am 18.11. 1918 kam es zum Waffenstillstand. Zuvor hatte der Kaiser am 9.11. 1918 dem Thron entsagt und ging nach Holland ins Exil. Bei dem anschließenden Notenausgleich über die Friedensbedingungen zwischen Deutschland und den Siegermächten (Mai/Juni 1919) wurde von Deutschland die Anerkennung der alleinigen Kriegsschuld erzwungen. Ministerpräsident Philipp Scheidemann und sein Kabinett traten daraufhin zurück. Aber in der Nationalversammlung stimmten die Abgeordneten mit 237 Stimmen gegen 144 Stimmen für die Unterzeichnung des Vertrages. Der Außenminister der Weimarer Republik Hermann Müller und der Verkehrsminister Johannes Bell setzten am 28.6.1919 ihre Unterschrift unter den Versailler Vertrag, einem Schandvertrag, wie er damals genannt und heute noch so gesehen werden muss.
Der amerikanische Diplomat George D. Kennan beurteilte es später so: „… in der Tat ein Frieden, der schon die Züge der künftigen Tragödie trug.“
Es war der Wunsch Deutschland für immer zu schwächen und als wirtschaftlichen Konkurrenten auszuschalten. 269 Milliarden Goldmark Reparationsleistung sollte ein Volk aufbringen, das total am Boden lag, deren Bevölkerung hungerte. Kriegsmaterial, aber auch sämtliche Maschinen aus den Fabriken mussten an Frankreich und England abgeliefert werden. Dazu kamen die Gebietsabtrennungen.



Von Gebietsabtrennungen, deutschen Kolonien und Intrigen der (späteren) Siegermächte – Teil II
Ausgangssituation 1919, nach Unterschrift Versailler Vertrag: 269 Milliarden Goldmark Reparationsleistung sollte ein Volk aufbringen, das total am Boden lag, deren Bevölkerung hungerte. Kriegsmaterial, aber auch sämtliche Maschinen aus den Fabriken mussten an Frankreich und England abgeliefert werden. Kriegsmaterial aber auch sämtliche Maschinen aus den Fabriken mussten an Frankreich und England abgegeben werden. Dazu kamen die Gebietsabtrennungen:
- Elsass-Lothringen bekam Frankreich. Da Deutschland nicht mehr zahlungsfähig war, besetzten die Franzosen und Belgier 1923 das Ruhrgebiet, sie raubten das Geld der öffentlichen Kassen, erhoben Grenzzölle und Steuern und besetzten Gruben, Hüttenwerke und Fabriken und wie schon in den anderen besetzten Gebieten (Rheinprovinz, Rheinpfalz, Saarland)) bestraften die Okkupanten willkürlich Männer, Frauen und Kinder mit Schlägen, Misshandlungen, Verurteilungen zu Geldstrafen und Ausweisungen und vielerorts geschahen auch Vergewaltigungen von Frauen und Mädchen. Reiter jagten die Deutschen von den Bürgersteigen und schlugen mit Peitschen. Ausgewiesen wurden mehr als 120 000 Menschen, die nichts mitnehmen durften und denen sofortige Hilfe gegeben werden musste – geschehen im Westen durch Franzosen und Belgier, und im Osten durch Polen.
- Von den Polen wurde eine Million Deutsche vertrieben, viele ermordet.
- Provinz Posen und der Großteil der Provinz Westpreußen ging an Polen. (Das 1919 neugegründete Polen wurden hauptsächlich aus deutschen Gebieten errichtet.
- Das Memelland bekam Litauen.
- Eupen-Malmedy wurde entgegen den ursprünglichen Zusicherungen Belgien übergeben.
- Einen großen Teil Oberschlesien (mit den Kohlegruben) erhielten die Polen, trotzdem die Abstimmung eindeutig mit 60 Prozent für Deutschland ausfiel.
- Das Rheinland wurde zur Sicherung der Reparationszahlungen besetzt, so auch das Saargebiet mit seinen Bergwerksanlagen.
- Im Versailler Vertrag wurde die Auslieferung von 895 deutschen Militärs und Politikern verlangt, darunter Paul von Hindenburg und Erich Ludendorff.
- 1920 wurde die Erfüllung der Auflage gefordert, die Reichsregierung lehnte jedoch jegliche Auslieferung ab.
- Sämtliche deutsche Kolonien in Afrika und in der Südsee mussten an Frankreich abgegeben werden.
Darüber lesen wir im nächsten Teil: Deutsche Kolonien, deutsche Schutzgebiete und Intrigen der (späteren Siegermächte)
Quelle Bild: Panorama der Weltgeschichte Band 3 /Bertelsmann Lexikothek