Deutsche Schutzgebiete, Intrigen und was davor geschah

1899 kaufte das Deutsche Reich für 20 Millionen die in der Südsee gelegenen Karolineninseln von Spanien.

  • Deutsch-Ostafrika: 1888 pachtete die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft das 1862 gegründete Daressalam samt Umland.
  • 1890 wurde der Gouverneurssitz für das von Carl Peters gegründete und 1891 unter Reichsverwaltung gestellte Deutsch Ostafrika in die Stadt verlegt.
  • Bereits am 8. August 1914 begann die Beschießung Daressalams durch Briten.
  • Belgien und England teilten sich nach Kriegsschluss 1918 das Gebiet.
  • In Togo im westlichen Afrika kam Überfall und Einnahme des Landes von Briten am 27. August 1914 – steht in den Geschichtsbüchern. Dann erfährt man auch, dass der Stamm des Hereros im Januar 1905 – von britischen Agenten angestachelt – deutsche Farmer ermordet und einen Aufstand ausgerufen hatten.
  • 1919: Sämtliche deutsche Kolonien in Afrika und in der Südsee mussten an Frankreich abgegeben werden.

Das Versailler Diktat ist ein Dokument des Hasses und Neides – unterschrieben von den Deutschen, unter Drohung der Sieger die Kriegshandlungen wiederaufzunehmen.

Deutschland hat erst sehr spät Kolonien gegründet. Franzosen und Engländer viel früher. Zwischen Frankreich und England kam es ständig zu Auseinandersetzungen und Konflikten im Bezug auf den Beitz der Kolonien. Aber als Deutschland in kürzester Zeit ausgezeichnete Leistungen in seinen Kolonien brachte, wurde Neid und Missgunst von beiden Ländern nur noch auf Deutschland ausgerichtet. (Wie im Kleinen heute: Wenn Herr Müller sich ein neues Auto kauft, und der Herr Meier sich das nicht leisten kann und vor Neid und Hass einen Wutanfall bekommt.)  So war und ist das auch im Großen.

Auch nachzulesen: Bereits 1914, also vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges, hatten Franzosen und Engländer die Deutschen in ihren afrikanischen Kolonien überfallen.

Die kleinen deutschen Schutztruppen konnten den englischen und französischen Armeen keinen Widerstand leisten. Die Deutschen wurden enteignet, interniert und außer Landes gebracht.

Die von den Deutschen gegründeten Städte, Plantagen, Krankenstationen, Lepraheime, Bahnanlagen fielen in die Hände der Franzosen, Briten und Belgier. Wo deutsche Städte und Dörfer entstanden, waren die Feinde schon da, um sich dort niederzulassen. Da fand sich schnell ein Weg, einen Krieg gegen Deutschland zu führen. Frankreich hat in den Jahrhunderten seine Grenzen weit nach dem Osten verschoben. Burgund, von den germanischen Burgundern angelegt, wurde wie Lothringen, Luxemburg, Elsass, Eupen Malmedy, Flandern und andere Gebiete von den Franzosen und Belgiern in Besitz genommen.

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Was davor geschah: In der Verfassung des ersten teildeutschen Nationalstaates, des Norddeutschen Bundes von 1867, war an versteckter Stelle der Weg für einen deutschen Kolonialismus bereits geebnet. Artikel 4 zählte zu den Politikfeldern, die dem Nationalstaat zustanden, ausdrücklich „die Kolonisation und die Auswanderung nach außerdeutschen Ländern“. Als französische Unterhändler nach der Niederlage im Krieg 1870 /1871 die Überlassung von Kolonien in der Karibik oder in Indochina anboten, um dadurch die Rückgabe Elsass-Lothringen an Deutschland zu verhindern, lehnte Reichskanzler Bismarck jedoch dankend ab.

Auch darauf sprach sich eine Mehrheit des Norddeutschen Reichstages gegen jede Form das Kolonialismus au., insbesondere aus den Kreisen der Liberalen Hamburg /Bremen.

Der Durchbruch der kolonialen Agitation und Organisation erfolgte Ende der 1870er- Jahre, maßgeblich vorangetrieben durch Friedrich Fabris Schrift „Bedarf Deutschland der Kolonien?“ von 1879.

Ab dato wurde der Sozialpolitiker oft als „Vater der deutschen Kolonialbewegung“ bezeichnet.

Doch dauerte es noch einige Jahre, bis Bismarck, der Kolonien stets abgelehnt hatte, aus einer Reihe von außen- und innenpolitischen – nicht zuletzt aber auch aus taktischen – Gründen seinen Widerstand aufgab. Vor allem in Afrika hatte sich eine neue Situation ergeben, die für den neuen deutschen Nationalstaat mit seinem Wunsch nach globaler Mitsprache eine Herausforderung darstellte und die auch Bismarck nicht ignorieren konnte. Insbesondere in Westafrika gingen die Franzosen zu einer zielgerichteten Politik militärischer Eroberungen, neuer Protektorate und wirtschaftlicher Exklusiverträge über.

Deutschland hat um den Erwerb von Kolonien niemals Krieg gegen andere Mächte geführt. Auch handelte es sich um Herrschaftsinseln, die weiterhin im Rahmen einheimischer souveräner Gewalten die Prinzipien, Lebensweisen und das eigene Recht der Bevölkerung bewahrten.

Das bleibt eine Tatsache, auch wenn mit Beginn der 1960er-Jahre alles darangesetzt wurde, den deutschen Kolonialismus in all seinem Tun zu verteufeln.

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Quelle: „Der lange Weg zum Kolonialreich“ von Horst Gründer und Hermann Hiery

Bibliografische Information der Deutschen Nationalbibliothek. 3. Durchges. Und erw. Auflage be.bra verlag GmbH Berlin Brandenburg 2022

Quelle Fotos: Kolonialkalender 2007 „Deutsche Schutzgebiete“


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