Görlitz, meine wunderschöne Heimat Teil XI – von Kirchen, Türmen und Verteidigungsanlagen

ein Ausflug in längst vergangene Zeiten mit einem Bummel entlang der Stadtmauer

Noch in der Mitte des 16. Jahrhunderts war Görlitz mit 10 000 Einwohnern größte und mächtigste Stadt zwischen Leipzig und Breslau.

Der wohl berühmteste Oberbürgermeister von Görlitz Gottlob Ludwig Demiani fand jedoch unsere Stadt im Jahre 1814 nicht volle 10 000 Einwohner stark, in stetem Sinken begriffen – die Hauptgewerbe im Verfall, die Verwaltung morsch und schlaff und in den neuen preußischen Einrichtungen wenig geschickt und genauso wenig zufrieden – die Einwohnerschaft stumm und verdrießlich.

Er hinterließ die Stadt 1846 über 16 000 Einwohner stark, in großartigem Wachstum, Handel und Gewerbe in fortwährendem Aufschwung, die Verwaltung vom alten patrizischen Sauerteige gereinigt und wohl geordnet. – die Bürgerschaft zu erfreulichem und verständigem Kommunalleben geweckt.

Ein wenig mögen jene Jahre zwischen 1815 und 1850 in unserer Vorstellung immer noch als eine beschauliche Idylle mit Postkutschen und Zylinderhüten, mit Sofas und Singspielen leben. Was man gewöhnlich als Biedermeier umschreibt, war sicherlich auch ein Gemisch aus spießiger Bravheit und geistigem Kirchturmhorizont, aber es bedeutete zugleich starkes Bildungsstreben, Naturverbundenheit, handwerkliche Tüchtigkeit und nicht zuletzt auch die Anfänge der Industrie.

Fest steht, unser heutiges Görlitz ruht auf einem soliden Fundament.

Doch blicken wir zurück: Da ist der Kaisertrutz, ein Teil der Befestigungsanlage, der von den Görlitzer Bürgern zum Schutz des westlichen Eingangs gebaut worden war. Zu dieser Zeit war Görlitz von einer Stadtmauer umgeben. Pferdefuhrwerke holperten über das grob gehauene Pflaster. Oft rutschten die Pferde mit ihren beschlagenen Hufen weg. Ihr Klappern schallte durch die Straße.

Eine der wehrhaftesten Verteidigungsanlagen ihrer Zeit entsteht

Im Jahr 1250 erhielt Görlitz die Stadtmauer, der Gesamtumfang betrug 2.460 Meter. Bis dahin waren es lediglich Holzpalisaden, welche die Stadt schützen. In der Zeit von 1467 bis 1763 hatte die Görlitzer Stadtmauer 13 Basteien und 19 Türme.

Bevor der Stadtring errichtet wurde, entstanden viele neue Bauten am Obermarkt und im Umfeld des Platzes. Die Stadtgrenze reichte nun bis an die spätere Elisabethstraße.

Der Mauerring umschloss die Stadt, die heute die historische Altstadt darstellt.

Drei Türme und ein Finstertor

Nikolaikirche und der danebenliegende Friedhof und die Häuser im Umfeld dieser Kirche, also der älteste Teil der Stadt, blieb außerhalb der Stadtmauer.

Allerdings war dieses Gebiet (Nikolaivorstadt) auch von einem Schutzwall umzogen.

Das Finstertor ist das einzige von den Vorstadtbefestigungen erhaltene Gebäude. In der Finstertorstr. 8 steht noch das alte Scharfrichterhaus im fränkischen Stil aus dem 16./17. Jahrhundert.

Drei Türme sind von dem Befestigungsgürtel um die Stadt erhalten geblieben: Nikolaiturm (1348), Dicker Turm – eigentlich Frauentorturm (1305) und der Reichenbacher Turm (1376).

In den Türmen wohnten zwei Familien. Die Bewohner errichteten die Türme bis zur halben Höhe durch eine Außentreppe und erst dann gingen die Stufen weiter. Die Räume waren klein. Es gab ein Plumsklo, ähnlich wie bei vielen Burgen, hing es außen. Am Dicken Turm kann man die Vorrichtung noch sehen.

 Davor, dahinter und mittendrin – der Mauergürtel auf einen Blick:

  • Vor dem Weststadttor wurde 1490 der Kaisertrutz zum zusätzlichen Schutz und Sicherung des Tores errichtet.
  • Außerhalb der südlichen Stadtmauer, nahe dem Reichenbacher Turm, gab es eine „Ausspanne“, das Hotel „Zur Sonne“ am Demianiplatz.  Hier kann man in großen Hof heute noch die Vorrichtungen für die Unterbringung der Gespanne sehen.
  • Die Ochsenbastei (1370) war Teil der Stadtverteidigungsanlagen. Der Name erinnert an den Austrieb der Ochsen vor die Stadttore. Der heutige Stadtpark war damals Weidefläche.
  • Ecke Weberstr. /Elisabethstr. lag das Webertor, seitlich des Nikolaiturms, zwischen der inneren und äußeren Stadtmauer das Eingangstor zum Nikolaizwinger und darüber thront der Vogtshof. Dieser war von 1830 bis 1928 eine Strafanstalt und wurde 1965 zum Internat umgebaut.
  • Im Jahr 1423 begann die Veränderung und die Erweiterung der um das Jahr 1235 entstandenen Peterskirche. Als erster Teil des Neubaus entstand die Georgen Kapelle (Hallenkrypta). Hinter der Peterskirche steht noch das einst zur Stadtmauer gehörig Wächterhäuschen (1539) mit zwei Ziergiebeln.
  • Die Frauenkirche (1349) und das Frauenhospital sowie der Friedhof lagen vor dem südlichen Stadttor.
  • An der Westgrenze der ältesten Stadtanlage, von 1220, befindet sich der Schwibbogen mit der Renaissancefassade, der direkt an den Chor der Dreifaltigkeitskirche anschließt und bis zum Haus mit heutigem Restaurant „Schwibbogen“ reicht.
  • Auf der Au0ßenseite der Stadtmauer befand sich ein Marktplatz (trägt heute den Namen Fischmarkt. Hier wurden viele Waren verkauft, nur keine Fische.

Das größte zusammenhängende Baudenkmal Deutschlands

 Die Häuser innerhalb der Stadtmauer wurden im 15. und 16. Jahrhundert errichtet, zu einer Zeit des großen Reichtums von Görlitz. Es entstanden Patrizierhäuser, Handelshöfe und sogenannte Kaufmannsburgen, besonders am Ober- und Untermarkt, in der Brüder-, Peter-, Nikolai-, und Neißestr., und in den Nebengassen die kleineren Handwerkshäuser.

Alle bilden heute das größte zusammenhängende Baudenkmal Deutschlands.

Mitte des 16. Jahrhunderts war Görlitz mit 10 000 Einwohnern größte und mächtigste Stadt zwischen Leipzig und Breslau.

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Quellen zu Bild und wenigen Textpassagen:

  • „Görlitz zwischen Biedermeier und Märzrevolution“ Schriftenreihe Heft 19, Städtische Kunstsammlungen Görlitz
  • Görlitz, Stadtführer B&V Verlag Dresden (Dietmar Berthold)
  • Ansichtskarten: Bild und Heimat Reichenbach (Vogtl.)
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