
„An die Deutschen
Kraft, Freiheit, Glauben! – habt ihr es vernommen?
Sie sind nicht außer euch, noch in den Dingen.
Das Herrliche, es kann euch noch gelingen.
Doch kann es euch nur aus euch selber kommen.
Seht, eure Stützen sind euch fortgeschwommen,
Vergebens mit dem Strom der Zeit zu ringen,
Das Schicksal nicht, nur euch könnt ihr bezwingen,
Das ist das Ziel der Starken und der Frommen.
Ihr saht nur Teile stets und nur das Viele,
Gesammelt wart ihr nie zum Ganzen, Einen,
Drum ist gekommen, was ihr selbst verschuldet.
Jetzt rettet euch zum einzigen Asyle,
Flieht zur Idee, entflieht dem leeren Meinen,
Das Rechte tut und das Gerechte duldet. „
(Zacharias Werner)
„Kein Volk auf der Welt kann an Tapferkeit und Treue die
Germanen übertreffen!“ (Tacitus)
Ein Satz, der ungeheuer nachwirkt, wenn man sich dem nur besinnt!
Mit dem dreißigjährigen Krieg (1618-1648) erlebt das Deutsche Reich einen politischen, wirtschaftlichen und kulturellen Verfall – manche sprechen auch von einem antigermanischen Krieg. Etwa ein Drittel der Bevölkerung kam in jener Zeit ums Leben.
„An sein Vaterland“, ist ein Gedicht des schlesischen Poeten Johann Christian Günther, das zwischen 1711 und 1723 entstanden ist –, also in der Epoche, welche die Folgen des Krieges noch lange zu tragen hatte.
Das Gedicht trägt insgesamt acht Strophen, ihr lest einen Auszug mit drei Strophen:
(Man kommt leider nicht umhin, auch hier gewisse Assoziationen zu treffen).
„So lebe wohl mit allen Spöttern,
du ehrmals wertes Vaterland.
Du trotzest bei so nahen Wettern,
Ich wünsche dir auch nur Bestand.
Was hat dir wohl mein Geist zu danken?
Verfolgung, Schande, Neid und Zanken
Und Freunde, die kein Flehn gewinnt.
Ja, müsst ich heute bei den Drachen
Gefährliche Gesellschaft machen,
Sie wären gütiger gesinnt.
Ich komme durch dein scheinbar Lügen
Um Gönner, Glauben, Ehr und Freund.
Mein Seufzen kann dich nicht vergnügen,
solange es auch erbärmlich weint.
Ha, unbarmherzige Leäne,
Belohnst du so den Fleiß der Söhne?
Ist dieses die Erkenntlichkeit
Vor soviel Wachen und Studieren
Nur dich mit Nutz und Ruhm zu zieren?
O falsche Welt, o grobe Zeit!
Wohlan, so reize selbst die Waffen,
Die Wahrheit und Verdruss regiert!
Wer sind die meisten deiner Pfaffen,
Von welchen all mein Unglück rührt?
Wer sind sie? Lästrer, faule Bräuche,
Tartuffen, Zänker, böse Schläuche
Und Schwätzer so die Wahrheit fliehn,
Beruf und Gott im Beutel tragen
Sich täglich um die Kappe schlagen
Und Weib und Pöbel an sich ziehn.
Dies sehe ich vor gewisse Zeichen
Vom Greuel der Verwüstung an:
Wo Kunst und Weisheit einmal weichen,
Da ist’s um aller Heil getan!“
Auszug aus „Vorzüge der Teutschen“ 1785 von Wilhelm Ludwig Wekhrlin
„Es ist nicht zu Viel gesagt, wenn man behauptet, in eben dem Grad, wie unser Jahrhundert alle vorigen an Aufklärung übertrifft, übertreffe Deutschland alle anderen auch.
Wir sind zum Exempel, die Ersten, welche auf den Einfall kamen, die Todesstrafen abzuschaffen, und somit einen der erleuchtetsten Grundsätze in der Natur- und Sittenlehre einzuführen. Dann Nichts ist eitler, als dass man über das Recht der Todesstrafe streitet; inmittelst ein sehr einfacher Begriff die Sache entscheidet: sie empört die Natur.
(Und nichts ist gründlicher und der Entwicklung würdiger, als dieses Argument. Die Todesstrafe empört der Natur, also widerspricht sie dem Naturgesetz, also ist sie falsch).
Wir sind, die sich zuerst Nationalgesetzbücher gaben, das ist, ihr eigenes Interesse von römischen, gothischen, fränkischen Recht zu unterscheiden wussten. Hierin übertreffen wir die Engländer und Franzosen, deren Jurisprudenz noch durchaus barbarisch ist, bei weitem.
Wir sind, in jedem Zeitpunkt betrachtet, die Urheber der gereinigten Religion! Insofern wie sie erstlich von den Fesseln Roms, und dann von den Fesseln der Theologie befreit haben.
Wir haben die Leibeigenschaft abgeschafft, und es liegt nicht an uns, wenn das Sklavensystem in Afrika und Amerika noch nicht aufgehoben ist. Wenigstens sind es Deutsche, die unlängst den Entwurf hierzu in den Staaten Virginien und Neu-Yorck angaben.
Die Nationalerziehung, dieser grosse Gegenstand, der sich mit Sonnengewalt über ganz Europa verbreitet, ist unser Werk. In diesem Fach sind wir Schöpfer.
In Deutschland war’s, wo die Tortur und die Hexenprozesse zuerst fielen.“
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Es ist an der Zeit, nein…, längst überfällig, dass die Menschen in diesem Land wieder ein Bewusstsein für ihr Land erlangen.
„Wild flutet der See,
Drauf schaukelt den Fischer der schwankende Kahn.
Schaum wälzt er wie Schnee
Von grausiger Mitte zum Ufer hinan.
Wild fluten die Wogen auf Vaterlands Seen, wie schön!
O tragt mich auf Spiegeln zu Hügeln, Masovias Seen!
Masovialand, mein Heimatland,
Masovia lebe, mein Vaterland!
Wild brauset der Hain,
Dort spähet der Schütze des Wildes Spur.
Kühn dringt er hinein,
Durchwandelt die Wälder, die Felder, die Flur.
Ihr schwebenden Wolken gedenket doch mein am Hain,
O führt mich auf Flügeln des Windes zur Heimat ein.
Der Jugend Hain, der Seen Strand,
Masovia lebe, mein Vaterland!
Tal, Hügel und Hain,
Dort wehen die Lüfte so frei und so kühn.
Möcht’ immer da sein,
Wo Söhne dem Vaterland kräftig erblüh’n.
Da ziehen die Wolken durch Nebel grau, oh schau!
Dort lächelt auf Seen und Höhen des Himmels Blau.
O Heimatland, Masovias Strand,
Masovia lebe, mein Vaterland!“
Friedrich Dewischeit
Und noch ein Rückblick in die Zeit zwischen 1914-1918, und auf den eigenen Wert der Deutschen
Dazu schreibt Oskar Walzel 1915: Schiller und die Deutschen
Den eigenen Wert der Deutschen erblickte Schiller in seiner sittlichen Größe, erblickte ihn in der Kultur und in dem Charakter des Volkes, der von den politischen Schicksalen unabhängig sei. „Dieses Reich blüht in Deutschland, es ist in vollem Wachsen, und mitten unter den gotischen Ruinen einer alten barbarischen Verfassung bildet sich das Lebendige aus.“
In rauschenden Versen aber strömt seine Lobpreisung deutscher Kulturarbeit schon im Entwurf dahin:
„Schwere Ketten drückten alle
Völker auf dem Erdenballe,
Als der Deutsche sie zerbrach,
Fehde bot dem Vatikane,
Krieg ankündigte dem Wahne,
Der die ganze Welt bestach.
Höhern Sieg hat der errungen,
Der der Wahrheit Blitz geschwungen,
Der die Geister selbst befreit;
Freiheit der Vernunft erfechten,
Heißt für alle Völker rechten,
Gilt für alle ewge Zeit.
Und so scheint ihm der Deutsche erwählt vom Weltgeist, während des Zeitkampfs an dem ewigen Bau der Menschenbildung zu arbeiten, erwählt zu bewahren, was die Zeit bringt. Triumphierend kündet er:
Stürzte auch in Kriegesflammen
Deutschlands Kaiserreich zusammen,
Deutsche Größe bleibt bestehn.
Das war Schillers stolzes Bekenntnis. So entschied sein Gefühl, so rettete er sich vor politischen Schicksalsschlägen in das Bewusstsein an deutscher Kulturarbeit mitgeholfen zu haben und an der Errichtung eines Denkmals das dauernder war als Erz.
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Wir sollten es Schiller gleichtun!
Wir müssen endlich wieder lernen, stolz auf uns und auf das Erreichte zu sein. Wir müssen uns unserem Ursprung, unserer Kultur und der über Jahrhunderte geschaffenen Werte wieder bewusstwerden.

