Wiedervereinigung – die Tageblätter waren voll mit den Worten: „Deutschland wird wieder groß, zu groß!“
Und es war tatsächlich so: „Einige Länder fürchteten ein starkes Deutschland“.
- So publizierten die Franzosen „Über den nächsten Krieg mit Deutschland“ (Philippe Delmas).
- Einen eklatanten diplomatischen Fauxpas erlaubte sich Giulio Andreotti: Während einer Debatte zu den Festlichkeiten am Tag der Deutschen Einheit bekräftigte er, wobei er fast wörtlich eine Formulierung von François Mauriac übernahm: „Ich liebe Deutschland so sehr, daß ich am liebsten zwei davon hätte.“
- Mitterand hegte die Hoffnung auf eine Wiederauflage Entente Cordiale mit Russland aus antideutscher Absicht.
- Auch die Engländer waren nicht wortkarg. Richtig übel verhielt sich Margret Thatcher: In keinem anderen Land Europas ist die Furcht vor einer möglichen Wiedergeburt eines deutschen Reichs so verbreitet wie in England (Beware, the Reich is reviving, so die Schlagzeile der Times von London am 31. Oktober 1989).
Manche sprechen von einem „geheimnisvollen“ Hass gegenüber Deutschland. Naja. Geheimnisvoll ist er wohl eher nicht.

Ängste und Skepsis machte sich breit. Ängste – wirklich? Oder war es eher eine scheinheilige Skepsis? Was man durchaus annehmen darf, angesichts vorangegangener Ereignisse, die Deutschland erfahren hat, und ertragen musste.
- 1410 (Überfall durch die Polen, daraus resultierende Gebietsabtrennungen)
- Raubkriege unter Ludwig XIV. seit 1688
- 1792-1813 Schreckensherrschaft der Franzosen
- 1806 löste Frankreich das Römische Reich Deutscher Nation auf. Napoleons Truppen brachten Not und Elend über das deutsche Volk.
- 1871, nach dem Aufblühen des Deutschen Reiches und seiner Kolonien unter Bismarck, entstanden Wut, Neid und Hass bei Engländern und Franzosen.
- Diesem Aufschwung wollte man ein Ende setzen. 1914 kam es zum Krieg.
- 1919 behauptete man, dass das Deutsche Reich den Krieg begonnen hätte und stürzte das Volk mit dem Versailler Vertrag in den Ruin. Auslöser des Krieges war aber tatsächlich die Ermordung des österreichischen Thronfolgerpaares und die Kriegserklärung Österreichs an Serbien.
- Nach Kriegsende 1945 begann das systematische Töten der deutschen Zivilbevölkerung, begleitet von einer menschenunwürdigen Vertreibung mit über 3 Millionen Toten.
Auf dem Weg in die Zukunft schreitet immer die Vergangenheit mit.
Parole 1945: „Nie wieder Krieg!“ Doch nach dem 8. Mai 1945 hat es keinen Tag mehr gegeben, an dem nicht irgendwo in der Welt Krieg war. Mehr als 200 Kriege und Revolten wurden bis heute weltweit registriert und dauern z. Zt. noch an, ohne das Deutschland daran beteiligt war. Aber alle Siegernationen des Zweiten Weltkrieges“.
Nun, mit dem Wissen, machen die damaligen Aussagen zu einer „Wiedervereinigung“ aus den Reihen der Siegermächte einfach nur sprachlos.
Zumal auch die Zeit mit und nach dem Mauerbau etwas mit den Menschen gemacht hat. Das spüren wir bis heute. Auch diese Zeit hat uns Deutsche geprägt! Wer dazu das Zepter führt, wissen wir nur allzu gut.
Und noch ein Rückblick: Das selbstbewusste Auftreten der Deutschen /Germanen war schon den Römern suspekt.
Politische Akteure wie Frankreich und England äußerten unverhohlen ihre „Ängste“. Warum?
Möchten sie vielleicht von der eigenen Geschichte ablenken? Denn die ist in der Tat nicht so schön. Vor allem für uns Deutsche hinterlässt das brutale und intrigante Vorgehen der (späteren) Siegermächte mehr als nur einen faden Beigeschmack.

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Die Frage an Herr Professor Hilz lautete damals: „Der 03. Oktober 1990 zählt für die Deutschen zu dem glücklichsten Tagen in ihrer Geschichte. Haben die Nachbarn Deutschlands ähnlich euphorisch auf die Wiedervereinigung Deutschlands reagiert damals?“
Seine Antwort: „Einige Länder fürchteten ein starkes Deutschland“
Das gesamte Interview:
Quelle: https://www.dw.com/de/es-gab-bedenken-wegen-der-wiedervereinigung/a-6066598
Vom 1.10.2010