
Als ich gestern wieder einmal das Tagebuch meines Urgroßvaters (geb.18.5. 1863 in Breslau, gest. 1950 in Görlitz) in den Händen hielt, um noch einige seiner Niederschriften zu lesen, erinnerte ich mich an den Satz unseres jüngsten Sohnes: „Wahnsinn, von 1912! Dann hat er ja den Untergang der Titanic mit verfolgt“
Ja hat er. Doch darum geht es mir weniger. Vielmehr geht es darum, dass ein 23-jähriger mehr Wissen über den Untergang der Titanic vermittelt bekommen hat, als über sein eigens Volk.
Das Ereignis der Titanic ist zweifellos eine Tragödie, die zurecht einen hohen Stellenwert erfahren hat. Aufgrund der Publikationen seit jener Zeit erleben wie bis heute den Untergang in Endlosschleife.
Doch was wissen unsere Kinder über das Leid, welches ihre Vorfahren erfahren mussten?
Nichts! Bis gar nichts. Halbwahrheiten am Rande, zerstückelt. Eine Weltbevölkerung zum Schweigen darüber angehalten – ähnlich eines eisernen Vorhangs, der vor diesem Teil Europas niedergelassen wurde.
Warum nur, wird die Tragödie, nein, die Tragödien, die unser Volk, unsere Vorfahren, unsere Eltern und Großeltern erfahren haben, nicht in genau einer solchen Endlosschleife publiziert wie der Untergang der Titanic?
Wenn man ein Geschehen immer wieder aufgreift, es würdigt und in Ehren hält, um ihm zu gedenken, wird sich das in den Köpfen der Nachkommen einprägen. Wer das Zepter führt und ein Volk „bestimmt“ hat auch die Bestimmung der Aufklärung. Doch davon sind wir weit entfernt.
Ich bin aufgeklärt, mein Mann und meine Kinder sind es auch. Da die Herrschenden das Wissen untergraben, ist es unsere Pflicht es nach außen zu tragen.
Auf dem Bild seht ihr meine Urgroßeltern, abgelichtet in der Tageszeitung aus dem Jahr 1937 zu ihrer goldenen Hochzeit.
Und zur rechten Seite die erste Seite des Tagebuchs meines Urgroßvaters aus dem Jahr 1912.
