Teil I
Bald bricht wieder die Zeit heran, in der die Menschen in Scharen ans Meer ziehen. Deutschlands begnadete Lage an der wundervollen Ostsee ist bekannt und so machen sich zahlreiche Sonnen-, als auch Badehungrige gen Norden auf den Weg.
Der Weg dorthin führt über Mecklenburg. Doch wer von euch kennt eigentlich Mecklenburg? Also ich meine das Mecklenburg in seiner geschichtlichen und kulturellen Entwicklung.

So viel sei verraten: Mecklenburg bewahrt wie sein Nachbar Schleswig-Holstein eine bewegende und spannende Geschichte und ist ähnliche Wege gegangen.
Die von Kaiser OttoAnfang des 10. Jahrhunderts angelegte Michelenburg, ca. sechs Kilometer südlich von Wismar, gab später dem Land den Namen Mecklenburg.
Der kleine Ort Michelenburg heißt heute Dorf Mecklenburg. Auf dem ehemaligen Gelände der Burg befindet sich seit dem 19. Jahrhundert ein Friedhof.
In Mecklenburg, Pommern, Nordschlesien und im Posener und Gnesener Land haben ab ca. 200 v. u. Z. bis 500 n. u. Z. Burgunder, ein Stamm der Ostgoten gelebt. Sie rodeten den Wald, schufen kleine Ansiedlungen, betrieben Ackerbau-Viehwirtschaft und Jagd und befassten sich mit dem Handwerk und der Schmuckherstellung. Nach 700 Jahren verließen sie das Land und nach dem Süden. Zurückgelassen wurden die Hütten, Küchengeräte, Waffen, Kämme, Gürtel, Knöpfe, handwerkliche Gegenstände, oft auch Schmuck und Schriften auf Buchenrinden. Heute belegen diese Funde die sieben Jahrhunderte Anwesenheit der Burgunder in den genannten Ländern.
Grundsteine für die die späteren Hansestädte werden gelegt
Slawen folgten den Germanen und nahmen die angelegten Plätze ein. In Mecklenburg waren es die Obotriten, weiter östlich die Luitizen. Die Obotriten und andere slawische Stämme verursachten laufend Auseinandersetzungen mit dem Reich. 955 besiegte zwar Otto I. die Obotriten südlich Wismar, aber die Streitigkeiten waren damit nicht beendet. Erst dem Welfen Heinrich dem Löwen, gelang es, mit seinem Heer die Feindseligkeiten zu beenden. Nicht nur in Mecklenburg, sondern im ganzen Norden des Reiches, wo Heinrich der Löwe seit 1147 herrschte – und dies bis hinter die Oder. Sein Cousin, Kaiser Barbarossa hatte ihm dafür freie Hand gegeben. Um seine Macht nach dem Sieg zu festigen, rief er sofort deutsche Siedler ins Land. Und es kamen Viele. Bauern, Handwerker, Kaufleute. Schon 1160 gründete er die Stadt Schwerin, legte im gleichen Jahr den Grundstein für den Bau des Doms und setzte Gunzelin von Hagen als Graf von Schwerin ein. Er holte Ritter als Burgvögte aus dem Reich. Niklot, der Obodritenfürst war im Kampf gegen Heinrich gefallen. Seinem Sohn Pribislaw überließ Heinrich drei Jahre später einiges Land als Lehen und gab ihm seine Tochter Mechthild zur Frau.
Damit war die Verbindung im Reich besiegelt.
Die deutschen Siedler brachten neue, bessere Kenntnisse in der Landwirtschaft mit. Es wurden Wälder gerodet und viele neue Ansiedlungen geschaffen.
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Morgen geht’s dann weiter:
Denn die von Heinrich dem Löwen eingeleitete Nord- und Nordostsiedlung setzte sich im nächsten Jahrhundert fort. Immer mehr Menschen aus Niedersachsen, Westfalen, Flandern und aus den anderen alten Reichsländern kamen nach Mecklenburg und in die nordöstlichen Gebiete des Reiches. So entstanden bis zum Ende des 14. Jahrhunderts durch den Fleiß der deutschen Siedler viele Orte.
- Infotafel – kurze Zusammenfassung:
Das heutige Gebiet der beiden Großherzogtümer Mecklenburg, war, nach einer germanischen Urperiode, in der karolingischen Zeit ein slawisches Land geworden, welches nach und nach von den benachbarten deutschen Gebieten aus dem Germanentum, besonders durch die siegreiche Hand des Sachsenherzogs, Heinrich des Löwen, wiedergewonnen wurde.