Bernstein – das Gold der Germanen

Die Bernsteingewinnung, eine Betrachtung nach Anton von Etzel (Auszug)

Das Schöpfen (Fischen) und da sogenannte „Stechen“ des Bernsteins aus der See wird unmittelbar nach einem Sturme, sobald mäßiger Wellengang eingetreten ist,, vorgenommen. Die Leute sind hierzu mit einem Hamen, „Kütscher“ genannt, versehen. Sie schreiten, soweit es ohne Gefahr tunlich, in die See und schöpfen den mit den Wellen zum Lande treibenden Seetang heraus, der am Ufer ausgebreitet und von welchem dann von Weiber und Kinder der Fischer der daran sitzende Bernstein abgelesen, gesammelt und den Strandreitern gegen eine bestimmte kleine Vergütung abgeliefert wird.

Größere Tangmassen werden auch in Netzen gefangen oder mit Enterhaken auf das Land gezogen. Das „Stechen“ des Bernsteins ist ein sorgfältiges Suchen am Strande der ruhigen See, mit denselben Mitteln und bis zu einer Tiefe von vier bis vier und einem halben Fuß.

Auf ähnliche Art wird derselbe im Winter, wenn das Meer am Rande zugefroren ist, durch eingehauene Öffnungen (Wuhnen) gewonnen. Mit einer langen dünnen Stange, an deren Ende eine kleine eiserne Schaufel befestigt ist, werden die im Sand befindlichen Bernsteinstücke losgemacht und in einem kleinen Kätscher geschoben, der an einem langen Seile befestigt ist.

Da es aber auch möglich ist , bei ruhiger See die Gegenstände in einer Tiefe von zehn bis zwölf Fuß (mitunter noch mehr) deutlich sehn zu können, so benutzt mach auch , nach Durchforschung des Wassers in unmittelbarer Nähe der Küste, nicht selten kleine Fischerkähne, um den in größerer Entfernung vom Rande lagernden Bernstein in Sandbänken und zwischen Steinen aufzusuchen.

Aber nicht nur die Wellen allein sollten die launischen Agenten des ganzen Bernsteinbedarfs bleiben, denn zufällige Entdeckungen bei Ausgrabungen von Brunnen, Grundgraben zu Häusern etc. geben den Beweis, dass nicht nur in den Tiefen des Meeres und an dessen Rande, von den Stürmen herbeigetragen, Bernstein zu finden sei.


Hinterlasse einen Kommentar