Vielleicht erinnert sich der eine oder andere noch an die Szene aus „Vikings“, als Lagertha ihren Enkelkindern die Geschichte zu den Walküren erzählte.

„Sie können sich in Schwäne verwandeln oder in ein Schwanenhemd fahren und so noch rascher als auf ihren Rossen die Luft durchsausen“.
An die Schwanenhemden der Walküren knüpfte auch so manch schöne Sage an. Diese hat mir meine Mutter immer erzählt, meist auf Spaziergängen, um es anschaulicher zu gestalten. Und weil nicht immer Schwäne vor Ort waren, trugen kurzerhand die Raben auf den Feldern (sinnbildlich) das „Schwanenhemd“. Ich liebe diese Sage.
Wer sind die Walküren, warum heißen sie so?
Sie küren die Wal, das heißt, sie bestimmen nach des Schicksals (der Nornen) unabänderlichen Satzungen, nach andern Sagen gemäss Odins Wunsch, diejenigen Helden, welche in der Schlacht fallen sollen, und die Erschlagenen tragen sie, aus dem Todesschlummer sie weckend, empor nach Walhall auf ihren durch die Wolken sausenden Rossen.
Sie sind die „Schildjungfrauen“, „Helm-Mädchen“, auch Wunsch-Mädchen Odins
Oben aber, in Walhalls goldenen Sälen, vertauschen sie das Kriegerische mit friedlich-festlichem Tun; sie füllen, die Weissarmigen, den schmausenden und zechenden Göttern und Einheriar die Hörner mit schäumendem Met und Äl
In beiden ist ihr Vorbild ihre Anführerin Freya – als solche „Wal-Freya“ genannt; – so dass sie nur als deren Vervielfältigungen erscheinen; jene ist vor allen der Götter Mundschenkin und reicht den in Odins Saal Eintretenden das Trinkhorn. Die Zahl wird verschieden angegeben; auf sechs (mit Freya sieben), neun, zwölf oder dreizehn. Sie sind gewissermaßen besondere Nornen; während diese das Gesamte entscheiden, bestimmen die Walküren nur das Geschick der Schlacht.
All ihr Leben und Wesen ist Kampfesfreude; in diesen tapferen, wunderschönen, hochherzigen, begeistert durch die Lüfte jagenden Jungfrauen hat die germanische Einbildungskraft eines ihrer edelsten, herrlichsten Gebilde geschaffen, auch hier nur der veredelnde Ausdruck des eignen Volksgeistes; denn es fehlt auch in der germanischen Geschichte nicht an mutigen Frauen und Mädchen, welche heldenhaft des Gatten, des Geliebten, des Bruders Geschick, kämpfend bis in den Tod, geteilt haben.
„Lied der Walküre.
Froh sah ich dich aufblühn, du freudiger Held,
Lang folgt’ ich dir schwebend und schweigend gesellt.
Oft küsst’ ich des Schlummernden Schläfe gelind,
Und leise die Locken, die dir wehen im Wind.
Hoch flog ich zu Häupten, – du kanntest mich kaum –
Durch die Wipfel der Wälder, dein Trost und dein Traum.
Ich brach vor dem Bugspriet durch Brandung dir Bahn,
Vor dem Schiffe dir schwamm ich, weiss-schwingig, ein Schwan.
Ich zog dir zum Ziele den zischenden Pfeil,
Aufriss ich das Ross dir, das gestrauchelt am Steil.
Oft fing ich des Feindes geschwungenes Schwert,
Lang hab’ ich die Lanzen vom Leib dir gewehrt.
Und nun, da die Norne den Tod dir verhängt,
Hab’ ich dir den schnellsten, den schönsten geschenkt.
„Sieg!“ riefest du selig, „Sieg, Sieg allerwärts!“
Da lenkt’ ich die Lanze dir ins herrliche Herz.
Du lächeltest leiblich – ich umfing dich im Fall –
Ich küsse die Wunde – und nun auf; – nach Walhall!“
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Quelle
(Dahn, Gedichte. Sämtl. poetische Werke. Zweite Serie Bd. VI. S. 209.