Beruhend auf den zahlreichen Tatsachen- und Erlebnisberichten, die zwar existieren, aber zu großen Teilen fein säuberlich unter Verschluss gebracht werden, oder man halt tief graben muss, um sie ausfindig zu machen – wer wird einmal über unsere Leben berichten?


Ich hatte schon vor einiger Zeit die Feststellung gemacht, dass wohl fast jeder „Schindlers Liste““ kennt, aber nicht die Liste zur Verfolgung der Vertreibungsverbrechen gegen die deutsche Bevölkerung.
Welches Unterrichtsfach in Schulen oder Hochschulen berücksichtigt in ihren Lehren die rücksichtslose Macht durch die Vertreiberstaaten?
Was steht auf dem Stundenplan? Welches Geschichtsbuch beinhaltet die am deutschen Volk begangenen Verbrechen?
Vorweg: Am Ende des Beitrags findet ihr zahlreiche Quellen und eine Videoaufnahme zu den Vorgängen.
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Wir haben vier Kinder, mittlerweile erwachsen, aber ich kann mich nicht daran erinnern, dass ihnen je der Teil unserer Geschichte vermittelt wurde, der uns ausmacht, wo unsere Wurzeln zu finden sind, noch die Qualen aufzeigt, die unser Volk, unsere Vorfahren erleiden mussten. Das ist die Tragödie zur Tragödie.
Ich werde an dieser Stelle keinen Vergleich anstrengen. Wer meine Seite kennt, weiß, dass ich mich hier ausschließlich der deutschen Geschichte widme, der Geschichte, die nicht in unseren Lehrbüchern zu finden ist oder eben nur in Ansätzen, vereinzelt am Rande auftritt und verhalten kommuniziert wird.
Über die Tragödien und Ereignisse anderer Völker existiert indes ausreichend Lesestoff. Es gibt unzählige Filme, Dokumentationen und Lehrmaterial, bereitgestellt durch die Medien, auf Anordnung der Regierungen, durch die Obrigkeit- es ist die Geschichte der Mächtigen, derer, die das Zepter führen, das Geld verwahren und mit diesen Mitteln über das Volk hinwegregieren. Diese Vorgehensweise ist nicht etwa eine „Erfindung“ des 20 /21. Jahrhunderts. Nein. Vielmehr ist es ein Kreislauf. Das Schema reicht bis in die Antike zurück, nur immer neu aufgelegt, unter anderer Regie mit neuen Darstellern.
Ich werde, auch wenn es mir persönlich immer sehr schwerfällt, die Berichte einer Erlebnisgeneration in regelmäßigen Abständen für alle Interessierten auf meiner Website einstellen. Allein das Lesen der Berichte führt zu einer schwermütigen Gefühlsregung. Angst, Wut und Leere dominieren. Doch hilft das alles nichts.
Wer schweigt stimmt zu!
Heute möchte ich die „Hölle vom Lamdsorf“ aufgreifen, ein Lager, wo mehr als 5000 Deutsche NACH dem Endes des Zweiten Weltkrieges qualvoll starben.
Wer aus der Nachkriegsgeneration weiß um Konzentrationslager im Rahmen der Vertreibung der Deutschen? Wer kennt die Tragödie um das Dorf Lamsdorf?
Historische Bedeutung erlangte das Dorf Lamsdorf durch das Stalag VIII B (344) Lamsdorf, das von 1939 bis 1945 als eines der größten deutschen Kriegsgefangenenlager betrieben wurde und vom 18. Juni 1945 bis Herbst 1946 als Konzentrationslager im Rahmen der Vertreibung der Deutschen aus Oberschlesien diente. Ein erheblicher Teil der Lagerinsassen kam dabei um. Das Lager befand sich auf dem Gelände des Truppenübungsplatzes Lamsdorf.
Es gibt immer noch Menschen, die sich über das Wissen in die Aussage flüchten: „Es war schließlich Krieg“. Eine schlichtweg haltlose Aussage. Dass, was nach 1945 und auch schon davor geschah, war Völkermord!
Diese Verbrechen an der deutschen Bevölkerung dürfen nicht als „eine logische Konsequenz des Zweiten Weltkriegs“ verharmlost und bagatellisiert werden. Bislang ist noch niemand wegen der Vertreibung und Verschleppung der Deutschen und der dabei begangenen Gewalttaten bestraft worden
Lest es bitte nur, wenn euer Gemüt in der Verfassung ist, es zu fassen.
Zum Lager Lamsdorf findet ihr unter den Quellangaben auch einen Videobeitrag aus dem Museum Lamsdorf. Wie ich finde, sehr eindrucksvoll.
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Zeugenaussagen
Häftlinge mit Gewehrkolben ins Feuer getrieben
Am Holzzaun des ehemaligen Kriegsgefangenenlagers Lamsdorf hängt ein Schild in verwaschenem Rot: Staatliche Hühnerfarm. Dahinter, zwischen Akazien und Buchen, blühen Vergißmeinnicht auf einer Wiese. Abends spielt hier die Dorfjugend Fußball.
Sie spielen auf dem Massengrab der deutschen Opfer von Lamsdorf, 6488 Leichen sind hier verscharrt. Die Kapos waren kriminelle Lustmörder, sagt Walter Swierc.
Was im Lager geschah, enthüllen Gerichtsakten, die erst jetzt von der polnischen Geheimpolizei freigegeben wurden.
Frauen, die nebeneinander saßen, wurden von hinten erschossen. Aufseher ritzten Insassen (meist Bauern) Hakenkreuze in die Haut, sperrten sie tagelang in Keller, in denen fauliges Wasser ein Meter hoch stand.
Die Bäuerin Agnes Haiduk wohnt nur einen Kilometer entfernt. Sie steht gebückt in ihrer Wohnküche in Lamsdorf, Haus Nummer 16. Sie holten uns morgens um acht. Sie trieben das ganze Dorf in einer langen Kolonne ins Lager. Das war am 8. Februar 1946. Es hatte geschneit, 20 Grad minus. Die Mutter von fünf Kindern hatte ihren Kleinsten, Karl-Heinz, auf dem Arm. Er weinte.
Bäuerin Haiduk ist die einzige der 400 Deutschen aus Lamsdorf, die das Lager bis heute überlebt hat. Sie vergräbt ihr Gesicht in beide Hände, spricht im Flüsterton: Meinem Mann haben die Aufseher einen Stahlhelm aufgesetzt und mit dem Vorschlaghammer draufgeschlagen. Emanuel Haiduk, Postassistent, erblindete. Andere bekamen einen glühenden Stahlhelm aufgesetzt. Sie waren sofort tot.
Ihr müßt alle dran glauben
Einmal kam ein Kommandant in die Baracke: Wenn der da drüben nicht in einer Stunde tot ist, müßt ihr alle dran glauben. Der Angesprochene war Gastwirt. Er erhängte sich selbst, um die anderen zu retten. Maria Springer, Bäuerin aus Ellguth-Hammer: Meinen Nachbarn steckten sie in ein Faß, in das von außen Nägel eingeschlagen waren. Sie rollten das Faß so lange, bis er tot war. Landwirt Karl Kaplytta erinnert sich genau an die Nacht vom 4. Oktober 1944. Die Kommandanten zündeten Baracke 12 an, trieben Häftlinge mit Gewehrkolben zum Löschen. Dann stießen sie sie ins Feuer.
Er war auch als Zeuge im Prozeß gegen Lagerleiter Czeslaw Geborski und dessen Stellvertreter Ignacy Szypulla geladen. Das war 1957. Er sagte nichts, aus Angst. Die zwei Kommandanten wurden freigesprochen. Der Stellvertreter, ein Alkoholiker, stürzte im Rausch vor 18 Jahren vom Balkon im siebten Stock eines Krankenhauses. Geborski, der Chef, Ex-Oberst der polnischen Stasi, lebt heute unter dem falschen Namen Sucho in der Straße des 1. Mai in Kattowitz, Hausnummer 48, dritter Stock. Er sagt: Ich weiß nichts mehr. Ich bin schwer herzkrank.
Noch dieses Jahr werden die Leichen der Lageropfer exhumiert. Am Fußballplatz der Dorfjugend von Lamsdorf ist ein Mahnmal geplant.
Lublin-Majdanek (Lipowastraße 7) Lublin-Majdanek (Frauenlager
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Das Gedenken an die Leiden des eigenen Volkes bedeutet keine Relativierung deutscher Vergehen. Und daher sollten die Nachkommen ihre erworbene Unwissenheit in Wissen umwandeln. Auch wenn dieses Wissen schmerzt!
„Denn auch für unser spezielles Thema gilt noch immer, was Martin Broszat zum Verhältnis zwischen Geschichtswissenschaft und Vertreibung bereits 1983 gesagt hat: „Hier soll nicht bestritten werden, dass es eine gewisse Zurückhaltung durchaus gibt: Schon dem Begriff, Vertreibungsverbrechen‘, oft vage, viel zu allgemein und nicht strafrechtlich distinkt gehandhabt, haftet der Geruch der Verrechnungsabsicht an. So trug die Überzeugung, das Thema für „nationalistisch affiziert“ zu halten, ihren Teil dazu bei, „dass es von der jüngeren Generation der Historiker seit den sechziger Jahren kaum aufgegriffen wurde“
„Im Opferdiskurs der Bundesrepublik“ wurden die Vertriebenen mehr und mehr, zu unerwünschten Opfern‘.
Quelle
http://www.tenhumbergreinhard.de/1933-1945-lager-1/1933-1945-lager-l/lamsdorf-lambinowice.htm
https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/item/ERPQUKCHRED7SOYR7F2JACOFXQWEGDQP
Darauf noch ein Wort zu den alliierten Internierungslagern (anknüpfend an den Beitrag )
Einer von den Lagerinsassen erinnerte sich daran, dass er versucht hatte zu erklären, dass er weder Parteimitglied noch Hitleranhänger war. Als Antwort bekam er zu hören: Alle Deutschen sind Nazis.
Und das ist der Kern der Sache. Man hielt alle Deutschen ausnahmslos für Verbrecher. Schwache Argument, die nichts an der Tatsache ändern, dass die Verantwortlichen nach den schlimmsten Mustern vorangegangener Verbrechen handelten
Ein Kern, der sich über die Jahrzehnte darauf über beharrliches Schweigen, Verdrängen der Tatsachen und bagatellisieren von Taten hartnäckig halten konnte und bis heute Bestand hat. Schlimmer noch: Die Begrifflichkeit des deutschen Nazis wird mit allen nur erdenklichen Mitteln aufrechterhalten.
Die Lager auf einen Blick (die bekanntesten, denn es gab noch viel mehr)
Lamsdorf
Buchenwald Speziallager NR.2 (viele ehemalige KZ
Schwientochlowitz
Myslowitz
Beuthen
Bretzenheim
Allein in Myslowitz starben 2.200 Deutsche. In Lamsdorf geht man von 6000 getöteten Menschen aus. In dem von der NKWD in Tost gegründeten Lager starben innerhalb einiger Monate zwischen 2.000 und 3.000 Menschen. Das sind wahnsinnig hohe Zahlen.
In Bretzenheim sind unter amerikanischer Lagerleitung 3.500 bis 4.500 Menschen gestorben.
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Infotafel
NKDW: Volkskommissariat für Innere Angelegenheiten (Narodny Kommissariat Wnutrennich Del) der Sowjetunion; ab 1946 Innenministerium;