Der „heilige“ Ansgar, eine Kirche und das Christentum – Haithabu

Vielleicht erinnert ihr euch? Auf dem Weg zu den Häusern Haithabus, die das damalige Siedlungsgeschehen gut vermitteln, fielen mir die zahlreichen Infotafeln auf, welche den Aufruf trugen: „Gott spricht!“  Darunter Psalmen und Auszüge aus der Offenbarung.

Ansgar wird hier gern als der vorbildliche Christ aufgeführt, der die „ungläubigen Heiden vom „Götzentum“ befreite. Gleich zu Beginn des Weges verweist ein Stein mit der folgenden Aufschrift auf dessen Tun: „Männer und Frauen ließen ab von ihrem abergläubischen Götzendienst, sie bekehrten sich zum Glauben an den Herrn und wurden getauft und es entstand große Freude an diesem Ort.“ (im Foto unten)

Doch ist dieses „kirchliche Haithabu“ noch unbekannt. Dass um die Mitte des 9. Jahrhunderts Ansgar hier eine Kirche erbaute, ist lediglich aus seiner Lebensbeschreibung bekannt. Nach vorübergehender Schließung erhielt laut seiner Beschreibung die Kirche sogar eine Glocke. Ihr Schicksal in den unruhigen Jahrzehnten des ausgehenden 9. Jahrhunderts ist ebenfalls unbekannt und wurde auch nicht weiter verfolgt. Die lange geäußerte Vermutung, diese älteste Ansgarkirche läge unter der heutigen Kirche von Haddeby, hat sich durch Grabungen nicht bestätigen lassen.

Auch die in der älteren Forschung vertretene Auffassung, die Ansgarkirche habe nördlich der Schlei gelegen, ließ sich nicht bestätigen und ist nach der gesamten topografischen Situation des Handelsplatzes sehr unwahrscheinlich.

Noch um die Mitte des 10. Jahrhunderts, als der dänische König Harald bereits zum Christentum übergetreten war und Haithabu als Ostseehafen zum Reich der Ottonen gehörten, scheint nach einer arabischen Quelle das Christentum noch nicht allgemein durchgedrungen zu sein. Um 960 besuchte ein arabisch Reisender Al-Qazwīnī, Kitāb Aṯār al-bilād  diesen Platz. Er berichtet ausdrücklich, dass es am Ort nur eine kleine Christengemeinde gäbe, die Masse der Bevölkerung aber Siriusanbeter darstelle. Sirius = Gleichmäßigkeit der regelmäßig wiederkehrenden Naturerscheinungen.

Und doch jagt ein Psalm den nächsten – Gott spricht! So steht’s am Wegesrand geschrieben. Man kann es gar nicht übersehen. Menschen bleiben voller Bewunderung davorstehen. Manche zeichnen leise in Gedanken und gottesfürchtig ihr „Kreuz“.

Ich und auch mein liebster Göttergatte wurden das Gefühl nicht los, dass die Kirche nun auch hier fest Anker gesetzt hat.

Daher seine Aussage: „Nicht, dass uns am Endes Weges der Pfaffe auflauert, und unseren Taufschein sehen will“.

Naja, Spaß beiseite: Denn ich persönlich finde es sehr bedauerlich, dass nun auch über den ehemaligen Wikinger-Handelspatz die Kirche ihr Zepter schwingt und den „christlichen Glauben (wenn auch noch unterschwellig) als den wahren Glauben voranstellt! Warum sonst, steht ein Stein mit einer solchen Botschaft gleich am Anfang des Siedlungsbereiches?

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Quelle:

Arabische Berichte von Gesandten an germanische Fürstenhöfe, Berlin und Leipzig: Walter de Gruyter, 1927, S. 29.

Herbert Jankuhn „Arbeitsgemeinschaft für Forschung des Landes NRW –Geisteswissenschaften „Die Ausgrabungen in Haithabu und ihre Bedeutung für die Handelsgeschichte des frühen Mittealters.“

Infotafel:

Sirius ist als Begriff zur kultischen Verehrung aus dem Alten Ägypten, dem antiken Babylon und aus Zentralasien bekannt. I

In der Prosa-Edda des Snorri Sturluson (gest. 1241) heißt es, der Gott Thor habe aus einer eingefrorenen Zehe ein Sternenbild erschaffen.


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