Von Bad Kudowa nach Bad Reinerz – Heilquellen in schluchtenreichem Gebirge und inmitten dichtbewaldeter Täler
Wo sind wir gestern stehengeblieben? Ah ja, das war im Gebirgsdorf Grenzeck, etwa zwei Kilometer von Bad Kudowa entfernt. Und zwar dort, wo im Jahr 1796 eine Schädelkapelle errichtet wurde. Die Wände der Kapelle sind mit gebleichten Schädeln und Knochen bedeckt, mit sterblichen Überresten von 24.000 Pestopfern aus dem Dreißigjährigen Krieg und Gefallenen aus dem Siebenjährigen Krieg. Die Pest hat 80 Prozent der Bevölkerung dahingerafft. Etwas „freundlicher“ stimmt indes die Lage des Städtchens in einer Talmude. Auch der Kurpark ist nicht zu verachten.

Doch eigentlich wollten wir zu den Heilquellen. Angekommen im „Böhmischen Winkel“, in der Grafschaft Glatz, besuchen wir zunächst Bad Kudowa, das älteste deutsche Herzbad.
Seit dem 17. Jahrhundert wird der Ort wegen seiner 1580 entdeckten Sauerbrunnen besucht.
1783 erwarb Freiherr Michael von Stilldorf Kudowa und baute den Ort zu einem Heilbad aus. Ab 1870 war Bad Kudowa als erstes deutsches Herzbad bekannt. Von den fünf Mineralquellen, die hier sprudelten, wurden vier zum Baden und eine zum Trinken genutzt.
In herrlicher Lage inmitten eines windgeschützten Bergkessels, zeichnet sich der Ort durch ein mildes Klima aus.
Erste Besitzer der zu den stärksten Arsenquellen Europas gehörenden Heilquellen waren Albrecht von Wallenstein (1583.1634) und sein Schwager Graf Terzky Nachod.
Wegen der vorzüglichen Qualität wurde das Wasser in Berliner Apotheken zu Trinkkuren angeboten. Bad Kudowa hat vier Badehäuser, Kurplatz, Palmengarten, Wandel- und Trinkhallen und einen 200 Morgen großen Kurpark. Musik und gutes Theater, erlesene künstlerische und sportliche Veranstaltungen trugen zur Abwechslung und zum Erfolg der täglichen Anwendungen bei.
Die Hotels waren modern ausgestattet. Bad Kudowa konnte die Ansprüche verwöhnter Gäste voll erfüllen. Es war auch das teuerste Bad der Region.
Einige bekannte Gäste, die in Bad Kudowa zur Kur weilten sind König Wilhelm III. mit seiner Familie im Jahr 1813. Er traf hier Graf Neidhardt von Gneisenau und Ernst Moritz Arndt (Ihr erinnert euch: Vor Kurzem habe ich seine Rede ((1810) für die Greifswalder Universitätsfeier vorbereitet, wegen der politischen Verhältnisse erst 1847)) veröffentlicht), geteilt.
Der Preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke besuchte ab 1867 mehrmals den Kurort. Hermann Stehr setzte in seiner Novelle „Anton Gudnatz“ dem Ort ein literarisches Denkmal. Auf dem 487 Meter hohen Schlossberg nördlich des Kurparks steht die Hussitenkapelle mit dem Denkmal des dort ruhenden Generalleutnant Fr. Wilhelm von Götzen, der 1807, die von Österreichern besetzte Festung um die Stadt Glatz für Preußen rettete.
Nur 11 Kilometer von Kudowa entfernt, liegt Bad Reinerz im dichtbewaldeten Weistritztal.
Stadt und Kurviertel verband eine ein Kilometer lange Allee. 1323 erhielt der Ort das Stadtrecht. Bereits 1408 wurde Reinerz als Kurort bekannt. Aber der Aufschwung kam erst im 18. Jahrhundert nach der (Er)Bohrung der Kalten und der Lauen Quelle. (1748 (+11), 1797 (+18,4). Bad Reinerz besaß neun Quellen.
Ab Anfang des 20. Jahrhunderts gehörte der Kurort zu den modernsten und bekanntesten Bädern. Ähnlich wie in Bad Kudowa wurde den Erholungssuchenden große Bequemlichkeit, ja ein gewisser Luxus der damaligen Zeit geboten.
Dicht bei den Heilquellen standen Kur- und Badehaus, die mit Kunstwerken und Palmen ausgestattete Wandelhalle, das Kurtheater und der Musikpavillon. Es gab Theateraufführungen und viele andere Veranstaltungen.
Als im Jahre 1909 die Laue Quelle nachgebohrt wurde, schoss plötzlich eine hohe Fontäne empor. Es entstand ein 42 Meter hoher Springbrunnen im Kurpark. Die Gäste des Ortes waren Heilungssuchende aus ganz Deutschland und Europa. Auch König Friedrich Wilhelm III. und Goethe weilten hier. Später kamen zu Wohltätigkeitsveranstaltungen viele Adlige, Schauspieler und andere Persönlichkeiten.
Morgen geht es dann weiter nach Bad Landeck, ebenfalls in der Grafschatz Glatz gelegen, jedoch an den Ausläufern des Reichensteiner Gebirges.