Schlesien und seine Bäder Teil IV: Bad Warmbrunn und Bad Flinsberg – vom Riesengebirge ins Isergebirge

Über Erzählungen zur Kirche Wang haben wir mit dem Riesengebirge (Beitrag vom 31.5.) bereits Bekanntschaft gemacht. Ihr erinnert euch vielleicht.

Das Riesengebirge ist auch die Heimat des sagenhaften schlesischen Berggeistes Rübezahl. Es ist ein mächtiger Gebirgszug aus Granit und Gneis. Auch hier gibt es Felsengbilde und Schluchten. Zum Beispiel die bekannten Schneegruben. Die Berge sind dicht bewaldet, die herrschende Holzart ist die Fichte.

Oberhalb von 1200 Meter gibt es Knieholz (Krüppelkiefern), Krummhölzer, Almenwiesen, Hochmoore und Alpenpflanzen und Flechten (Lisenes, eine niedere Pflanze, die strauchartig an Felsen wächst) – Pflanzen, die man sonst nur in den Alpen oder in der Schweiz und Lappland findet.

Das Riesengebirge fällt an der Nordseite steil in das 1000 Meter tiefer gelegene Hirschberger Tal ab. Und in diesem Tal, am Fuße des Riesengebirges, nur sieben Kilometer von Hirschberg entfernt, liegt Bad Warmbrunn.

Dann schauen wir uns mal um, in Bad Warmbrunn – in dem Ort, der im schönsten Tal des

Hirschberger Kessels liegt.

1281 wurde hier eine Quelle entdeckt und genutzt. Seine Bedeutung erhielt der Ort erst im 17. Jahrhundert, als durch das Erschließen der radiumhaltigen Quelle, ca. 68 Grad, mit dem Ausbau der Kuranlagen begonnen wurde. Die Reichsgrafen von Gottschoff sorgten dafür, dass sich Warmbrunn zu einem bekannten Badeort entwickelte. Sie waren von 1381 bis 1945 Besitzer von Bad Warmbrunn. Die Anlagen wurden in den Jahrhunderten laufend erweitert und modernisiert. Es entstanden Badehaus, Kurhaus, ein schöner großer Park, ein Theater.

Auch hier fanden täglich Aufführungen und Kurkonzerte statt. Und 1932 entstand das Bade- und Kurhotel „Quellenhof“, es war das modernste der schlesischen Bäder. Im 18. und 19. Jahrhundert und Anfang des 20. Jahrhunderts kamen Badegäste aus ganz Europa nach Bad Warmbrunn.

Bekannte Dichter weilten in diesem Kurort, u. a. Goethe. Heinrich Hoffmann von Fallersleben, der Maler Casper David Friedrich.

Die Anlagen heute, sind leider eher verwahrlost. Lediglich die Promenade und einzelne Häuser werden seit 2020 aufgewertet.

—————————-

Hier geht’s zum Nachbarn, nach Bad Flinsberg ins anmutige Queistal am Nordostt-Abhang des Hohen Iserkamms.

Das Isergebirge, Nachbar des Riesengebirges, ist ein mächtiges ausgedehntes Waldbergland. Die Hänge fallen steil ab. Felsengebilde, Schluchten und oberhalb das Isermoor sind die besonderen Merkmale dieser Gebirgsformation aus Granit und Gneis.

Die höchsten Erhebungen sind Heufuder auf schlesischer (1107 Meter) und Tafelfichte (1122 Meter) auf böhmischer Seite. Mittelpunkt dieser Landschaft ist Bad Flinsberg im Queistal. Der Ort ist von hohen Bergen und Wald umgeben. 1572 und 1601 sprudelten hier die ersten Quellen, erst 1689 wurden sie untersucht und genutzt. 1763 erwarben die Reichsgrafen von Schaffgotsch Bad Flinsberg. Unter ihrer Herrschaft entstanden 1768 Bade- und Brunnenhaus, Logiergebäude und eine große Parkanlage. Es dauerte nicht lange bis Bad Flinsberg bei den Erholungs- und Heilungssuchenden große Bedeutung fand.

1899 entstand ein neues Kurhaus mit einer 80 Meter langen Wandel- und Trinkhalle. Es war ein Hotel ersten Ranges, mit modernen eingerichteten Gästezimmern, Lese- und Tanzsaal, Spiel- und Unterhaltungsräumen. Eine breite Freitreppe führte zum Kurhaus hinauf. Vor dem Gebäude war eine große Terrasse, täglich fanden hier Kurkonzerte statt. Die Wandelhalle war mit Palmen und herrlichen Gewächsen ausgestattet, ebenso die Terrasse. Ab 1925 war Bad Flinsberg auch ein bekannter Wintersportplatz mit einer 2 bis 3 Kilometer langen Bobbahn und einer Sprungschanze.

Und wie sieht es heute dort aus? Der Kurbetrieb wurde wiederaufgenommen. Noch 1970 konnte man die Wandelhallen nicht betreten, sie waren voller Schmutz. Jetzt ist es etwas ordentlicher geworden. Aber vom ehemaligen Glanz dieses Badeortes ist nichts mehr vorhanden.

——————-

Quelle: Niederschriften meiner Mutter aus ihrer Zeit als Reiseleitern in der Schlesien-Gruppe. (aus der Zeit von 1988 bis 2004)

Bilder: Pixabay


Hinterlasse einen Kommentar