Wir haben in der vergangenen Woche nur einen Bruchteil Schlesiens entdeckt und kennengelernt, und doch hoffe ich, dass viele mitgelesen haben, die bisher von Schlesien nur wenig bis gar nichts wussten.
Zu der Zeit, als meine Mutter den Vortrag „Bäder der Heimat“ gehalten hat, erfolgte anschließend eine Podiumsdiskussion zu „Hoffnung und Bedenken beim EU-Eintritt Polens“.
Beanstandet wurde unter u. a., dass Polen die Vertreibungsdekrete noch nicht annulliert sowie die vermehrte Einwanderung polnischer Arbeitskräfte nach Deutschland.

Zu einer Annullierung der Vertreibungsdekrete (auch unter dem Namen Bierut Dekrete bekannt) kam es bis zum heutigen Tage nicht. 2008 erklärte sich der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte unzuständig für die Anträge auf deren Aufhebung.
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Auszug Wikipedia
„Nach polnischer Rechtsauffassung hat die Potsdamer Konferenz (17. Juli – 2. August 1945) den Übergang der Oder-Neiße-Gebiete in den Bestand der Republik Polen rechtlich sanktioniert. Deutsche Rechtsexperten wiesen darauf hin, dass selbst nach dieser Rechtsauffassung ein Teil der Dekrete keinerlei rechtliche Grundlage hatte, da sie in den Monaten zuvor erlassen worden seien. Inhaltlich bekräftigen und ergänzen die Gesetze und Dekrete von 1946 die Rechtsakte aus der ersten Jahreshälfte 1945.“
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„Es wird oft auf die Beschlüsse der Potsdamer Konferenz hingewiesen, als ob die Vertreibung der Deutschen von den Alliierten angeordnet worden wäre. Dabei muss man deutlich machen, dass die Idee der Vertreibung der Deutschen nachweislich mit Edvard Benes ihren Ursprung fand, und das die Lubliner Regierung Polens die Idee begeistert aufnahm. Beide hatten ihre ureigenen Ambitionen und auch panslawistische Interessen. Es war Landraub in großem Stil, die keine historische, moralische oder juristische Berechtigung hatte“
- Zitiert nach Alfred de Zayas auf einer politischen Hauptkundgebung (Deutschlandtreffen der Schlesier) vom 3. Juli 2005.
Dass Polen von den Alliierten in der Ausführung entsprechende Unterstützung erfuhr, steht noch auf einem anderen Blatt. Das Siegel setzten schließlich die Siegermächte.
Und weiter erklärte Alfred de Zayas: „Die Vertreibung der Deutschen war eine reine und rücksichtslose Ausübung der Macht durch die Vertreiberstaaten, und eine Realisierung längst vor 1939 und auch vor 1933 bestehenden chauvinistischen Expansions- Fantasien. Der Krieg hat die Verwirklichung dieser mörderischen Fantasien nicht verursacht, sondern nur ermöglicht. Dies ist eine essentieller – schon logischer – Unterschied. Die Vertreibung stellte keinesfalls die Durchführung eines alliierten Beschlusses in Potsdam dar, sondern begann schon viele Monate vor der Konferenz.
Als die Potsdamer Konferenz im Schloss Cäcilienhof eröffnete, waren bereits Millionen Deutscher aus Ostpreußen, Danzig, Pommern, Ostbrandenburg, Schlesien, Sudentenland, Ungarn, Jugoslawien usw. vertrieben worden. Durch Mord und Vergewaltigung terrorisiert, flüchteten Millionen Zivilisten nach Westen, um der Roten Armee zu entkommen. Sehr viele, die in der Heimat verblieben waren, sind umgekommen“.
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Wer ist Alfred de Zayas? (* 31. Mai 1947 in Havanna)
Er ist ein US-amerikanischer Völkerrechtler, Historiker, Sachbuchautor und ehemaliger UN-Beamter. Von Mai 2012 bis April 2018 war er Unabhängiger Experte des Menschenrechtsrats der Vereinten Nationen für die Förderung einer demokratischen und gerechten internationalen Ordnung. In zahlreichen Veröffentlichungen kritisierte de Zayas Handlungen der Alliierten im Zweiten Weltkrieg als völkerrechtswidrig.
(Auszug Wikipedia)