Teil II
Den ersten hitzeverdächtigen Tag im Jahr nutzten wir, und wanderten entlang der Kaiserpfalz Tilleda, von der heute ein Freilichtmuseum zeugt. Erste Bilder haben euch schon erreicht.

Nun möchte ich noch ein bisschen mehr erzählen. Der Rundgang war völlig entspannt. Es gab nur wenige Besucher. Dafür hat eine große Kinderschar das weitläufige Areal (vermutlich ein Kindergeburtstag) erobert und ein Film/Kamerateam zog von Haus zu Haus und machte Aufnahmen. Die Museumskasse war nicht besetzt. Es gab einen Vermerk: „Sie finden uns auf dem Gelände. Den Eintritt können Sie auch dort in einem Bauernhaus zahlen.“ Irgendwie sympathisch.
Also machten wir uns auf den Weg und schritten durch das Zangentor. Vom Tor aus führt eine Treppe nach oben – die anschließende Aussicht ist wunderbar.
Ausgrabungen brachten hier die Überreste der Kaiserpfalz unterhalb der Reichsburg Kyffhausen ans Tageslicht. Die vom 10. bis 13. Jahrhundert zeitweilig vom Kaiser Friedrich i. Barbarossa, seinem Sohn Heinrich VI. und anderen deutschen Herrschern als Residenz benutzte Anlage befindet sich auf dem Pfingstberg.
Schon bald begrüßte uns ein Kater. Später erfuhren wir, dass er ein Findelkater ist, der gerade mal ein Jahr alt war als er verzweifelt ein Zuhause suchte, und es dann auch in der ehemaligen Kaiserpfalz fand. Überhaupt war die Atmosphäre auf dem Gelände sehr angenehm.







Das Bauernhaus haben wir nicht ausfindig gemacht, und den Eintritt am Ende des Rundgangs gezahlt, als das Kassenhäuschen wiederbesetzt war.
Ich ärgerte mich über manche Beschreibung auf den Infotafeln vor den rekonstruierten Häusern – Thema „Slawen“, die hier gesiedelt haben sollen.
Wir gehen weiter, denn von den eindrucksvollen Wehranlagen bietet sich ein grandioser Rundblick über die komplette Kaiserpfalz Tilleda.
Tilleda ist ein hübsches Dorf am Fuße des Kyffhäusers. Dort haben wir auch mit unserem Bert einen tollen Platz zum Schlafen gefunden mit schönem Blick auf den Kyffhäuser.
Und eine kurze Geschichte habe ich auch noch „rausgekramt“: „Neben den weitläufigen Ruinen der Kaiserburg Kyffhausen über der alten Kaiserpfalz Tilleda, welche früher dicht unter dem Kyffhäuser gelegen haben soll, steht noch wohlerhalten ein alter Burgturm. Ein Eingang ist daran unten nicht wahrzunehmen. Man kann jedoch an vorspringenden Steinen zu einer oben zwei offenstehenden Luke emporklettern. Das nahmen sich Soldaten vor, welche in Tilleda ins Quartier kamen und in ihrer Heimat viel vom Kyffhäuser gehört hatten. Aber sie kamen unverrichteter Sache wieder in Tilleda an, denn die sonst offenstehenden Luken waren mit eisernen Läden geschlossen gewesen. Als die Leute in Tilleda das hörten, sprachen sie: „So ist euch alle Herrlichkeit des Kyffhäuser beschert gewesen und ihr habt sie verscherzt. Die eisernen Läden hättet ihr nur zu nehmen brauchen, und sie hätten sich in goldene verwandelt.“ Spornstreichs eilten die Soldaten zum Kyffhäuser, aber die eisernen Läden waren verschwunden.“











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Wissenswertes auf einen Blick:
- Zwischen 974 und 1042 erscheint „Tullide“ als Ausstellungsort von Urkunden der Kaiser Otto II., Otto III., Konrad II. und Heinrich III. In salischer Zeit wurde besonders die Hauptburg, die im Norden, Osten und Süden durch Steilabfälle gesichert war, stark verändert.
- m 11. Jahrhundert verlor die Pfalz ihre militärische Bedeutung und wurde von den neuen Burgen auf dem Kyffhäuser abgelöst. Jedoch wurde auch noch im 12. Jahrhundert das nach wie vor hier betriebene königliche Tafelgut ausgebaut.
- Im Jahr 1174 sammelte Kaiser Friedrich I. Barbarossa hier ein Heer, das er für seinen beabsichtigten Kriegszug nach Oberitalien gegen die Stadt Alessandria benötigte. In der Pfalz versöhnte sich 1194 Kaiser Heinrich VI. mit Herzog Heinrich dem Löwen und legte damit den langandauernden Streit zwischen Staufern und Welfen bei.
- Nach 1194 wird die Pfalz Tilleda in den schriftlichen Quellen nicht mehr erwähnt. Verschiedene Funde, darunter auch solche aus dem ritterlichen Milieu, belegen aber, dass die Anlage noch genutzt wurde.
- Vom 14. bis in das 20. Jahrhundert wurde der Pfingstberg landwirtschaftlich genutzt. Die dabei störenden Ruinen wurden im Lauf der Zeit abgetragen.
- Zwischen 1935 und 1939 wurden erste archäologische Ausgrabungen auf dem Gelände der Pfalz unter der Leitung von Paul Grimm durchgeführt.
- 1958 wurden die Untersuchungen durch das Institut für Ur- und Frühgeschichte der Akademie der Wissenschaften der DDR wieder aufgenommen.
- Die Pfalz wurde bis 1979 bis auf wenige Kontrollflächen vollständig ausgegraben. Insgesamt wurden die Fundamente von 180 Häusern freigelegt.
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Quelle
- Paul Grimm: Tilleda. Eine Königspfalz am Kyffhäuser. Teil 1. Die Hauptburg. Deutsche Akademie der Wissenschaften zu Berlin. Schriften der Sektion für Vor- und Frühgeschichte 24. Berlin 1968.
- Paul Grimm: Tilleda. Eine Königspfalz am Kyffhäuser. Teil 2. Die Vorburg und Zusammenfassung. Deutsche Akademie der Wissenschaften. Schriften zur Ur- und Frühgeschichte 40. Berlin 1990. ISBN 3-05-000400-2.