Die „verdrängten“ Verbrechen – es ist die Pflicht jedes Überlebenden den historischen Tatsachen zu ihrem Recht zu verhelfen

Teil IV aus der Reihe „Die Anklage hören viele, die Rechtfertigung wenige…“

Dem aufmerksamen Beobachter wird über die Zeit nicht entgangen sein, dass es unendlich viele Möglichkeiten gibt, Dinge zu erfinden, diese später so glaubwürdig wie nur möglich zu verankern, um sie dann in der Öffentlichkeit unter der breiten Menge kundzutun. Und zwar solange, dass es an der Glaubwürdigkeit dieser in die Welt gesetzten Sache (zumeist einer Lüge) keine Zweifel mehr geben kann. Zum zehnten Mal gesagt, wird’s auch geglaubt.

Doch dem strengen Blick des Beobachters auf solche Dinge, entgehen die Fälschungen zumeist nicht. Das ist gut so.

Dazu müssen wir noch nicht einmal so weit zurückschauen. Denn die letzten drei Jahre bewahren einen mächtigen Bestand solcher „Details“.  So präsentiert man dem gutgläubigen Bürger eine Vielzahl von Bildern und Aufnahmen, fix aus den Archiven gekramt, oder einfach aus Spielfilmen herauskopiert.

Die Lüge darf eben alles. Doch die Wahrheit bleibt vergraben.

Ich habe lange überlegt, wie ich die nun kommenden Beiträge gestalte. Auch welche Bilder ich verwende.

„Und es waren Kinder, Mütter, alte Frauen, die vergewaltigt (8-80-jährige) und erschlagen wurden.“

Die Aufnahmen stammen aus gesammelten Zeitungsausschnitten meiner Eltern. Es gibt sie nicht allzu häufig zu sehen.

Bevor ich fortfahre möchte ich noch ein persönliches Erlebnis meiner Mutter, festgehalten in ihren Niederschriften zitieren:

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„Auf dem Weg in die Zukunft schreitet immer die Vergangenheit mit und sie beeinflusst das neue Leben und Erleben, von den Geschehnissen zu berichten war verboten, heute haben manche Kinder schon taube Ohren für das Erlebte der Eltern!

Ja, auf dem Weg in die Zukunft schreitet die Vergangenheit mit, wenn auch fast unsichtbar oder durch Arbeit und Kindererziehung verdrängt, aber plötzlich ist sie wieder da – bei diesen Erlebnissen, die die Vergangenheit wieder nahebringen. So geschehen 1974. Konstanze musste, wie alle Studenten an einer militärischen Ausbildung teilnehmen. Ihre fand in einem Waldgebiet am Rande von Berlin statt. Paul, sollte ganz in der Nähe vom Waggonbau die Campingwagen besichtigen und dann streichen. Konstanze und ich fuhren zum Standort der Wagen, besuchten auch Martina. Als ich abends beim Betten überziehen war, sah ich durch das Fenster zwei russische Soldaten auf dem Weg zur Gaststätte. Plötzlich waren die Geschehnisse von 1945/46 wieder vor meinen Augen, innere Angst, ich wurde kreidebleich und war wie erstarrt, als Konstanze mich aus der Trance holte und fragte: „Mutti hast du Angst, was ist mit dir?“ Da fand ich wieder zurück, aber was mich erschüttert hatte, durfte ich nicht sagen!

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Es gab da mal einen Film. Er nannte sich die Flucht, erschienen 2007 als Zweiteiler. Ganze drei Stunden behandelt dieser Film die Flucht und Vertreibung von etwa 20 Millionen Menschen. Nur wenige überlebten das ausufernde Massaker, viele starben auf der Flucht durch Folter oder über mehrfache Vergewaltigungen. Sie erlitten unvorstellbare Qualen. Das war Völkermord!

Der Völkermord am deutschen Volk ist den Filmemachern einen Zweiteiler wert, über eine Länge von drei Stunden. Fertig. Aus. Erledigt.

Dann kann auch keiner mehr meckern, man hätte nicht darüber berichtet. Und in den Kritiken zum Film wird vermerkt: Dieser Film trägt das Potenzial in sich, zur Versöhnung von Polen und Deutschen beitragen zu können.“

Ich dachte, na lies mal weiter. Möglicherweise steht da als nächstes, es war ja Krieg. So möge sich der Deutsche für die Umstände, „die sie den Polen bereitet haben,“ noch entschuldigen – unmöglich ist ja nichts!

Schließlich exerzierten die Polen über Jahre hinweg Mord- und Totschlag an den Deutschen, an Frauen, Kindern, Greisen und Gefangenen, aber auch an jüdischen Bürgern.

 Es ist mir unbegreiflich, wie Menschen so etwas anderen Menschen antun können. Manche saßen in ihrer Küche, Genickschuss! Nur wenige Deutsche schafften es lebend aus der Hölle. Aber die Seele war zerstört. Die Bilder sprechen für sich.

Übrigens: Wiederholt wurde der Film „Die Flucht“ zuletzt zur besten Sendezeit:

Teil 1 am 22.12.2022 von 01:20 – 02:50

Teil 2 am 23.12.2022 von 02:05 – 03:35

Weitere Vorgänge, die einem einfach nur den Atem stocken lassen, bleiben in dem Film unerwähnt.   

Beruhend auf der der Gewalt gegenüber in Polen lebenden Volksdeutschen, sei auch der Bromberger Blutsonntag vom 3. September 1939 als Höhepunkt der Eskalation zu nennen.

Und ich könnte immer so weitermachen. Jede Aufzählung erfährt eine Fortsetzung. Immer wenn ich annahm und hoffte, dass ich über meine Recherchen nun endlich am letzten Ort der Grausamkeiten angelangt wäre, wurde ich eines Besseren belehrt.

Das große Sterben – katastrophale Zustände unter der polnischen Fremdherrschaft /Szenen zur (vor der endgültigen) Vertreibung

Die polnische Miliz bestand zum Teil aus Häftlingen und Partisanen, die jahrelang jeglicher Ordnung und Sitte entwöhnt waren. Rohheiten und Übergriffe, Plünderung und Trunksucht wechselten in unterbrochener Folge ab. Bis zum Herbst 1945 beherrschten mehr oder minder die Russen das Leben im Dorf. Die deutsche Bevölkerung musste bei den Russen arbeiten. Und nur solche, die es taten bekamen Brot und Eintopfessen. Wer nicht arbeiten konnte, musste verhungern. Keiner verließ das Haus. Die Unsicherheit im Dorf war unbeschreiblich. Mit Vorliebe pflegten die Polen die Methode, die Deutschen auf ihrem Kirchgang abzufangen, dann auf Laster zu sperren und erst am Abend wieder raus zu lassen. Nächtliche Einbrüche und Vergewaltigungen waren an der Tagesordnung. Als die Nachricht von der Evakuierung kam, war die Bestürzung der Bevölkerung groß, je mehr sie sich an ein Bleiben in der Heimat geklammert hatten.

Nach sechs Wochen unmenschlicher Behandlung verfrachtete man die Menschen in Gefängnisse, oder besser Schlesiens KZ, unter anderen:

  • Kletschkauer Gefängnis Breslau
  • Lamsdorf  (Dazu gibt es bereit einen Artikel von mir)
  • Glatz
  • Neisse
  • Trebnitz
  • Wünschelburg

Diese Arte Gefängnisse befanden sich fast in jeder  noch so kleinen Ortschaft.

Zu weiteren unerwähnten Verbrechen zählen auch die Vorgänge in Kloster Leubus seit der Russeninvasion im Januar 1945 bis zur Vertreibung am 17. August 1946. Dazu auch in einem anderen Beitrag mehr.

Ebenfalls berichte ich dann über den Pogrom von Jedwabne, als die Polen 1600 Juden töteten. Eine Tat, die lange Zeit den Deutschen zu Last gelegt wurde.

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Quelle: Erlebnisberichte aus Tragödie Schlesiens 1945/46 in Dokumenten


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