Der Grün-Donnerstag in unserer germanischen Welt: Es ist Mitte April, und wir begrüßen die Feldlinge in Feld und Wald; deutsche Länder, alte Sitten und der Sieg des Lichts und Lebens über die Unterwelt

Es ist bekannt, dass die Geistlichkeit es gut verstand, die altüberlieferten Gewohnheiten und Sitten der heidnischen Germanen in kirchliche Gebräuche umzumünzen. In der christlichen Geschichte ist dieser Tag rund um das Entsetzen und die Trauer über den Kreuzestod begründet.

Während die Kirche einen solchen Tag beweint, begrüßen wir alles, was wächst, heranreift und blüht.

Die Blumenlese, eine noch heute bestehende Gründonnerstags-Sitte lässt den alten Charakter des Tages als ein echtes und rechtes Frühlingsfest deutlich erkennen.

Die jungen Gemüse, Früchte, frische Eier als Sinnbilder der Lebenskraft, und namentlich Honig, frischer Blumenhonig – kurz die Erstlinge in Feld und Wald spielen eine Hauptrolle.

Der Deutsche pflegt an diesem Tag etwas Grünes zu essen, so in der Mark meistens Grünkohl, während in Hamburg und Altona Kräutersuppe von sieben verschiedenen Kräutern und in Hessen Gemüse von neunerlein Kräutern genossen wird.

Die Sachsen essen ihren Rübensalat, die Böhmen Spinatkarpfen (mit Spinat gefüllte Karpfen), und die Schwaben ihre aus allerlei Gemüsen bereiteten „Laubfrösche“. In Sachsen ist an diesem Tag Honigbrot sehr beliebt, Überhaupt spielt der Honig eine hervorragende Rolle.

Denn wenn die Sachsen und Hessen am grünen Donnerstag keinen Honig essen, werden die zu Eseln.

Noch ein Blick zum Nachbarn:

In Seeland und Dänemark ist es Volksbrauch bis in neuere Zeiten gewesen, am Grün-Donnerstag Beile und eiserne Keile auf die Saatfelder zu bringen und einen Stahl an die Haustüre zu hängen, damit die Zauberinnen der Saat und den Menschen nicht schaden.

Der Himmelskönig Thor und der Sieg des Lichts und Lebens über die Unterwelt

Dass der Donnerstag vor der Himmelfahrt (der heilige Donnerstag in Schweden, Norwegen, England genannt) nicht ganz ohne Beziehung war oder blieb, geht daraus hervor, dass man in Deutschland an diesem Tage gar nichts nähte. Indem man meinte, wer etwas an diesem Tage Genähtes an sich trage, werde vom Blitz erschlagen. In Schweden meinte man, der auf dem Gold wachende Drache holt seine Schätze hervor ans Tageslicht.

Die Fischer beobachteten gewisse Bräuche, um einen guten Fang zu haben, die Weiber kleideten sich rot.

All dies zeigt, dass man an diesem Donnerstage einen Sieg des Lichts und Lebens über die Unterwelt und ihre schlimmen Wirkungen knüpfte. Die Ansicht aber von dem Blitze deutet auf Thor hin.


Hinterlasse einen Kommentar