Alles Kräuter oder was?  Rückblick auf ein Kräutersammelsurium, spannende Geschichten und allerlei Wissenswertes von April bis August 2023

 April 2023

Erstes Getränk am Tag:

Von getrockneten und zerkleinerten Blättern des Löwenzahns 2 Teelöffel voll mit 1/4 Liter heißem Wasser übergießen. 15 Minuten zugedeckt ziehen lassen und zum Schluss abseihen. Den fertigen Tee ungesüßt vor dem Frühstück trinken. Er kann aber auch zum Frühstück selbst genossen werden. Löwenzahn-Tee unterstützt die Entgiftung des Körpers und wirkt sich darüber hinaus reinigend auf die Haut aus. Am besten 3 Wochen lang täglich durchführen.  

Erste Ernte der wertvollen Gundelrebe.

Das Wachstum in meinem Garten ist üppig und die Ernte entsprechend ertragreich. Wolf-Dieter Storl sagte einmal, in unseren Gärten wächst immer genau das, wonach unser Körper verlangt.

Kurz ein paar Eckdaten zu dieser großartigen Heilpflanze

• Die Gundelrebe findet man auf Wiesen, an Wegrändern, Mauern und Zäunen. Sie wächst mit Vorliebe auf feuchten Böden und kriecht am Boden entlang wie Efeu

• Donnerrebe, wilde Petersilie, Erdefeu, Guck durch den Zaun, Gundermann, Blauhulder, Buldermann, Gundelkraut, Frauenrebe lassen auf eine lange Tradition als Heilpflanze schliessen.

• Der Name Gundelrebe gründet auf der althochdeutschen Bezeichnung «Gund», was Eiter bedeutet. Bei Eiterzähnen, Abszessen, Zahnfisteln kann Gundelrebe den Eiter austreiben.

• Bei den alten Germanen genoss die Gundelrebe als Heilpflanze hohes Ansehen. Sie galt, wie auch andere in der Nähe von Häusern wachsende Pflanzen, als Verkörperung des Schutzgeistes.

Eine kleine Geschichte dazu: Wenn Kühe schlechte Milch gaben oder der Milchfluss versiegt war, dann band man Kränze aus Gundelrebe, durch die hindurch die Kuh unter Aufsagen von Zaubersprüchen gemolken wurde, und gab ihr den Kranz anschliessend zum Fressen. Das Milchgeschirr wurde mit Gundelrebentee ausgewaschen. Sie galt als Pflanze für einen positiven Milchzauber.

Heilwirkung:

• Hildegard von Bingen (12. Jh.) schätzte die Heilwirkung bei Erkrankungen von Brust und Lunge sowie bei Hautleiden und empfahl sie bei Nieren- und Leberbeschwerden, ausserdem bei Magenverstimmung.

• Die mittelalterlichen Kräuterkundigen verwendeten die «Frauenrebe» zur Entstauung und Reinigung der Gebärmutter.

• Tabernaemontanus (16. Jh.) empfahl die Gundelrebe zur Verbesserung des Gehörs.

• Wegen ihrer entgiftenden Wirkung wurde die Gundelrebe früher zum Ausleiten von Schwermetallen wie Quecksilber und Blei eingesetzt.

Ein Kraftpaket an Wirkstoffen:

Die Gundelrebe enthält ätherische Öle, Bitterstoffe, Saponine, Gerbstoffe, Vitamin C, Harze, Wachse, Rosmarinsäure, Mineralstoffe, vor allem viel Kalium. Sie alle machen die Gundelrebe zu einer wertvollen Heilpflanze mit entzündungshemmenden, schleimlösenden, harntreibenden, stoffwechselanregenden und wundheilenden Eigenschaften.

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Mai 2023

Storchschnabel stinkend oder klein, aber groß in der Wirkung. Oft wird die Heilwirkung der Storchschnäbel unterschätzt.

Ich habe dann mal schnell eine Tinktur angesetzt.

Ich nutze Storchschnabel in erster Linie zur Wundheilung und bei Insektenstichen, aber auch als Tee zum entgiften. Doch die Storchschnäbel können noch viel mehr. Schau mal, hier sind die Heilwirkungen aufgeführt:

adstringierend

antiseptisch

antidiabetisch

blutstillend

blutzuckersenkend

entgiftend

harntreibend

krampflösend

stopfend

Steckmücken, Motten und Fliegen abwehrend

Stoffwechsel anregend

tonisch

wundheilend

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Und schon wieder was geerntet 😍Salbei, Thymian, Frauenmantel und Gundelrebe. Es duftet hier ganz wunderbar.😊

Die Gundelrebe fühlt sich wohl. Sie breitet sich überall aus. 😁

Beim Pflücken der Gundelrebe musste ich dieses Mal ein bisschen aufpassen, dass sich da kein Butterblümchen hinein verirrt. Frisch gepflückt und verzehrt ist das Pflänzchen nicht unbedingt genießbar. Es zählt zu den Hahnenfußgewächsen. Getrocknet aber kein Problem.

Auf einem Bild (Foto 2) seht ihr den bereits getrockneten Weißdorn, Gundelrebe und Spitzwegerich.

Und zum gutem Schluss noch einen Ausflug ins Küchenkräuterreich der Hildegard von Bingen am Schloss Eutin.

Vorbei an einerm wunderschönen „Pusteblumen-Teppich“ und fleißigen Bienen.  

Und wer glaubt, ich habe heute nur faul in der Sonne gelegen, um mich feiern zu lassen, der irrt: Zwei Stunden lang habe ich die wertvollen Blüten und Blätter des Weißdorns gezupft. Nun kann er trocknen.  

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Juni 2023

Gerade noch friedlich auf der Wiese, dann gesammelt, fix gewaschen, geschleudert, geschnippelt, im Glas mit Honig gefüllt (geschichtet) und anschließend von der Erde „“verschlungen“ Fermentieren . Ist so ein bisschen ein Ritual – Erdkammersirup.😊 Der kühle Keller kanns natürlich auch. Sptzwegerich kann man auch gut trocknen und als Tee trinken. Oder gegen Insektenstiche eben kurz in den Händen reiben und dann auf die Stelle legen. Ansonsten mit Zucker oder Honig schichten und dann einige Wochen kühl stellen -gegen Husten und / oder Gelenkschmerzem immer ein bis drei Esslöffel pro Tag

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Und weiter geht die Ernte: Brennnesseln, Spitzwegerich und Löwenzahn.

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Wunderblume, Rainkohl und stechender Hohlzahn – gute Gaben aus der Natur „bevölkern“ unseren Garten

Ihr wolltet schon immer selbst Seile oder Öl herstellen und seid auf der Suche nach einem guten Waschmittel? Ich hätte da was…

Doch erst einmal schauen wir in unseren Vorgarten.

Dort breitet sich nämlich, noch unscheinbar, die Wunderblume aus. An der Mauer hat sie sich ihr Plätzchen ausgesucht, und wie man gut erkennen kann, will sie auch bleiben. Ihre tierischen Besucher sind rüsselige Hummeln und Schmetterlinge, in ihrer Heimat wird die Pflanze durch Kolibris bestäubt. Schnecken kommen übrigens nur ungern in ihre Nähe.

Die Wunderblumen sind eigenartige Gewächse und machen ihrem Namen alle Ehre. Neben einfarbigen Blüten in weiß, rosa, gelb und violett gibt es Pflanzen, bei denen jede Blüte anders aussieht. Meist sind zwei Farben vertreten und die Blüten variieren von einfarbig übergestreift und gefleckt, alles an einem einzigen Blütenstand.

Leider stehen sie nicht direkt in unserem Blickfeld.

Besser nur ein Augenschmaus

…, auch wenn die Heilwirkung der Wunderblume wohl auch nicht zu verachten sein soll. Schließlich enthält sie Wirkstoffe wie Arabinose, Betalaine und Rotenoide.

Doch Obacht, sie ist auch bekannt für ihre drastisch abführende Wirkung. Die Erstbeschreibung zur sogenannten Vier-Uhr-Blume stammt von Carl von Linné (1707-1778), einem schwedischen Naturforscher.

Ihre Wurzel geht mit abführender Wirkung einher, die Blüten werden zum Färben eingesetzt. Äußerlich wird die Wunderblume zur Behandlung von Entzündungen und zur Förderung der Wundheilung genutzt.

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Niedergelassen hat sich bei uns auch der Stechende Hohlzahn. Was für ein Name! Die Eigenschaften, welche der Hohlzahn besitzt, sind aber alles andere als „hohl“.

So wurden einst die Fasern des Stechenden Hohlzahns zur Seilherstellung genutzt. Dem nicht genug. Nach dem Abkochen der Pflanze kann man den Sud als Waschmittel nutzen und das Öl der Samen dient als Lederpflegemittel.

Als Tee zubereitet, hilft er gegen Husten und Heiserkeit, ein Umschlag aus frisch zerquetschten Blättern gegen Hautkrankheiten und dass aus den Samen gepresste Öl wirkt stärkend. Wobei ich davon ausgehe, dass man die Samenmengen für das Öl nicht in üppigem Umfang sammeln kann.

Ein paar Blätter dem Salat hinzugefügt, sollen auch gegen Blutarmut helfen.

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Und dann habe ich noch Rainkohl entdeckt. Dazu habe ich gelesen, dass die gelben Blüten des Rainkohls eine schmackhafte Dekoration auf Speisen aller Art sind.

Vollständig getrocknet, lassen sich Blüten und Blätter leicht von den Stängeln streifen und in einem Schraubglas oder einer Teedose aufbewahren. Dann könnt ihr diese als Tee, aber auch zum Würzen von Speisen verwenden.

Schon vor langer, langer Zeit wusste man die entzündungshemmende und wundheilende Wirkung des in Stängeln und Blättern enthaltenen Milchsaftes zu schätzen, auch um kleine Schnittwunden und entzündete Verletzungen der Haut und Schleimhaut zu lindern.

Also: Nichts wie raus auf Feld und Wiese, Pflanzen bestimmen, sammeln und Nützliches herstellen. 27.6.

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Erster Versuch / Probe zu einer Ringelblumensalbe.

Dann schaun mer mal.

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Ich habe den Schreibtisch verlassen und widme mich nun meinen prächtig heranwachsenden Pflanzen im Garten. Die Tomaten sind noch winzig, die Gurke blinzelt mit einer Blüte herüber, der Blutweiderich öffnet seine ersten in einem wunderschönen Lila gesetzten Blüten. Gundelrebe möchte geerntet werden. Fenchel auch. Wunderschön zeigen sich die Blüten der Ringelblume und die selbst gezogene „Echte Kamille“ duftet ganz wunderbar. Hier bleibe ich.

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Juli 2023

Schon wieder was entdeckt!

Ihr sucht noch nach Schnupftabak, um das Niesen während einer Erkältung anzuregen? Oder ihr braucht noch etwas Wirkungsvolles gegen lästige Insekten? Dann schaut mal in eure Gärten, und dort in die Ecken mit den sandigen Böden. Dort wächst bestimmt auch dieses Kanadische Berufkraut. Meins ist noch ganz klein. Später trägt es hübsche 4-zipfelige Röhrenblüten. So ein bisschen erinnern sie an die gelb-weiße Blüte der Gänseblümchen.

Berufkräuter sind auch als Räucherwerk beliebt, um Insekten abzuwehren. Aber auch bei Magen-Darm-Problemen.

Die jungen Blätter sind essbar. Ihr Geschmack ist bitter-würzig und ihr könnt sie roh als Zutat für Kräuterbutter oder für Würz-Salz verwenden.

Oder ihr kocht die noch jungen Blätter. Nach traditioneller nordamerikanischer Kräutermedizin wurde das Kraut gekocht, um Dampf für Schwitzhütten zu erzeugen – Niesen garantiert!

Und das Kraut kann noch mehr: Es enthält kleine Mengen ätherischer Öle, die man aufgrund ihrer besonderer Qualität zur Herstellung für Parfüm verwendet. Man sagt dem

Parfüm ungewöhnliche Nuancen nach.

Nicht zuletzt lieben auch unsere Honig-und Wildbienen die Berufkräuter.

Selbst böse Geister lassen sich mit dem Kräutlein vertreiben.

Der Name hat sowohl mit dem „Beruf“ (also zu einer Tätigkeit berufen zu sein) zu tun, doch lässt er sich auch von „berufen“, einem alten Wort für verzaubern, ableiten.

Wer mit einer schadhaften Intention verzaubert oder verhext wurde, der war berufen oder auch beschrien. Solche Verzauberung galt als Ursprung von Krankheiten und Leiden.

Im Volksgauben soll ein vor die Stirn gebundenes Berufkraut Verrücktheit und Wahnsinn heilen. Vielleicht sollten wir das Kraut einfach mal im Bundestag verteilen.

Wir sind sozusagen berufen eine ganz bestimmte Aufgabe zu erfüllen. 12.6.

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Ein lieber Gruß aus dem Garten.😍

Entdeckt!

Unscheinbar und doch so wertvoll: Nelkenwurz

Weniger unscheinbar, aber auch mächtig in ihren Inhaltsstoffen: Raue Gänsedistel.

Unsere Natur hält immer all das für uns bereit, was unser Körper braucht, wonach er verlangt. Wolf-Dieter Storl hat vor einiger Zeit darauf hingewiesen, das der Nelkenwurz seit einigen Jahrzehnten vermehrt in Städten zu finden ist, weil wir mit so vielen Umweltgiften zu tun haben.

Blätter, Blüten und Knospe, der Nelkenwurz ist ein echter Augen- als auch Gaumenschmaus. Die Blätter könnt ihr fein geschnitten in den Quark oder in Suppen geben. Nicht jeder mag den Geschmack. Doch die Wurzel hat es in sich (Gerbstoffe, Harz, Bitterstoffe, Glykoside, Vitamin C) und eine bemerkenswerte Heilkraft. Am besten erntet ihr sie ab September.

Ja, und dann steht da noch die Gänsedistel, in stattlicher Größe. Ihr Milchsaft wurde schon in der Antike bei Kurzatmigkeit und Hautproblemen angewendet. Perfekt, wenn ihre euren Warzen loswerden wollt. Dazu tragt ihr den weißen Milchsaft der Distel auf.

Also: Augen auf in der Natur. Sie hält so viel Wertvolles für uns bereit.

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August 2023

Gepflückt, gezupft, jede Menge Alkohol vertilgt , Kräuter gebündelt und ausgebuddelt.

Die Hausapotheke hängt, der Sirup wurde aus der Erde geholt und aus den getrockneten Kräutern Tee, Salz und Gewürze hergestellt. Fertig ❣️

Nur der Erdkammer-Sirup tröpfelt noch durch’s Sieb. Wenn ihr euch erinnert, vor genau zwei Monaten habe ich den Honig-Wegerich-Mix dem Erdreich überlassen.

Auf den Bildern: Rainkohl, Gundelrebe, Frauenmantel, Storchenschnabel, Koblauchrauke, Wegerich, Blüten vom Klee, Salbei, Thymian und Löwenzahn. 15.7.

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August 2023

Zurück von einer wunderschönen Kräuterwanderung, hinein ins eigene Kräuterreich. Und wieder jede Menge dazugelernt. Es tut gut zu wissen, dass es

noch Menschen gibt, die ihr geballtes Wissen zu Kräutern weitergeben und geduldig alle Fragen beantworten. Denn auch ich weiß längst nicht alles.

Ein toller Ort und ein schöner Vormittag mit guten Menschen.

Gestern habe ich selbst noch zwei Gläser Ringelblumensalbe hergestellt, die Blüten der Schafgarbe in Alkohol getränkt, nochmal Ringelblume angesetzt, Wegerich- und Storchschnabeltinktur kräftig geschüttelt, und auch die Mariendistel ist nun bereit zum einlegen.

Die Natur bewahrt alles, was wir brauchen.

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Auf meiner Website undinepeter.blog unter „Alles Kräuter oder was, findet ihr demnächst noch mehr Beiträge zu / aus der Welt der Kräuter.  Ich muss nur nach und nach die Beiträge etwas disziplinierter einpflegen.

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Quellen:

http://blog.kraeuterpfarrer.at/?p=20098

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Auszüge aus einem Text der Ernestine Astecker, Apothekerin und Homöopathin

Literatur

• S. Fischer-Rizzi, Medizin der Erde, Heyne TB, 2002

• St. G. Fleisch hauer, J. Gutmann, R. Spiegelberger, Enzyklopädie Essbare Wildpflanzen, AT Verlag, 2013

• H. Hatzfeld, Heilpflanzen als Weg-Begleiter, Vianova Verlag, 2013

• S. Hirsch, F. Grünenberger, Die Kräuter in meinem Garten, freya Verlag, 2013

• A. Lingg, Das Heilpflanzenjahr, Kosmos Verlag, 2010

• M. Madejsky, Lexikon der Frauenkräuter, AT Verlag, 2008

• W.D. Storl, Heilkräuter und Zauber pflanzen zwischen Haustür


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