Das Jahr geht zur Neige und schon bald widmen wir uns wieder der Erntefeste, die wie in alten Zeiten zur Herbst-Tag- und Nachtgleiche beginnen und bis zum darauffolgenden Vollmond dauern. Wir verabschieden uns von den Sommermonaten und bereiten uns auf den Winter vor.

Vom glücklichen Ausfall der Ernte ist bei uns zu Lande die materielle Wohlfahrt der meisten Menschen abhängig. Indes ist schon von Alters her nach Beendigung der Ernte eine Feier üblich gewesen.
Mal schauen, was Google dazu schreibt: Leicht irritiert nehme ich die erste Meldung (siehe Foto im Beitrag) zur Kenntnis. Nun gut. Ich weiß nun wie unsere jüdischen Mitbürger der Ente danken. In der darauffolgenden Meldung wird dann vermittelt, dass es ein christliches Fest sei, welches auf die Vorläufer im Römischen Reich, im antiken Griechenland oder auch in Israel zurückgeht.
Hier darf man richtigstellen, dass es die alten Griechen waren, die zu Ehren der Demeter, der Schutzgöttin des Getreidebaus Erntefeste begangen, und die Römer dieses lediglich abkupferten. Das aufkommende Christentum stand den Mysterien des Demeter-Kults negativ gegenüber und so wurde 396 der Demeter-Tempel von Christen zerstört.
Doch nirgendwo wird das ursprüngliche Brauchtum unserer Vorfahren erwähnt. Oder zumindest nicht auf den ersten Blick, und auch nicht auf den zweiten. Das ist sehr schade.
So pflegten doch die Germanen vor dem ersten Schnitte die Hilfe der Götter anzurufen, um die erste Gabe ihnen zu weihen.
Insbesondere die germanischen Erntedankfeste bieten sich an, um den Prozess des herrschenden christlichen Glaubens und dessen Nachwirkungen heute noch deutlich zu machen. Die Erntefeste gehören mit zu den ältesten der Urvölker.
In der germanischen Mythologie schlossen sich zu diesem Fest die Götter Týr (Sonne) und Thor/Donar (Gewitter) zusammen, um dem Winterriesen Hymir das, für das Wachstum notwendige Wasser zu entlocken, während der Herrschaft von Loki. (der hier die hochsommerliche Hitze bedeutet) Denn erst die mythischen Verbindungen zwischen Göttern und Göttinnen ermöglichen das Wachstum der Pflanzen!
Unser Urglaube: wenn auch im Laufe der Jahrhunderte umgebildet, doch in seinem Kerne nie vernichtet!
Eine Umdeutung des Erntedankfestes (wie wir es von Ostern, Christ-Himmelfahrt oder Pfingsten kennen) durch die Kirche hat es nicht gegeben, auch wenn man es gerne so ausschauen lässt.
Doch setzte die christliche Kirche an die Stelle der altheidnischen Dankopfer ein Erntedankfest, das gottesdienstlich begangen wird. Gegenwärtig ähneln diese Erntedankfeste eher ausschweifenden Festivitäten, geprägt von üppigem Essen und Saufgelagen – kein Empfinden von Dank geht mit einher. Warum auch? Die Supermarktregale sind gut gefüllt und der Mensch hat Zugriff auf Nahrungsmittel aus aller Welt.
Vor allem jedoch, fehlt jeglicher Bezug zu den Ahnen.
Umso mehr beflügelt es, sich auf alte Zeiten zu besinnen und die Nahrungsquellen, die uns Mutter Natur bereit ist zu geben, zu würdigen und zu ehren. So wie es einst unsere Vorfahren taten.
Man sollte sich der Herkunft der Bräuche schon gewiss sein, und auch die Götter ehren, die uns den Winter überstehen lassen.
Ein Teil des deutschen Volkslebens wird aus seinen Mythen, seinen Sagen und Märchen, seinen Sitten und Gebräuchen erkannt, von denen mehrere sich bis in die Zeiten Homer’s zurückverfolgen lassen.
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Gut zu wissen:
Als das Christentum sich in dem Reich der weltbeherrschenden Römer auszubreiten begann und Volksreligion wurde, blieb es weder in Glauben und Kult unbeeinflusst von dem unterliegenden Heidentum. Denn nicht auf einen Schlag wurden die Heiden zu Christen bekehrt und ihre Gebräuche und Sitten aus der Welt geschafft – das geschah erst im Laufe von Jahrhunderten.
Des Christentums Sieg beruht auf einer Reihe von Zugeständnissen und Kompromissen, die es dem Heidentum machen musste. Es konnte sich unmöglich den Einflüssen des Heidentums gänzlich entziehen. Der Heide übertrug seine Vorstellungen auf christliche Glaubenssätze und behielt vielfach die eigenen Kultusformen bei.
Doch in den Ländern germanischer Zunge wurden die Völker in ihrem Glauben gewaltsam gestört. Nach harten Kämpfen vertauschte das Christentum den heimischen Glauben, doch der ernst-sittlich Sinn des germanischen Volkes blieb bestehen.
Wir müssen uns nur immer und immer wieder darauf besinnen!
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Quelle:
Aus den Schriften W. Mannhardt’s: Roggenwolf und Roggenhund, 2. Auflage Danzig 1866:, die Korndämonen, Berlin 1868, der Baumkultus der Germanen und ihrer Nachbarstämme, Berlin 1875, antike Feld- und Weltkulte aus nordeuropäischer Überlieferung erläutert, Berlin 1877

