Ein fast vergessenes Kapitel deutscher Geschichte:

Als die Ostsee zu einem Meer der Hoffnung wurde, sich aber die Hölle auftat…

Nun blicken wir noch einmal zurück, zurück auf diese scheußlichen Tage, die für unsere deutschen Landsleute voller Leid und Schmerz waren, auf Tage, Wochen, Monate und Jahre in denen eine Tragödie in Fortsetzung ging und grausam endete. Die Kriegsverbrechen an den Deutschen sind nie geahndet worden. Die Täter wurden nie belangt. Die meisten Gräueltaten auf Befehl der Alliierten und ihrer Gefolgschaft an der deutschen Bevölkerung werden bis heute verschwiegen. Die Zahl der ungeklärten Verbrechen verläuft sich ins Uferlose.

Sonderbefehle (wie auf dem Beitragsfoto zu sehen, hingen in sämtlichen Regionen Ost-Deutschlands aus). Aus Angst vor Vergewaltigungen, Folter und Erschießungen nahmen die Menschen das Wenige was ihnen blieb und flohen auf die bereitgestellten Schiffe, um vor ihren Mördern zu fliehen.

 „In den letzten 12 Monaten des Zweiten Weltkrieges wurde die Ostsee zu einem „Meer der Hoffnung“ für mehr als zwei Millionen Menschen aus Ost- und Westpreußen, Danzig und Pommern. Frauen, Kinder und alte Menschen verließen aus Angst vor der anrückenden Roten Armee ihre Heimat. Sie flohen über Land, Eis und Meer. Am 25. Januar 1945 gab es als letzten Fluchtweg nur noch den Weg über die Ostsee. In den Ostseehäfen von Memel bis Kolberg suchten die Menschen nach rettenden Schiffen. Mehr als eintausend Handels- und Kriegsschiffe, vom Fischkutter bis zum Passagierschiff, vom Vorpostenboot bis zum Schweren Kreuzer wurden zur der Flüchtlingsrettung und zum Abtransport von schwer verwundeten Soldaten eingesetzt.

Deutschen Seeleuten gelang es unter Einsatz des eigenen Lebens bis Kriegsende in einem einmaligen Unternehmen mehr als zweieinhalb Millionen Menschen über die Ostsee zu retten.

Während, wenn auch wenige, amerikanische Historiker diese „Unternehmen Rettung“ nach Kriegsende als „größte Rettungsaktion der Seegeschichte“ bezeichnen, wurde im Nachkriegsdeutschland über diese humanitäre Leistung deutscher Seeleute der Mantel des Schweigens ausgebreitet. Bis heute!

Ein weiteres Foto zeigt eine Zeichnung wie verzweifelte Passagiere später in den Rettungsbooten ein Torpedoboot ansteuern.

Dazu kommentiert auf meinen ersten Beitrag zu „Als die Ostsee zu einem Meer der Hoffnung wurde – und sich die Hölle auftat“ ein Leser auf meiner Website:

Vergessen wir bitte nicht, dass die heutigen „Freunde“ auf hilflos im Wasser treibende Überlebende Zielschiessen betrieben. Ähnlich den Alliierten Tieffliegern mit ihren Bordkanonen im Raum Frankfurt am Main.“

Nein! Wir vergessen nicht. Dieses Unrecht, dass mit einer solchen Hartnäckigkeit und Vehemenz verschwiegen wird, das kann und darf man nicht vergessen.

(Zu den Tragödien der deutschen Regionen Schlesien und Sudetenland habe ich bereits einige Beiträge veröffentlicht).

Noch einmal zur Erinnerung: 40 000 Menschen starben 1944/45 auf der Ostsee. Über 1000 Rettungsschiffe wurden eingesetzt – 250 gingen verloren – wurden von sowjetischen U-Booten versenkt, liefen auf Minen, von sowjetischen, britischen und amerikanischen Flugzeigen bombardiert und Jagdflugzeugen beschossen, getreu dem Befehl: „Versenkt die Deutschen“.

Auch Lazarettschiffe waren Angriffsziele.

Bekannt wurden in Deutschland nur die großen Schiffstragödien mit mehreren tausend Todesopfern: „Wilhelm Gustloff“, „Steuben“ „Goya“ und „Cap Arcona“.

Erlebnisbericht – aus den Dokumentationen des Heinz Schön:

„Die Hölle von Hela“. Ich zitiere:

„Vom 10. bis 14. April 1943 erlebte ich an Bord des Dampfers „General San Martin, der auf Hela-Reede ankerte, um Flüchtlinge aufzunehmen und sie nach Kopenhagen zu bringen, „die Hölle von Hela“. Immer wieder wurden wir von sowjetischen Flugzeugen angegriffen. Doch wir hatten Glück.  Bombenvolltreffer erhielten die in Sichtweite von und liegenden zwei Schiffe, das kleine Lazarettschiff „Posen“ und der Dampfer „Moltkefels“. Beide Schiffe brannten sofort lichterloh, Frauen und Kinder liefen als brennende Fackeln über Deck, kamen in den Flammen um, erstickten im Rauch, ertranken in der Ostsee und sanken mit dem Schiff auf den Grund der Ostsee.

Das Schicksal von Menschen auf untergehenden Schiffen auf der Ostsee stehen im Mittelpunkt meines Buches: „Wer weiß schon Genaueres über das Ende des Frachters „Consul Cords“, des Dampfers „Göttingen“, des Frachters „Androß“, des Dampfers „Moltkefels“, des Dampfers „Orion/Hektor“, des Dampfers „Karlsruhe“, um nur einige zu nennen, nicht zuletzt auch der großen Passagierschiffe „Steuben“, „Goya“ und „Cap Arcona“? „

—–Zitat /Ausführung /Niederschrift des Heinz Schön – Ende.—–

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Und als ich das lesen musste, schnürte sich mir die Kehle zu:

In Bezug auf eine der größten Schiffskatastrophen, in denen unschuldige Menschen nachweislich gezielt durch Alliierte Kräfte getötet worden sind, erklären doch diese Schreiberlinge des NDR (Artikel aus 2022‘): Mehr als 7.000 Menschen kommen am 3. Mai 1945 ums Leben. Sie sind Opfer eines folgenschweren Irrtums.

Ein Irrtum?

Erst wird jahrelang überhaupt nicht berichtet, und dann stellen sie fest: Es war ein „folgenschwerer Irrtum“? Eine solche Unverfrorenheit schnürt mir die Kehle zu.

So führen diese Schreiberlinge weiter aus: „Die vor der Küste liegenden Schiffe waren eher zufällig ins Fadenkreuz gelangt. Auch den Befehl der Alliierten: „Versenkt die Deutschen“ wissen diese Schreiberlinge zu deuten: „Die Deutschen hätte den Alliierten eine hinterhältige Falle gestellt“ Somit läge allem Anschein nach die Hauptverantwortlichkeit für eine der schwersten Schiffskatastrophen der Geschichte auf deutscher Seite.“

Diese unfassbaren Aussagen beruhen auf den Vorgaben eines Wilhelm Lange (Stadtarchivar aus Neustadt), der seit 1984 für die Stadt Neustadt in Holstein in den Bereichen Erwachsenenbildung, Museum Cap Arcona und Archivangelegenheiten tätig ist.  Also eine Person, die überhaupt nicht das Vermögen besitzt, diese damalige Situation objektiv zu beurteilen. Im Gegensatz zu Heinz Schön, der es erlebt hat.

Ich bin diese Lügen furchtbar leid. Dieses Verdrehen von Tatsachen, dieses Verharmlosen von Verbrechen.

Zu dieser Art von Journalismus äußerte sich einst schon John Swinton (1829-1901). (Beitrag findet ihr auf meiner Website.)

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Quelle: Nach dem Buch des Jaueraners Heinz Schön: “Die Tragödie der Flüchtlingsschiffe“

Heinz Schön gilt als einer der besten Kenner der Vorgänge im Ostseeraum 1944/45. Er war Zeitzeuge dieses Ereignisses und Archivar über die südliche Ostsee. Im Jahr 1986 verlieh ihm Bundespräsident Richard von Weizsäcker das Bundesverdienstkreuz. Hein Schön selbst überlebte den Untergang der Wilhelm Gustloff 1945.  

Heinz Schön veröffentlichte mehrere Dokumentationen, u. a.

  • „Ostsee 45“ – Menschen, Schiffe, Schicksale“
  • Die Gustloff Katastrophe – Bericht eines Überlebenden“
  • „SOS Wilhelm Gustloff – die größte Schiffskatastrophe der Geschichte“
  • „Rettung über die Ostsee – die Flucht aus den Ostseehäfen 1944/45“

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