Blick in die Kaiserzeit (1884-1914) –  Nur wer die Vorgeschichte Deutschlands kennt, kann über die Jahre von 1933 – 1945 mitreden.”

Wenn ich den Memoiren meiner Mutter blättre, gelange ich zwangsläufig zu den Vorgängen aus einer Zeit, als Deutschland seinen Platz an der Sonne einnahm.

Selbstverständlich lässt sich die Kolonialgeschichte nicht in ein oder zwei Kapiteln „abfrühstücken“. Das ist auch nicht meine Intention.

Doch kann man ohne Übertreibung behaupten, dass es in unserem Land nur wenige Leute gibt, die wissen, welche unersetzlichen Verluste wir durch die Wegnahme unserer Schutzgebiete und Überseemärkte erlitten haben.

„Welch grauenvolle Jahre an Elend, Jammer, Not und Verzweiflung in breiten Massen unseres deutschen Vaterlandes herrschten, ist noch nie richtig von der Kulturwelt erfaßt worden. Die das Elend getragen, trugen es stumm. Es saß an stillen, leeren Tischen stiller, ausgehungerter Familien, die ihre Not nicht auf der Straße zeigten. Ein Volk kann jahrelang solches Elend erdulden, ohne völlig niederzubrechen. Es ist ein Ausnahmezustand wie der einer Krankheit am Einzelorganismus, den eine gesunde Natur überwindet.“

In den Beitragsfotos findet ihr Abzüge zu den betreffenden Artikeln des „Vertrages“ von Versailles, wodurch uns unsere Schutzgebiete genommen wurden.

Und so gehört die Kolonialfrage zu den brennenden Fragen der Gegenwart, von deren Lösung Deutschlands Gedeihen und Verderben abhängen und die deshalb, solange sie noch nicht gelöst sind, alle Volksschichten unseres Vaterlandes in ihren Grundfesten aufwühlen – oder besser: aufwühlen sollten.

Betrachten wir also die Vorgänge der Kolonialzeit etwas näher.

Folgt man hier der ökonomischen, oftmals marxistischen Interpretation des Kolonialismus, ist die Kolonialgeschichte als eines der schwärzesten Kapitel der gesamten Menschheitsgeschichte zu bewerten.

Antiweiße Ansichten von Historikern aus der DDR konnten sich auch in Westdeutschland etablieren und werden bis heute als gängige Auffassung zur Beurteilung der Kolonialepoche herangezogen.

Demgegenüber bescheinigte der liberale südafrikanische Historiker A.P.J. VAN RENSBURG im Vergleich zu den anderen europäischen Mächten der kurzen Periode der deutschen Kolonialverwaltung, zweckmäßig (doeltreffendheid) gewesen zu sein.“

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„Nur wer die Vorgeschichte Deutschlands kennt, kann über die Jahre von 1933 – 1945 mitreden.”

Meine Mutter schreibt dazu Folgendes:

Im Versailler Vertrag wurde die Auslieferung von 895 deutschen Militärs und Politikern verlangt, darunter Paul v. Hindenburg und Erich Ludendorff. 1920 wurde die Erfüllung der Auflage gefordert, die Reichsregierung lehnte jedoch jegliche Auslieferung ab.

Sämtliche deutsche Kolonien in Afrika und in der Südsee mußten an Frankeich Großbritannien, Südafrika, Australien, Neuseeland u. Japan abgetreten werden.

Beschreibung des Raubes der Kolonien:

1899 kaufte das Deutsche Reich für 20 Millionen die in der Südsee gelegenen Karolineninseln von Spanien.

Deutsch – Ostafrika: 1888 pachtete die Deutsch-Ostafrikanische Gesellschaft das 1862 gegründete Daressalam samt Umland. 1890 wurde der Gouverneurssitz für das von Carl Peters gegründete und 1891 unter Reichsverwaltung gestellte Deutsch Ostafrika in die Stadt verlegt. Bereits am 8. August 1914 begann die Beschießung  Daressalams durch Briten. Belgien und England teilten sich nach Kriegsschluß 1918 das Gebiet.

In Togo im westlichen Afrika kam Überfall und Einnahme des Landes von Briten am 27. August 1914. kann in Geschichtsbüchern nachgelesen werden dann erfährt man auch das der Stamm der Hereros im Januar 1905 – von britischen Agenten angestachelt -deutsche Farmer ermordet und einen Aufstand ausgerufen hatten.

Das Versailler Diktat ist ein Dokument des Hasses und Neides. Unterschrieben von den Deutschen, unter der Drohung der Sieger die Kriegshandlungen wiederaufzunehmen.

In England auch in Amerika und anderen Ländern gab es Stimmen, die den Vertrag nicht für richtig hielten. Auch viele ausländische Stimmen nahmen Stellung gegen den Vertrag einige Politiker sagten das ganz deutlich: “…ein der fortgeschrittensten, gebildeten, kultiviertesten Völker in koloniale Abhängigkeit, Elend, Hunger, Ruin und Rechtlosigkeit gebracht, also in Verhältnisse versetzt unter denen noch kein zivilisiertes Volk gelebt hat.” soweit die Aussage.

Deutschland hatte erst sehr spät Kolonien gegründet, Franzosen und Engländer viel früher. Zwischen Frankreich und England kam es laufend zu Auseinandersetzungen und Konflikten im Bezug auf den Besitz der Kolonien. Aber als Deutschland in kürzester Zeit ausgezeichnete Leistungen in seinen Kolonien brachte, wurde Neid und Mißgunst von beiden Ländern nur noch auf Deutschland gerichtet.

(Wie im Kleinen heute: Wenn Herr Müller sich ein neues Auto kauft und der Herr Meier sich das nicht leisten kann und vor Neid und Hass einen Wutanfall bekommt. So war und ist das auch im Großen.)

Wie nachzulesen und oben beschrieben, hatten schon im August 1914 – also vor Ausbruch des Ersten Weltkrieges –   Franzosen und Engländer die Deutschen in ihren afrikanischen Kolonien überfallen.

Die kleinen deutschen Schutztruppen konnten den englischen und französischen Armeen keinen Widertand leisten. Die Deutschen wurden enteignet, interniert und außer Lande gebracht. Die von den Deutschen gegründeten Städte, Plantagen, Krankenstationen, Lepraheime, Bahnanlagen fielen in die Hände der Franzosen, Briten und Belgier. Wo Deutsche Städte und Dörfer entstanden, waren die Feinde schon da, um sich dort niederzulassen. Da fand sich schnell ein Weg, einen Krieg gegen Deutschland zu führen.  

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Wie also sah die Wahrheit in den deutschen Schutzgebieten aus? Kurz zusammengefasst.

  • 1880er Jahren erwarb das Deutsche Reich im Gegensatz zu anderen Kolonialmächten ohne Anwendung militärischer Gewalt, sondern ausschließlich nach Verhandlungen mit den betreffenden Eingeborenen, durch Abschluss von Verträgen oder durch Kauf, Überseegebiete in Asien und Afrika.
  • Alle unter den Schutz des Deutschen Reiches gestellten Gebiete hatten insgesamt rund 3 Millionen qkm Fläche mit etwa 12,5 Millionen Einwohnern, wovon 28 000 Weiße waren.
  • In Afrika bestand das deutsche Schutzgebiet aus Südwestafrika, Ostafrika, Kamerun und Togo im Jahre 1913 für die einmalige Leistung, die die Deutschen in ihren Schutzgebieten in nur 30 Jahren erreicht haben.
  • Der Gesamthandel in den deutschen Schutzgebieten stieg von knapp 47 Millionen Reichsmark im Jahre 1898 auf knapp 320 Millionen Mark im Jahre 1913, also fast um das Siebenfache.
  • Das Reich selbst war an diesem Gesamthandel seiner Schutzgebiete rein wertmäßig mit 52,9 Millionen seiner Ausfuhr und 54,5 Millionen seiner kolonialen Einfuhr beteiligt.
  • Das in den deutschen Schutzgebieten investierte Gesamtkapital stieg von 62 Millionen Mark im Jahre 1896 auf 505 Millionen Mark im Jahre 1912.
  • An Plantagenland befanden sich 1896 unter Kultur 11000 Hektar; im Jahre 1913 waren bereits 79000 Hektar, also fast das Siebenfache, an kultiviertem Plantagenland geschaffen worden.
  • Das harmonische Verhältnis zwischen Deutschen und Eingeborenen als geschichtliche Tatsache ist kaum eindrucksvoller als gerade an den Askari in Deutsch-Ostafrika zu belegen. Der Ausdruck >Askari< ist arabisch-türkischer Herkunft und bedeutet schlicht >Soldaten. Sie hielten den Deutschen bis zum bitteren Ende auf freiwilliger Basis bedingungslos die Treue. >

Nach erfolgter wissenschaftlicher Betrachtung sind die kolonialen Leistungen, die von den Deutschen in dem knappen Zeitraum von 1884 bis 1914 erbracht worden sind, als solche anzuerkennen. Vielfach sind sie auf ihrem Gebiet federführend und stellen die Leistungen anderer, wesentlich erfahrener Kolonialmächte in den Schatten.“ (Claus Nordbruch)

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Bis zu dem Tag, als dem deutschen Volk durch das Versailler Diktat sämtliche Schutzgebiete genommen wurden.

Fast gar nicht bekannt dagegen ist, daß wir im Vertrag von Versailles auch von allen Handelsrechten in Afrika und Asien ausgeschlossen wurden, die wir uns wie die anderen Staaten durch Staatsverträge erworben hatten. „Deutschlands Platz an der Sonne“ wurde uns gründlich verrammelt.

 Mit unseren Kolonien wurden uns nicht nur die billigen Rohstoffe genommen. Tausend Möglichkeiten für den einzelnen wurden uns entzogen. Ein ganz gewaltiges Betätigungsfeld für eine Unmenge von Arbeit und Verdienstmöglichkeiten wurde mit der Wegnahme der Kolonien stillgelegt.

Nehmen wir unsere großen Handelsverbindungen in Asien und Afrika, hinter denen sich kaum zu schätzende Verdienstmöglichkeiten für alle Klassen und Stände boten. Das sind Ausfälle, die notwendig unseren Arbeitsmarkt in der Heimat in ungünstigster Weise beeinflussen müssen.

Aus dem Verlust unserer Überseebesitzungen und Überseeverbindungen ergeben sich eine ganze Menge von Passiv-Posten, die das traurige Bild unserer wirtschaftlich-sozialen Nöte schaffen halfen, deren lähmende Wirkung auf unsere gesamte Lebenslage viel zu wenig gewürdigt wurde, die in trockenen Zahlen kaum zu errechnen sind.

Zurück zum Versailler „Vertrag“ – wenn man diesen denn so nennen mag.

Nie war ein Vertrag in allen Teilen und Einzelheiten so besprochen und diskutiert worden. Bei jedem Buchhändler konnte man damals ein offizielles Exemplar für zwei Schilling sechzig kaufen.

Trotzdem stimmen auch nicht zwei Leute, die verschiedene Ansichten über seine Gerechtigkeit oder seine Ungerechtigkeit äußern. In Bezug auf seinen Inhalt überein.

So ist es gekommen, dass der wahre Vertrag von Versailles fast verschwunden ist, dass an seiner Stelle Phantasiegebilde aufgetaucht sind, um die der Streit rast.

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Quelle (Bild und Text)

  • Entwicklungspolitik, Nr. 7/2004, zitiert in: http:// http://www.entwicklungs politik.org
  • Elmar Vinibert VON RUDOLF, Unsere Kolonien, Leipzig 1938, S. 179.
  • Michael N. WEISKOPF, »Überlegungen zum geschichtlichen Hintergrund der Here-ro-Klage vom September 2001«, in: Befunde und Berichte Zur Deutschen Kolonialgeschichte, Heft 4/2002, S. 87
  • Zitiert nach Heinrich SCHNEE, Die koloniale Schuldlüge, München 21927, S. 24
  • Der Kampf um unsere Schutzgebiete, P. Jos.M.Abs. 1928 Friedrich Floeder Verlag Düsseldorf

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