Parallel zu den Videoaufnahmen (ich lese dort aus den Tagebüchern meiner Mutter https://www.youtube.com/watch?v=UsNQRSTyAfs&t=180s) verknüpfe ich Beiträge aus den Niederschriften zu ihrem Leben mit den wichtigsten politischen und geschichtlichen Ereignissen dieser Zeit im Text.

Ich zitiere:
„Für mich war das Jahr 1934 ein erfolgreiches Jahr. In der Schule bekam ich eine Auszeichnung und durfte als einzige Schülerin der Melanchthonschule mit den Schülerinnen aus den anderen Görlitzer Schulen während der Sommerferien 14 Tage in eine Jugendherberge in Bad Schwarzbach/Isergebirge fahren . Es war eine schöne auch lehrreiche Zeit.
1935 zogen wir wieder um. Die vom Beamten-Wohnungsverein erbauten Häuser waren fertig gestellt, meine Eltern hatten einen Teil des nötigen Geldes (Für jede Wohnung mußte vor dem Einzug eine bestimmte Summe eingezahlt werden, Bei Auszug wurde diese zurückerstattet) aufbringen können, der Rest wurde abgezahlt und damit waren die Wohnungen vom Vermieter unkündbar.
Im Sommer 1935 konnte ich für 6 Wochen nach Kamin in Pommern in ein Kindererholungsheim der Reichsbahn fahren. Wir waren 12 Mädchen im Alter von 10 – 14 Jahre aus verschiedenen Städten. Es war für mich die erste große Reise, sie führte über Stettin nach Kamin (Orte, die sich Polen 1945 angeeignet hat).
Aber 1936 geschah auch etwas Eigenartiges. Meine Mutter hatte mich zum Einkaufen geschickt. Die Geschäftsinhaberin sagte zu mir: “Butter kann ich heute nicht mitgeben, ich habe keine geliefert bekommen, wahrscheinlich ist eine Maschine defekt. Meine Mutter sah das anders, sie erzählte es der Nachbarin, die daraufhin auch einkaufen ging und mit derselben Nachricht zurückkehrte. “Das bedeutet Krieg”, sagte meine Mutter, aber die Nachbarin beschwichtigte und ein paar Tage später war auch wieder genügend Butter da.
1936 Olympiade in Deutschland
Winterspiele: 6.-16. Februar Garmisch -Partenkirchen Sommerspiele:1. August bis 16. August 1936 in Berlin.
Es war schon eine enorme Leistung nach nur 3 1/2-jähriger Regierungszeit und der Herausführung der Menschen aus der Not ein so großes Bauprogramm fertig zu stellen, was im In- wie im Ausland große Anerkennung fand. So entstanden das Reichssportfeld (kostete allein 77 Mill. Mark), das Olympiastadion (bot 100 000 Menschen Platz), das Olympische Dorf (zur Unterbringung der Sportler) in Berlin.
(Die Bauten sind heute noch Zeugen des großen Erfolges)
“Die Stärke einer Nation liegt in der Arbeit und Disziplin des Volkes”. “Ohne Ordnung ist das Viele wenig, mit Ordnung wird aus wenig viel.” (Keine Worte Hitlers, sondern eines unbekannten Verseschreibers !!)
In beispielloser Gründlichkeit wurden die Vorbereitungen getroffen Deutschland präsentierte der Welt ein Volk, dass hinter der Regierung stand, deren gemeinsame Leistungen überall zu sehen waren, dazu eine Atmosphäre der Disziplin, Ordnung, Sauberkeit ohne jede Hektik; denn jeder erfüllte seine Aufgaben gewissenhaft.
Das Leben allgemein hatte sich vollkommen verändert. Es war nicht nur Ruhe und Ordnung, sondern auch ein gewisser Wohlstand eingekehrt. In den Schaufenstern der Geschäftshäuser “Straßburg” und “Theodor Otto” lagen elegante Kleidung, wertvolle Lederwaren (Saffianleder) und wenn die großen Feste ja Bälle in der Stadthalle bevorstanden waren die Auslagen besonders festlich gestaltet.
1938: England, Frankreich und USA fingen an ihre Entscheidungen im Versailler Vertrag zu überdenken. Es wurden Stimmen laut, die die Wiedereingliederung, der nur von Deutschen bewohnten Gebiete des Sudetenlandes, ins und den Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich als gerechte Maßnahme ansahen.
In Deutschland hatte bereits am 6.2.1919 der Reichspräsident Ebert auf der Nationalversammlung gesagt “ Deutschösterreich muß mit dem Mutterland für alle Zeiten vereinigt werden” und 1931 erklärte der österreichische Nationalpräsident Karl Renner; “ Wir haben den ersten Schritt getan um uns wirtschaftlich mit unserem Mutterland zu vereinigen” (Das waren keine Einzelstimmen!)
Der Anschluß Österreichs wird heute als Aggressionshandlung Hitlers gegen einen anderen Staat angesehen.
Der Anschluß wurde am 12.3.1938 vollzogen und von der österreichischen Bevölkerung mit über 90 %-ger Wahlteilnahme und einem Wahlergebnis von 99,3% als rechtmäßig bestätigt.. Der begeisternde Empfang Hitlers und der deutschen Soldaten war überwältigend, Menschenmassen säumten die Straßen. ( Sie waren ohne Anordnung aus freien Willen und innerer Begeisterung gekommen)
Am 15.9. besuchte Chamberlain Hitler in Berchtesgaden und gab ihm die Zu- Stimmung für die Eingliederung des Sudetenlandes ins Deutsche Reich. Beschlossen und unterzeichnet wurde das im “Münchener Abkommen” am 29.9.1938 von Hitler, Mussolini, Chamberlain und Daladier.
Das Sudeten Gebiet mußte zwischen dem 1.-10.Okt.38 von den tschechischen Besatzern geräumt und von den Deutschen übernommen werden.
Am 1.Okt. 38 besuchte Hitler das Sudetenland und wurde mit großem Jubel empfangen, und auf den überfüllten Straßen begrüßten viele Tausende Sudetendeutsche die deutschen Soldaten mit Blumen und großer Begeisterung. (sie brauchten dafür keine Aufforderung!)
Während in der damaligen Zeit auch die Sieger von 1919 den Anschluss Ö. und die Eingliederung des Sudetenlandes ins Deutsche Reich als selbstverständlich und rechtmäßig und als glückliche Lösung eines unerträglichen Problems sahen, wird dies heute als kriegerischer Akt Hitlers dargestellt und die Repressionen der Tschechen von 1919 – 1939 gegenüber den Deutschen mit keinem Wort mehr erwähnt.
Der britische Botschafter in Berlin Nevelle Hendersen schrieb 1938: “…so war die Eingliederung Österreichs und des Sudetenlandes in das Reich keine unnatürliche Entwicklung, kein unedles Streben der Deutschen. Beide, die Ostmark und das Sudetenland sind von einer völlig deutschen Bevölkerung bewohnt.”
Am 24.10.1938 stand in der Züricher Zeitung die Aussage von Churchill zu der Gebietsübergabe:” Den Sudetendeutschen ist durch das “Münchener Abkommen” Recht widerfahren.“ (Wiedergegeben nach Seite 61: “Das Ende einer Fehlkonstruktion”; “Die Revision eines Unrechts”)
Es gibt dazu viel mehr solche Aussagen, die in den alten Zeitungen zu finden sind und einige davon heute als Geheimakten in den Archiven ruhen. Die Menschen könnten ja die Wahrheit der Geschichte erfahren und das wäre den Siegern von 1945 gar nicht recht. Sie haben ja auch keinen Friedensvertrag mit Deutschland abgeschlossen und somit die Befehlsgewalt über Deutschland behalten. Sie lenken unsere Wirtschaft, holen unsere Soldaten in ihre Kriegsgebiete, verlangen Geld zur Unterstützung ihrer Kriege und der 1919 neu geschaffenen Staaten Polen und Tschechei.
14.3.39 Slowakei wird unabhängig
15.3.39 Deutschland besetzt das 1919 gegründete Tschechien
16.3.39 Gründung des Reichsprotektoriats Böhmen – Mähren
23.3.39 Das Memelgebiet bekommt Deutschland zurück
15.10.38 wird der Personalausweis KENNKARTE mit Fingerabdruck ausgestellt.
Am 7.11.38 erschoss der Jude Herschel Grünspan (Herschel Grynszpan) in Paris in der deutschen Botschaft Legitationrat Ernst von Rath, das war der Auslöser für die Reichskristallnacht am 9.11.38. Bei dieser Aktion wurden hauptsächlich Schaufensterscheiben von jüdischen Geschäftsinhabern eingeschlagen. In Görlitz war es ein Geschäft in der Hospitalstr., das ich nach der Tat selbst gesehen habe. Splitter eingeschlagener Glasscheiben lagen auf den Auslagen, aber es hat keiner geplündert und es hat auch fast keiner gewußt, dass das ein jüdisches Geschäft war. Vermutet wurde von allen versuchter Einbuch. Nach diesen Vorfällen verließen einige tausend Juden Deutschland. Schon im Jahr 1933 waren von den 600 000 in Deutschland lebenden Juden ca 170 000 ins Ausland gegangen.
Bekanntgabe v. 16.11.38: “ Unter den Berliner Juden besitzen 894 ein Vermögen über 300 000 RM, 125: l Mill. RM, der reichste Jude hat 12 Mill. angemeldet. Obwohl die Juden nur 3,8 % der Berliner Bevölkerung stellten, befindet sich 60 % des Berliner Grundbesitzes in ihren Händen“”
Auch das möchte ich erwähnen:
1936 war in Spanien der Bürgerkrieg ausgebrochen. Viele Soldaten Europas kämpften auf beiden Seiten der Spanier, Italien schickte einen 80ooo Mann starken Truppenverband, aus Deutschland kamen Ausbilder für Offiziersschulen und die Luftwaffeneinheit “Legion Condor”, aus Portugal, USA und Irland fanden sich tausende Freiwillige ein, alle zur Unterstützung der Truppen von General Franco.
Helmut, der Sohn von Margarete Klenke, meiner Patentante, gehörte zu “Legion Condor” Er war Pilot und kam im Sommer1939, nach 3-jährigem Einsatz, gesund wieder zurück.
Meine Tante war zum Empfang der Einheit nach Hamburg gefahren und ein Journalist hatte sie beide für die Zeitung fotografiert und ihnen später ein Bild zugeschickt. Er (11 Jahre älter als ich) hat mich 2 Tage ausgeführt, meine Chefin hatte mir Urlaub gegeben. Wir waren von früh bis abends zusammen, in der Gaststätte im Jägerwäldchen auf der Landeskrone, im Weinberghaus und abends in “Stadt Dresden”. Er hat viel von Spanien erzählt und sich sehr gefreut mit mir die Sehenswürdigkeiten seiner Heimatstadt zu besuchen. H. hatte sich noch vor seinem Abflug 1936 verlobt und fuhr dann zu seiner Braut und späteren Frau nach Schwanebeck Krs. Oschersleben/Harz Wir haben dann immer brieflich in Verbindung gestanden, sie hatten einen kleinen Sohn. 1943 kehrte er von einem Feindflug nicht mehr zurück.“
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Auf dem Beitragsfoto seht ihr meine Mutter mit 62 Jahren als sie nach ihrer Ausreise in die BRD ihre langjährige Freundin Christa (noch aus der Zeit als Nachrichtenhelferin) 1986 am Gardasee besuchte. Auf dem schwarz-weiß Foto seht ihr sie in der Mitte ihrer Eltern /meiner Großeltern als junges Mädchen (1934).