Gedanken zum Fortbestehen jahrhundertealter Bräuche unserer Urvölker: Unternehmen wir doch einen Ausflug in die Kultur der Kalash, und dort zum geheimnisvollen Volk der Hunza, das nahezu abgeschnitten vom Rest der Welt lebt,

…und dort ein Geheimnis bewahrt: Die Menschen werden im Schnitt 100 Jahre alt, sie kennen keinen Krebs, kein Nervenleiden, sie sind gesund und bis in das hohe Alter körperlich fit und arbeitsfähig. Sie haben ein natürliches Abwehrsystem gegen Herzkrankheiten, Diabetes, Bluthochdruck und Allergien.

Auffällig sind die blauen Augen und die helle Haut, weshalb Anthropologen und andere Forscher rätseln, woher sie stammen.

Alles nur vom Hörensagen?

Mitnichten.  

Bei einzelnen Geschichten mögen sich zunächst Zweifel auftun. Doch sind es gleich mehrere Wissenschaftler, die übereinstimmend in unterschiedlichen Zeiten berichteten. Ebenso geben Aufzeichnungen, Dokumente und Urkunden (meist kirchliche Stammbücher) Aufschluss über Herkunft und Leben des Volkes  

Die gängigste Vermutung ist, dass dieses einzigartige Volk griechische Wurzeln hat – Alexander der Große hatte diesen Landstrich vor gut 2.000 Jahren erobert. Es ist also durchaus möglich, dass die Nachfahren seiner griechischen Truppen sind. Tatsächlich haben sie Symbole, Riten, eine Geschichte und möglicherweise eine DNA, die auf die alten Griechen zurückgehen. Eine andere Hypothese lautet, dass die Kalash ein indo-arischer Stamm sind, und schon sehr viel länger dort leben.

Mitten im Hochgebirge Pakistans offeriert sich ein wunderschönes, weitläufiges und fruchtbares Tal – das Hunza-Tal, die Landschaft ist atemberaubend schön.

Dünne Höhenluft, Tausende Meter über dem Meer, Berge so hoch und gewaltig, dass ihre riesigen Schatten schon am Nachmittag die Erde verschlucken. Überall finden sich große Körbe, bis zum Rand mit getrockneten Aprikosen, Walnüssen und Mandeln gefüllt. „Greifen sie zu, greifen sie zu. Das ist gut für die Gesundheit, das hält jung!“

Hoch im Norden Pakistans, wo das unendlich Blau des Himmels auf die leuchtend grünen Felder mit Obstbäumen trifft, werden die Menschen aber nicht nur steinalt – sie blicken auch auf eine interessante Vergangenheit zurück.

Nicht immer ging es in diesem Tal so friedlich zu. In früheren Zeiten waren die Hunzukutz mutige Krieger. Der Wohlstand rührt vor allem aus deren Lage an den Hochgebirgswegen. Vorbeiziehende Karawanen zahlten den Hunzukuts Angaben für die Möglichkeit der Überquerung der schmalen Gebirgspfade. So erlangte das kleine Volk einen gewissen Wohlstand und kam zu Waren aus aller Welt.

Niemals wurden sie von Siegern unterjocht. Sogar die Briten, die (nicht nur) ganz Indien unterwarfen und kolonialisierten, konnten 1889 Hunza nicht wirklich erobern.

1892 gelang das mit großer Anstrengung, doch zogen die Briten bald wieder ab, es hatte keinen Sinn. Die Hunzukuts waren sich selbst überlassen und lebten seitdem in Selbstverwaltung – wenngleich das Tal heute zu Pakistan gehört. Der Fürst, der „Mir“ war nach China geflüchtet.

Mit dem Bau des Karakorum Highway 1978 kamen plötzlich auch Reisende und sogar Touristen in das Tal. So besuchten auch Ärzte und Wissenschaftler die Hunzukutz, um herauszufinden, was dran ist, an den Berichten von einem Volk der supergesunden Methusalems.

Interessantes auf einen Blick

  • Das Volk der Hunza lebt jenseits islamischer Glaubensprinzipien
  • Kultur und Lebensart unterscheiden sich deutlich von den benachbarten muslimischen Gemeinschaften. Sie feiern drei große Feste im Jahr. Dann tanzen sie zu Trommelklängen und trinken selbstgemachten Wein. Sie verehren diverse Götter und Geister und bringen ihnen zu den Festen Opfer und Gaben dar. Zu diesen Anlässen wählen die jungen Frauen und Männer zudem ihre Ehepartner aus.
  • Frauen dürfen nicht nur ihren Mann selbst wählen, sondern sich auch scheiden lassen oder weglaufen
  • Sie pflegen besondere Bestattungszeremonien. Der Tod wird meist als freudiges Ereignis gefeiert, weil er als Vereinigung der Seele mit ihrem Schöpfer gesehen wird. Statt die Toten zu betrauern, werden sie mit Gesang und Trommeln verabschiedet und für ihre letzte Reise mit Nahrung versorgt. Ihr Besitz liegt während der Zeremonie neben ihnen. Nach tagelangen Ehrungen wird der Tote zu seiner letzten Ruhestätte überführt. 
  • Die geographische Lage und die Art des Geländes im Hunzatal macht Weidewirtschaft mit Rindern weitgehend unmöglich, weshalb sich die Hunzukuc auf Geflügel und Ziegen beschränken. Fleisch, aber vor allem Milch und Milchprodukte gehören zur traditionellen Ernährung.
  • Sie werden bis zu 120 Jahre alt, und es ist keine Seltenheit, dass ihre Frauen noch im Alter von 70 oder 80 Jahren gebären. In jedem Lebensalter halten sei ihre Vitalität, Gesundheit und Kraft aufrecht. Das hört sich fast schon märchenhaft an – entspricht aber der Realität.
  • Das indigene Volk der Tsimane gilt bisher neben dem Hunza-Volk als die gesündeste Menschenpopulation. Die Bolivianer lebten jahrelang abgeschottet und haben sich nur von dem ernährt, was selbst angebaut wurde.

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Quelle:

Aus der Zeitschrift Entwicklung und Zusammenarbeit 2019 mit einem Bericht von Mawish Gul aus Islamabad

Ralph Bircher: „Hunza – das Volk, das keine Krankheit kennt.“


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