Unternehmen wir einen weiteren Streifzug durch die Germanenreiche und gelangen zum Wandalenreich – Deutsche Geschichte nach Albert Thümmel
Das Wandalenreich (Geiserich)

Noch weiter nach Süden gelangten die Wandalen. Sie waren von ihren Sitzen östlich der Oder nach langer Wanderschaft durch Germanien schließlich bis nach Gallien und Spanien gekommen.
Von hier führte sie ihr König Geiserich 429 nach Afrika und errichtete ein Reich mit der Hauptstadt Karthago.
Doch war es nur von kurzer Dauer. Schon mit dem Tode Geiserichs (477) begann der Verfall. Die rohe Kraft der Eroberer verweichlichte durch üppiges Wohlleben. Bereits 534 wurde das Reich von Belisar, dem Feldherrn des oströmischen Kaisers Justinian, vernichtet.

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Da sich Albert Thümmel in seinen Ausführungen zu den Wandalen doch eher kurz fasst, lest ihr noch eine Einschätzung zu dem Charakterbild von Theodor Birt (1852-1933).
Folgen wir den streitbaren Vandalen nach Afrika. Ihr Name hat üblen Klang. Das soll uns nicht stören. Es waren nur etwa 80 000 kampffähige Männer, die da auf der Suche nach einer Heimat mit ihren Familien nach Afrika kamen und auf dem völlig fremden Boden außerhalb des Zusammenhangs der europäischen Länder sich als Herren festsetzten:
Geiserich, Thrasamund ihre bekanntesten Könige aus dem Geschlecht der Asdingen, rechte Recken wie alle diese deutschen Fürsten, die besten Exemplare ihrer Rasse, kühn zugreifend und siegesgewiß.
Sie glichen einem Roger und Robert Guiscard, den romantischen Normannenkönigen des 11. und 12. Jahrhunderts, die da wie Sturmwind über Sizilien und Neapel herfuhren. Aber die Vandalen waren zugleich gelehrig und klug wie alle anderen Germanen und achteten und bewunderten die Gaben der römischen Zivilisation auf das höchste.
Den bäurischen Charakter hatten sie mehr als die anderen Germanenstämme eingebüßt. Sie lernten auch in den Städten zu leben, deren Befestigungsmauern sie freilich niederlegten, freuten sich an Zirkus, Arena und Thermen, hatten ihre städtischen Paläste, ließen vor allem die römische Gesetzgebung und Verwaltung, die sie vorfanden, so weit sie nützlich, unangetastet bestehen und hatten ein offenes Ohr für Theater und Literatur und die Dinge des schönen Scheins und des verfeinerten Genusses.