Deutsche Geschichte im Sagenkreis

Inspiriert durch einen Leserkommentar, nehme ich „kurz“ Bezug auf unsere Deutsche Geschichte im Sagenkreis und einem damit verbundenen historischen Prozess.

Das in wirtschaftlicher wie in geistiger Beziehung so reiche Leben des alten Deutschlands erstarb in den Greueln des Dreißigjährigen Krieges.

Was unserm Volke bis zu jener Zeit an alten Sagenschätzen lieb und wert gewesen war, geriet damit in Vergessenheit, und ein volles Jahrhundert verging, bis Gelehrte in alten Büchereien die ersten Spuren des alten Reichtums neu entdeckten.

Und weil wir nun gerade mittendrin sind, und die Deutsche Geschichte nach „Albert Thümmel“ verfolgen, macht es Sinn die Verbindung zum Reich der Nibelungen ein wenig zu untermauern.

Manchen ist es schon aufgefallen:

Einigen Herrschern, welche über Zeit die der Völkerwanderung und darüber hinaus die historische Bühne betreten, begegnen wir auch in der Nibelungensage.

Was in der Nibelungensage sicher als geschichtlich erwiesen ist,

beruht auf Ereignissen des fünften nachchristlichen Jahrhunderts, also Ereignissen aus der Zeit der Völkerwanderung, die für die germanische Welt des Mittelalters in ganz gleicher Weise das Heldenzeitalter gewesen ist, wie es der trojanische Krieg für die Griechen des Altertums war.

Meine Mutter sprach einst: Wenn wir uns unsere Deutsche Geschichte nah bringen wollen, müssen wir in den Sagenkreis der Nibelungen eintreten.

Auch legte sie großen Wert darauf den „Parzival“ (Rittergedichte) gelesen zu haben. Wolfram von Eschenbach zitiert darin unter anderem das Originalgedicht, und die vermutlich ursprünglichen Verse, die später als Episode in die Dietrichsage mit einflossen.

Es ist immer noch lebhaft bestritten, wie viel von der Wölsungen beziehungsweise Nibelungensage nordgermanischen, wie viel deutschen Ursprungs sei; auch über den Ort der frühesten Aufzeichnung ist man nicht einig. Fest steht aber, dass Sigurd (Siegfried), seine Vermählung mit Krimhild (der Gudrun der Wölsungensage), seine Ermordung durch Hagen (in der Wölsungensage durch Guthorm), dann der grosse Kampf in der Halle des Heunenkönigs Etzel (Attila) und der Untergang der Burgunden in diesem Kampf ursprünglich deutsche Sagen waren, welche aus Deutschland nach Skandinavien getragen und dort erst umgestaltet wurden.

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Noch ein paar Informationen zum Lied der Nibelungen „am Rande“.

Die Schicksale unseres großen Epos im Zeitraffer:

Älteste ~Nibelunge nôtvolkstümliche, balladenartige Dichtungen aus dem dritten Viertel des 12. Jahrhunderts.

Ritterliches Epos gleichen Titels, in Österreich entstanden

etwa 1180-1190.

Dasselbe um die „Klage“ erweitert und vielleicht etwas überarbeitet,

ungefähr 1190-1200.

Vollkommenste Überarbeitung in rein höfischem Sinne, etwa 1200-1210 (der ~Nibelungeliet~), uns durch die Handschriftengruppe ~Ca~ erhalten.

Jüngere, treuere und volkstümlicher Überarbeitung, etwa 1240-1250 entstanden, löst das „~liet~“ in seiner Geltung ab (daher Vulgata),

bleibt aber fortgesetzt von ihm beeinflusst.

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Auch interessant:

Es ist bezeichnend, dass die erste volkstümliche Ausgabe des Nibelungenliedes 1815 in dem Augenblicke

erschien, da man sich rüstete, den von Elba zurückgekommenen Napoleon

abzuwehren.

Von jener Zeit an ist nun das Interesse an unserer alten Geschichte und Dichtung ständig gewachsen. Die germanistische Wissenschaft erblühte, gestützt auf die romantische Geschmacksrichtung, die die klassische in der Poesie abgelöst hatte, und erschloss immer neue Quellen für die Kunde der Vorzeit.

Die moderne Dichtung bemächtigte sich der alten Stoffe und goss sie in neue, der Gegenwart angemessene Formen.

Vor allen andern hat Richard Wagner das

Verdienst, durch sein gewaltiges Tonwerk, den „Ring des Nibelungen“,

die alten Sagen volkstümlich gemacht zu haben.

Der deutsche Zweig der Entwicklung unserer Sage ist im 13. Jahrhundert

auf literarischem Wege in Skandinavien eingeführt worden, und zwar

durch einen Norweger, der zum nördlichen Deutschland innige Beziehungen

hatte.

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Literatur für alle Lesebegeisterten

 Die umfassendste Ausgabe des Nibelungenliedes ist die von Karl

+Bartsch+

 Für die sog. Edda ist zu empfehlen Karl +Hildebrands+ Ausgabe:

Die Lieder der älteren Edda, 2. Auflage 1904, besorgt von Hugo

+Gering+, und der ebengenannten mustergültigen Übersetzung (in Meyers

Klassiker-Ausgaben).

 Die nordischen Sagatexte sind am leichtesten zugänglich durch die

„Altdeutschen und altnordischen Helden-Sagen“, übersetzt von Friedrich

Heinrich v. d. Hagen, 1. und 2. Band: Wilkina- und Niflungasaga (3.

Ausgabe 1872), 3. Band: Wolsunga- und Ragnarssaga (2. Auflage, besorgt

von Anton Edzardi, 1880).

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Quelle:

The Project Gutenberg eBook of Der Sagenkreis der Nibelungen

Felix Dahn „Walhall“ – Dietrich von Bern und die Nibelungen


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