Als wir im letzten Jahr am 31.10. von einer kurzen Reise zurückkehrten, war es schon später Nachmittag, wir waren hungrig und ich fabrizierte noch schnell ein paar Minibrötchen aus Hefe, auch Pizzabrötchen genannt.
Etwas später vernahm ich lautes Stimmengewirr vor der Haustür, es klingelte Sturm. Vor der Tür stehen kleine Menschlein, ihre Gesichter bemalt, blutig soll‘s ausschauen, gruselig soll‘s sein, angsteinflößend und lustig zugleich… Vorab schnitzen sie in Kürbisse Fratzen, später ziehen sie um die Häuser, erbetteln Süßes.

Ich konnte ihrem Aufruf nach Süßem nicht wirklich nachkommen, wegschicken wollte ich sie aber auch nicht. Sie würden es nicht verstehen, denn ihre Eltern haben ihnen das eigentliche Prozedere nicht oder eben falsch vermittelt. Und so verteilte ich die gerade gebackenen Pizzabrötchen, die noch warm aus dem Ofen kamen, direkt an die Kinder.
Die Reaktion: zunächst sprachlos, doch ein glückliches Lächeln auf ihren (zumeist schwarz/weiß bemalten) Gesichtern. So zogen sie ohne Süßes mit frisch gebackenen Pizzabrötchen von dannen und riefen noch aus der Ferne: Sooo lecker.
Was die Kinder wissen und mit dem Tag verbinden: Verkleiden, Kaufen, Feiern, andere erschrecken, gruselig sein.
Was sie nicht wissen: Samhain ist eines der wichtigsten Feste der Kelten gewesen. Diese feierten damit ihre Ernte, den Beginn der kalten Jahreszeit und den Start in ein neues Kalenderjahr. Die Stämme der Germanen knüpften an manche der damit verbundenen Bräuche an.
Ich persönlich nehme Samhain als den dunkelsten Tag des Jahres wahr, verbinde allerdings mit diesem Tag nicht wie einst die Kelten das Jahresende und den Beginn eines neuen Zeitraumes. Doch bin ich mir bewusst darüber, was es mit dem Datum des 31.10. (dem Ursprung nach zu urteilen), tatsächlich auf sich hat.
Gewiss ist es nicht das, was uns da seit einigen Jahren an Festivität „aufs Auge gedrückt“ wurde.
Ich bin immer froh, um jeden Menschen, der nicht auf jeden Zug (in dem Fall auf den, des amerikanischen Halloweens) aufspringt. Und vor allem nicht etwas fördert, was keinen guten Charakter in sich trägt.
Mehr und mehr wird dieses Wissen um unsere Wurzeln, das Ursprüngliche verdrängt. So wie die Menschen nicht wissen, dass nahezu alle Feste, die sie feiern wie Himmelfahrt, Muttertag, Ostern, Pfingsten…u.s.w. heidnischen Ursprungs sind, wissen sie eben auch nicht, dass dieses Halloween ein eingeführtes „Spiel“ ist, um die Menschen vom eigentlichen (wahren) Geschehen wegzuführen.
Und so wird in Europa vielerorts eine primitive, weitgehend kommerziell ausgerichtete Variante des Samhain-Festes namens Halloween sozusagen als „Reimport“ aus den Vereinigten Staaten begangen.
Was können wir tun?
Gute Frage: Wenn die Kinder vor eurer Tür stehen, nichtwissend warum, und ihr habt im Garten vielleicht ein Feuer gemacht, dann gebt ihnen ein Holzscheit in die Hand. Den sollen sie dann ins Feuer werfen. Sagt ihnen: Hier werfen wir traditionell Ähren, Holz und Erde in die Flammen.

Die Kinder werden Fragen stellen: Warum? Nun ja, die Antwort ist einfach: Dieser Tag, welcher der dunkelste des Jahres ist, beruht auf einem uralten Jahreskreisfest, an dem die Völker dem ewigen Kreislauf des Lebens huldigten. Zum besseren Verständnis legen die Kinder anschließend etwas Glut in ein feuerfestes Glas, tragen es nach Hause, um buchstäblich die Dunkelheit zu vertreiben.
Das ist übrigens ein Brauch der Druiden (Priester der Kelten), die am Vorabend des 1. November auf ihren Festplätzen ein großes Feuer entfachten. Ein weiterer Brauch bestand darin, den Verstorbenen kleine Gaben auf die Gräber zu stellen, um sie gnädig zu stimmen.
Und die wohl schönste Idee, die sich praktisch überall realisieren lässt, ist, ganz einfach mal das Glas auf seine Ahnen zu erheben. Denn das zeugt von Respekt, wenn man die, denen man viel zu verdanken hat, einmal so richtig hochleben lässt.
Feiern wir also dieses Fest an der Schwelle zwischen Sommer und Winter. Ich wünsche euch ein geruhsames Ahnenfest im Kreise eurer Freunde und Familien.

Ach noch etwas: Bis zum 6. Januar (den Kelten zufolge) öffnen sich die Pforten zur Anderswelt. In dieser Zeit können wir die Verstorbenen als auch Naturwesen, die in Bäumen, Felsen und Wasserquellen wohnen, um Rat und Beistand bitten. Ein schöner Brauch, wie ich finde.
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Wissenswertes auf einen Blick:
Im Mai feiern wir mit Beltane den Sommeranfang, im Juni die Sommersonnenwende und Ende Oktober steht Samhain für den Beginn der dunklen Jahreszeit.
Samhain ist zudem das Fest zu Ehren der Ahnen.
Mehr noch als die bevorstehende Wintersonnenwende am 21. Dezember markiert Samhain, das genau genommen „Sauwen” (mit gehauchtem „w”) ausgesprochen wird, Anfang, Ende und Neubeginn.
Es handelt sich vorrangig um ein Totenfest, welches traditionell zum 11. Schwarzmond (unsichtbarer Mond) des Jahreskreises zum Abschied des Sommers gefeiert wird und zugleich das letzte Erntefest des Jahreskreises ist.
Der Begriff „Halloween“ wurde erst im 16. Jahrhundert eingeführt. Die Bezeichnung erklärt sich aus den englischen Wörtern „hallow“ (altengl. „heilig“) und „eve“ (engl. „der Vorabend“), also: der Abend vor „Allerheiligen“.
Durch irische Auswanderer wurde das Halloween-Fest an die amerikanische Ostküste gebracht.
Heute wird Samhain als Halloween in Teilen Europas und Irlands in der Nacht zum 1. November gefeiert. Es gilt als Fest des Spätherbstes, als Mitte des keltischen Jahres.
Bei den Schotten entspricht Samhain weitestgehend dem Fest „Féile na Marbh“ sowie in Wales „Nos Galen-gaeof“.
Abschließend darf man festhalten: Das ursprüngliche Samhain ist kein Fest des Grauens – das veramerikanisierte „Halloween“ schon…
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Es darf auch geräuchert werden!
Am besten mit Holunderblüten, -holz, -mark, Zedernspitzen, Angelikawurzel, -samen, Wermut, Beifuß, Mistelkraut, Birkenrinde, -blätter, Lärchenharz, Lavendel, schwarzer Copal, Huichol-Copal.