„Das Ostgotenreich (Theoderich der Große 493-526)

Weiter geht’s .., und dieses Mal umfassend, nämlich zum Reich der Ostgoten. Albert Thümmel widmet diesem Germanenreich eine recht ausführliche Fassung, die wie ich finde, auch sehr spannend ist.

Zur gleichen Zeit, als Chlodwig das Frankenreich gründete, schuf der Ostgotenkönig Theoderich, aus dem Geschlecht der Amaler, ein Reich in Italien.

In seiner Jugend hatte er mehrere Jahre als Geisel am Hofe von Byzanz zugebracht und hatte dort römische Staats-und Kriegskunst kennengelernt. Als er 17jährig seinem Vater in die Regierung gefolgt war (471), fass t erden Plan sein Volk in Italien anzusiedeln.

Dort hatte Odoaker, ein germanischer Söldnerführer, den jugendlichen Kaiser Augustulus (476) entthront. Und regierte nun als König über das Land.

Das war das Ende des Weströmischen Reiches (genauer gesagt: der westlichen Hälfte des römischen Reiches, den ein „Weströmisches Reich“ hat es im Grunde nie gegeben).

490 führte Theoderich sein Volk nach Italien. Er besiegte Odoaker bei Verona und belagerte ihn jahrelang in Ravenna. Von der entscheidenden Schlacht bei Verona hat Theoderich in der Sage den Namen „Dietrich von Bern“ erhalten, und die Schlacht um Ravenna lebt als die „Rabenschlacht“ fort.

Nachdem sich Odoaker 493 ergeben hatte, stieß in Theoderich, wohl in der Trunkenheit, bei einem Gastmahl nieder. Mit dieser Gewalttat begann seine Herrschaft über Italien, aber er hat sie dann mit großer Milde und Weisheit ausgeübt. Theoderich war eine vornehme Natur von majestätischer Ruhe.

Erst, mit sinnender Stirn, schreitet seine Herrschergestalt einher in dieser waffendröhnenden Zeit.

Die Geschichte hat ihnen unter den Gewaltigen eingereiht und ihm den Ehrennamen des Großen verliehen – was sie dem Gründer des Frankenreiches versagt hat. Noch zu seinen Lebzeiten ließ Theoderich in Ravenna sein Grabmal errichten; 526 wurde er darin beigesetzt.

Nach seinem Tod kam es zu Thronstreitigkeiten. Der oströmische Kaiser machte sich die Verwirrung im Land zum Nutze und sandte seinen Feldherren Belisar, um Italien zu erobern. In solcher Notzeit wurde Witechis auf den Schild erhoben, ein Vertreter des alten germanischen Volkskönigtums, ein Beispiel dafür, dass auch der freie Mann durch Volkswahl zu höchster Würde emporsteigen konnte.

Leider enttäuschte er die Hoffnungen seines Volkes. Zwar war er ein tapferer Krieger, aber er erwies sich unfähig als Feldherr und endete als Gefangener. Um so heller erstrahlte der Ruhm der beiden letzten Könige der Ostgoten: Totila und Teja.

Der jugendliche, blondgelockte Totila, der Liebling des gotischen wie auch des italienischen Volkes, eroberte fast das ganze Ostgotenreich zurück.

Doch erlag er schließlich der Übermacht. In der Schlacht bei Taginae (552) verlor er Sieg und Leben.

Auch Teja, der „schwarze Graf“, konnte trotz größter Tapferkeit das Schicksal des Reiches nicht mehr wenden.

553 kämpften die Ostgoten ihren letzten Kampf am Vesuv. Wie ein Löwe focht Teja an der Spitze der Seinen. Immer wieder fing er mit dem Schild die feindlichen Speere auf; dann sprang er blitzschnell vor und erlegte viele Gegner. Doch schließlich fiel auch er: Als sein Schild, der von zwölf Speeren durchbohrt war, gegen einen anderen wechseln wollte, blieb seine Brust einen Augenblick lang ungeschützt. Da traf ihn der tödliche Wurf.

Noch zwei Tage lange hielten sich die Goten gegen die Übermacht. Dann bat das Häuflein der Überlebenden um freien Abzug. Der oströmische Narses gewährte die Bitte aus Achtung vor ihrer Tapferkeit.

Trauernd zogen sie mit der Leiche ihres letzten Königs an dem Sieger vorbei. Dieser soll den Lorbeer von seinem Haupt genommen und den toten Heldenkönig damit geschmückt haben. Nordwärts zog der Rest des Gotenvolkes. Sie ließen sich teils nördlich, teils südlich der Alpen nieder, wo sie allmählich im dortigen Volkstum aufgingen. So ging das edelste Volk der Germanen unter. Ihre Sagen aber bleiben lebendig durch die Jahrhunderte hindurch.“

(„Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel)

Morgen lesen wir dann über das Reich der Langobarden (Alboin) und anschließend eine kurze Zusammenfassung zu den Germanenreichen, bzw. nehmen wir einen Rückblick.


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