Bonifatius, der Apostel der Deutschen
Das Christentum hat Anfang des 4. Jahrhunderts das römische Weltreich erobert. Dabei hatte die athanasianische (später katholisch genannte) Form des Bekenntnisses den Sieg davon getragen über die arianische Form.


Aber die vielen Germanenstämme jenseits von Rhein und Donau verehrten noch lange ihre alten heidnischen aus der grauen Vorzeit ihrer Urväter.
Das erste germanische Volk, das zum Christentum übertrat, waren die Westgoten. Ihr arianischer Bischof Ulfilas übernahm es, die Bibel in die gotische Sprache zu übersetzen. Das gewaltige Werk gelang, In kostbaren, stattlichen Bruchstücken ist es noch heute erhalten, als ältestes Denkmal germanischer Sprache.
Während der Völkerwanderung nahmen auch noch andere Stämme das Christentum an, alle zunächst in der arianischen Form – mit Ausnahme der Franken, dieses waren, wie wir gesehen haben, die ersten, die zum athanasianischen Glauben, zur katholischen Kirche übertraten.
Im Laufe des 6. Und 7. Jahrhunderts gingen auch andere Stämme der Germanen vom Arianismus zum Katholizismus über.
Die Stämme im Inneren Germania, im heutigen Deutschland blieben zunächst weiterhin ihren alten heidnischen Göttern treu. Seit etwa 600 aber begannen Mönche aus Irland (Kolumban, Gallus u.a.) , später auch aus England, die heidnischen Germanen zu bekehren.
Der bedeutendste unter diesen zahlreichen Sendboten ist der Angelsachse Winfried, mit seinem kirchlichen Namen Bonifatius genannt. Er ist der eigentliche Apostel der Deutschen. Als seine Lebensaufgabe betrachtete er es, die deutsche Kirche eng mit Rom zu verbinden und eine möglichst straffe Ordnung herzustellen.
Schutzbriefe des Papstes und des fränkischen Hausmeiers Karl Matell ebneten ihm den Weg, aber seine Erfolge errang er durch die Macht seines Willens und den Mut seines Glaubens. Einen ungeheuren Eindruck machte es auf die heidnischen Stämme, als er um 730 in der Nähe des hessischen Dorfes Geismar eine dem Gott Donar geweihte Eiche mit eigener Hand fällte, ohne das der Donnergott den Frevler mit seinem Blitzstrahl vernichtete. Als die Rache des Gottes ausblieb, gaben die Hessen und Thüringer ihren alten Glauben auf und ließen sich taufen.

Zum Lohn für seine Tätigkeit wurde Bonifatius 732 vom Papst zum Erzbischof von Mainz ernannt. Im hohen Alter starb er den Märtyrertod: 754 wurde er von heidnischen Friesen erschlagen. Im Dom zu Fulda, seiner Lieblingsschöpfung, liegt er begraben.
So wurden die Christen der rechtsrheinischen germanischen Völker durch Bonifatius dem Herrschaftsbereich des römischen Papsttums eingegliedert.