Karl der Große (768-814) – Sachsenkriege und die wohl gewaltsamste Missionierung eines ganzen Volkes in der Geschichte der Christenheit

Aus der Reihe „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel

Karl ist einer jener großen Erscheinungen, die einen Wendepunkt in der Geschichte anzeigen, Abschluss und Anfang zugleich – ein Herr der Menschen wie ihn in dieser Größe die Welt seit Cäsar nicht, in dieser Eigenart überhaupt noch nicht gesehen hatte.

Aus einer sagenumwoben Jugend tritt Karl, Pippins Sohn, im Alter von 25 Jahren sofort als Held hervor. Er war groß als Kriegsmann wie als Landesvater, groß auch als Mensch und Christ. Der gewaltige Eindruck seiner Persönlichkeit hielt die unterworfenen Völker in Gehorsam, und durch die Vereinigung aller erhob er das Frankenreich zum mächtigen Europa.

Als seine wichtigste Aufgabe betrachtete er von Anfang an die Unterwerfung und Bekehrung der heidnischen Sachsen. Die Sachsenkriege zogen sich fast durch seine ganze Regierungszeit hindurch. Immer wieder flammten Aufstände auf, durch welche die Sachsen unter Führung ihres Herzogs Widukind, versuchten, das verhasste Joch, abzuschütteln, und immer wieder neue schwere Kriege musste Karl gegen sie führen.

Nur durch eiserne, fast unmenschliche Strenge hat er seinen Willen durchgesetzt. So hat er einst, nachdem die Sachsen unter Treuebruch, ein fränkischer Herr vernichtet hatten, an einem Tag 4500 Edelinge der Sachsen enthaupten lassen: Das Blutbad von Verden an der Aller. Gar oft ist Karl darob geschmäht worden. Erst als er viel Tausende von Sachsen in fränkische Gebiete verpflanzte und umgekehrt ihre Höfe an fränkische Ansiedler gab, erlosch allmählich der Widerstand.

Nach 33jährigen Kämpfen waren die Sachsen bezwungen. Durch Gründung neuer Bistümer – wie Paderborn, Münster, Osnabrück u. a. – wurde das Werk der Bekehrung vollendet und gefestigt.

Die Unterwerfung der Sachsen war von weltgeschichtlicher Bedeutung. Nunmehr waren alle germanischen Stämme auf deutschem Boden in einem Reich vereinigt. Damit war der Grund für das spätere deutsche Volk und Reich gelegt.

Die Sachsenkriege waren immer wieder unterbrochen worden durch andere Unternehmungen.

 774 unternahm Karl einen Feldzug nach Italien, nachdem ihn der Papst um Hilfe gegen die Langobarden gebeten hatte. Während der Belagerung der Hauptstadt Pavia, ging er nach Rom, um das „Osterfest“ zu feiern. (ursprünglich heidnischer Herkunft „Ostera“).

Hier bestätigte er dem Papst die Pippinische Schenkung, wogegen er selbst als Schirmherr der Kirche anerkannt wurde. Karl behielt die Kirche fest in der Hand. Er war Kaiser und Papst zugleich. (Man nennt diesen Zustand „Caesaropropapismus). Nach dem Fall Pavia setzte er sich die eiserne Krone der Langobarden selbst auf Haupt und nannte sich von da an „König der Franken und Langobarden“. Nur der Süden Italiens blieb als langobardisches Herzogtum Benevent selbständig. So begann die enge Verknüpfe der Geschicke Italiens mit denen des Reiches nördlich der Alpen, es war der Keim zu langen schweren Verwicklungen.

 778 rief der arabische Statthalter von Saragossa, der von seinem Nebenbuhler vertrieben worden war, den mächtigen Frankenkönig zu Hilfe. Karl ging über die Pyrenäen, erstürmte Saragossa und eroberte das Land bis an den Ebro. Später errichtete er hier die spanische Mark. Auf dem Rückzug wurde die Nachhut seines Heeres im Tal von Roncesvalles überfallen und niedergemacht. Dabei fiel auch der sagenberühmte Held Roland.

 788 unterwarf er den Herzog Tassilo von Bayern, der sich unter dem Einfluss seiner Gemahlin, einer Tochter des entthronten Langobarden Königs, gegen ihn empört hatte, und schickte ihn mit seiner Familie ins Kloster. Indem in Sachsen und Bayern die Grenzen des Frankenreiches nach Osten vorgerückt wurden, ergab sich zugleich die Aufgabe, diese Grenzen nun zu schützen gegen die östlichen feindlichen Nachbarn, gegen Slawen und Awaren. Das geschah in schweren Kämpfen.

 Um 800 waren alle Germanenstämme des Festlandes unter Karls Herrschaft vereinigt. Sein Reich erstreckt sich vom Ebro im Westen bis zur Elbe und Raab im Osten, von Benevent im Süden bis zur Eider im Norden.

 Am 25. Dezember 800 nahm Karl an der Feier des Weihnachtsfestes in der Peterskirche in Rom teil. Während er sich am Altar zum Gebet neigte, setzte ihm der Papst unter den jauchzenden Rufen des Volkes die Kaiserkrone aufs Haupt, und niederkniend huldigte er ihm als dem Oberhaupt der Kirche. So erbte eine Germane Namen und Würde der römischen Cäsaren, und der römische Adler wurde zum Wappentier des Reiches

Wahrscheinlich war die Kaiserkrönung vorher zwischen Karl und dem Papst verbredet worden. Dennoch war Karl überrascht und erzürnt, wohl, weil ihm der Zeitpunkt nicht erwünscht war. Karl war gewohnt die Kirche nach seinem Willen zu leiten, und nun hatte er Papst selbständig, willkürlich gehandelt. Karl sah gewiss auch schwere Gefahren für die Zukunft voraus. : leicht konnte sich dich Vorstellung festsetzen, dass der Papst die Kaiserkrone zu vergeben habe. Und in der Tat hat sich das später zum Schaden der kaiserlichen Macht und zum Vorteil des Papsttums ausgewirkt.

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Eine persönliche Ergänzung (wie voran geführt, Thümmel wagt in seinen Ausführungen kaum bis wenig Kritik an dem Despoten Karl:

Von den wenigen Stimmen gegen die Zwangsmissionierung ragte die von Alkuin heraus, der Ende des 8. Jahrhunderts immer wieder betonte, wie falsch der Weg war, den der Frankenkönig eingeschlagen hatte:

„Wie kann ein Mensch gezwungen werden zu glauben, was er nicht glaubt? Man kann einen Menschen zur Taufe treiben, aber nicht zum Glauben“ Weiter sprach der gebildete Angelsachse: „Der Glaube ist eine Angelegenheit des freien Willens und nicht des Zwanges“.

Tod oder Taufe!

Mit Hilfe drakonischer Strafen sollte den Sachsen verdeutlicht werden, dass der christliche Gott kein gewöhnlicher Gott war, sondern weit über ihren eigenen Göttern stand.

Was tat Karl? Er erhöhte den Druck auf die Sachsen und wies ihnen zugleich einen Ausweg: die Zuflucht zur Kirche. So gab er vor: „Wenn jemand Zuflucht in der Kirche sucht, soll er bis dort zu seiner Gerichtsverhandlung sicher sein, und niemand soll wagen, ihn mit Gewalt herauszuholen. Das kann man durchaus zynisch nennen: So wurde doch der wichtigste Grund für den Widerstand der Sachsen, das Christentum, für viele zum einzigen Ausweg, um ihr nacktes Überleben zu sichern.

Abschließend darf man festhalten, unabhängig der Frage, ob Karl der Große bei seiner Auseinandersetzung mit den Sachsen von Anfang an die Christianisierung dieses Volkes beabsichtigt hat, dass dieser immer intensiver und brutaler werdende Krieg zur ersten gewaltsamen Missionierung eines ganzen Volkes in der Geschichte der Christenheit geführt hat.

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In den nächsten Tagen lesen wir dann weiter, wie Karl der Große den Gesandten Harun al Raschids empfängt.

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Quelle:

• Kamp /Kroker Schwertmission „Die Unterwerfung und Christianisierung der Sachsen unter Karl dem Großen“ von Matthias Becher.

• Thümmel „Deutsche Geschichte“ Band 1

• Eigener Beitrag https://undinepeter.blog/…/von-sachsenkriegen-und-dem… unserem Besuch in Verden an der Aller, und dort am Sachsenhain


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