Wir überspringen an dieser Stelle die Lobeshymnen auf Karl den Großen, vermerkt von Albert Thümmel. Darin schreibt er unter anderem:

„War Karl schon als Kriegsheld eine gewaltige Persönlichkeit, beinah noch größer erscheint er als Friedensfürst, als Landesvater. In allen Zweigen der Verwaltung schuf er eine wunderbare Ordnung und mit liebvoller Sorgfalt überwachter auch die kleinsten Kleinigkeiten, ohne jemals das Ganze aus dem Auge zu verlieren.“
Auch Thümmel wusste um das Mönchslatein, und darum, dass immer die Sieger die jeweilige Geschichte schreiben lassen. Schade, dass er es nicht erwähnt hat.
„Film ab, Klappe, die X X X X–te … „
Warum auch, sollte Karl der Große seinen Mönchen den Auftrag erteilen, über seine grausam geführten Auseinandersetzungen zu berichten?
Naturgemäß beurteilen die zeitgenössischen fränkischen Geschichtsschreiber das Vorgehen ihres Königs ausgesprochen positiv, zumindest die militärische Seite.
Das gilt auch für Ehrhard, die Biografen Karls den Großen, der über seine Sachsenkriege urteilte:
„Kein anderer Krieg ist von den Franken mit ähnlicher Ausdauer, Erbitterung und Mühe geführt worden wie dieser. Denn die Sachsen waren – wie fast alle Stämme Germaniens – ein wildes Volk, das Götzen anbetete und dem Christentum feindlich gesinnt war; auch empfanden sie es nicht als ehrlos, alle göttlichen und menschlichen Gesetze zu verletzen und zu übertreten. Dazu kamen noch weitere Umstände, die dazu beitrugen, den Frieden täglich zu gefährden: die Grenzen zwischen unserem und ihrem Gebiet verliefen fast ausschließlich durch flaches Land. Nur an einigen Stellen bildeten große Wälder oder dazwischenliegende Berge deutliche Grenzlinien. Mord, Raub und Brandstiftungen nahmen daher auf beiden Seiten kein Ende. Schließlich waren die Franken derart verbittert, dass sie es für richtig hielten, nicht länger Gleiches mit Gleichem zu vergelten, sondern mit den Sachsen in offenen Kampf einzutreten.“
Über den Sachsenkrieg berichteten fast ausschließlich Geschichtsschreiber, die entweder über den endgültigen Triumph der Franken oder wie die hofnahen Reichsannalen zumindest über ihren ersten – allerdings nur scheinbaren – Sieg im Jahr 785 informiert waren. Zudem waren sie alle selbst Franken und noch dazu Geistliche. Wenn sich dagegen Sachsen zu diesen Geschehen äußerten, dann nur in einem noch größeren zeitlichen Abstand und wie der Verfasser der Translation sancti Liborii als Untertanen fränkischer Herrscher. Und in dieser Zeit hatte man wohl schon vergessen, dass die Sachsen vor ihrer Missionierung nie einen Teufel gekannt haben.





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Bis zum heutigen Tage hat sich an der Vorgehensweise der Mächtigen nichts geändert. Nur die Rollen (Plätze) wurden getauscht. Und nun, auch im Jahr 2023 erleben wir hautnah wie das mit dem „Fälschen der Geschichte“ so vor sich geht. Die Menschen werden immer nur da glauben, womit sie kontinuierlich gefüttert werden, die Wahrheit fällt dabei in den Trog.
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Ich blättere in den Seiten, will wissen wie es weitergeht. Denn jetzt stehen der Zerfall des Frankenreiches und das Ende der Karolinger bevor.
Dem großen Kaiser folgte sein einziger überlebender Sohn Ludwig, der von der Kirch später den Beinamen „der Fromme“ erhielt. Am Hofe Ludwigs wurde kaum wirkliche Politik getrieben. Er ging viel lieber auf die Jagd, statt zu regieren. Aber am schwersten erschüttert wurden Einheit, Bestand und Zukunft des karolingischen Reiches durch unaufhörliche Erbschaftsstreitigkeiten, die in immer wechselnder Gruppierung ausgetragen wurden: bald die Söhne vereint gegen den Vater, bald in Zwietracht gegeneinander, ein höchst beschämendes Schauspiel.
Nach dem Tod Ludwigs wurde das Reich durch den Vertrag von Verdun (843) in drei Teile geteilt.
Lothar der Älteste erhielt die Kaiserwürde und den mittleren Teil: Italien und nördlich der Alpen das Land längs der Schelde-Maas-Rhone-Linie im Westen und den Rhein im Osten, dazu Holland.
Das Land westlich davon, bekam Karl der Kahle und östlich Ludwig der Deutsche (nach seiner Sprach so genannt).
Als Lothars Geschlecht bald darauf ausstarb, teilten Ludwig und Karl im Vertrag vom Mersen (870) auch noch den mittleren Teil nördlich der Alpen auf; die staatliche Grenze verlief nun fast genau nach der Sprachgrenze.
Das neue Europa – Frankreich, Deutschland-Italien war geboren. Die Kaiserwürde war in den Wirren dieser Zeit bald bei Frankreich, bald bei Deutschland. (Diese deutsche Reichsgrenze im Westen bestand im Wesentlichen bis zum Jahr 1648. Elsaß. Lothringen, die Niederlande, der größte Teil des heutigen Belgiens haben das ganze Mittealter zum deutschen Reich gehört).
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Morgen lesen wir weiter über innere Streitigkeiten um das Erbe Karl des Großen und über die schmerzenreiche Zeit des neuen Europa sowie um die Zeit, als die Normannen (auch Wikinger genannt), ihre großen Fahrten begannen.
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QUELLE: KAMP, KROKER, SCHWERTMISSION: „DIE UNTERWERFUNG UND CHRISTIANISIERUNG DER SACHSEN UNTER KARL DEM GROSSEN“ VON MATTHIAS BECHER
ALBERT THÜMMEL „DEUTSCHE GESCHICHTE BAND 1
FELIX DAHN PALADINE