Die Hohensyburg und ein mächtiges Kriegerdenkmal, und zu Besuch bei Kaiser Wilhelm, Reichskanzler Otto von Bismarck und Helmuth von Moltke

Das vergangene Wochenende verbrachten wir in Dortmund – mitten im Ruhrgebiet. Ja, wie kommt man nur darauf?

Zugegeben, die Ankunft war weniger idyllisch. Hektik, Unruhe, Lärm und ganz viel Industrie. Nicht unbedingt das, was man sich vielleicht für ein entspanntes Wochenende so vorstellt. Und doch haben wir entschieden, zu bleiben. Und so übernachteten wir auf einem Parkplatz, nah einer befahrenen Straße. Tatsächlich habe ich nicht gut geschlafen.

Es war nicht stimmig. Auch fühlte ich mich nicht gut. In der Nacht bin ich immer wieder aufgewacht. Die Ursache? Nichts Genaues weiß man. Nur eine Vermutung tat sich auf, als wir am nächsten Morgen auf unserem Weg zur Burg an einem 5-G Mast vorbeiliefen, der sich nur wenige Meter von unserem Platz entfernt, auftürmte. Im Dunkel des Vorabends haben wir ihn nicht wahrgenommen.

Aber nun zur eigentlichen Unternehmung. Wie schon erwähnt: Wir befinden uns mitten im Ruhrgebiet – und hier, zwischen Dortmund und Hagen, oberhalb des Zusammenflusses Ruhr und Lenne, hoch über dem Ruhrtal, ragt die Ruine der Hohensyburg auf.

Vielfältiger und kontrastreicher kann eine Landschaft kaum sein. Zwischen den Industrietälern mit ihrem pulsierenden Leben und den mit Seen und Flüssen durchzogenen Waldgebieten, erwarten uns Zeugnisse aus längst vergangenen Zeiten, aber auch idyllische Naturoasen.

Neugierig? Wir nehmen euch mit:

Von unserem Übernachtungsplatz aus, laufen wir knapp 300 Meter an einer viel befahrenen Straße entlang, wechseln an der Ampelanlage die Straßenseite und erhaschen gleich darauf den Blick auf eine wunderschöne Parkanlage. Der Weg dorthin, ist von einzelnen stattlichen Villen gesäumt. Zunächst ragt der Vincke-Turm auf, benannt nach Ludwig Freiherr von Vincke, der von 1810 bis 1844 Eigentümer der Burg war.

Schon bald betreten wir die alten Wallanlagen der Hohensyburg und entdecken noch so einiges mehr.

Doch wie gewohnt, vermissen wir auch an dieser Stätte, die zu unserer deutschen Geschichte so wichtigen Informationen. Ihr wisst schon, solche Informationen, die einem sofort ins Auge fallen, mit Mehrwehrt – Wissen vermittelnd. Stattdessen ist die recht unscheinbare Info-Tafel zur Hohensyburg von Moos überzogen. Ich nehme ein Taschentuch und wische darüber, um überhaupt etwas erkennen zu können.

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Was ich bis dahin wusste:

Die Westfalen, das waren Nachkommen der germanischen Stämme, die um die Zeitenwende im Raume des heutigen Ruhrgebiets lebten, verbündeten sich im 6. und 7. Jahrhundert mit den Sachsen, weil sie die machthungrigen Franken fürchteten, und legten auf der Hohensyburg starke Befestigungen an.

An mehreren Punkten ihrer Ländereien, die ihnen dafür geeignet erschienen, bauten sie feste verteidigungsbereite Bollwerke und Wallburgen. Die genauen Standorte und ihre Bezeichnungen sind uns erfreulicherweise überliefert worden. So waren die wichtigsten dieser Burgen zum einen die Eresburg (Obermarsberg an der Diemel) und zum anderen die für uns außerordentlich interessante Sigiburg (Dortmund-Hohensyburg).

Ein Wall, der die Hauptburg von der Vorburg trennte, kann heute noch gut ausgemacht werden, aber die kleinen Burgwälle (der Vorburg) sind so gut wie verschwunden.

Die Sigiburg – eine sächsische Wallburg entstand um das Jahr 700 u. Z. Die alten Wallanlagen lassen sich auf dem Plateau noch heute als Landmarken erkennen. Um 1100 wurde die alte Wallburg durch eine neue Steinburg aus Ruhrsandstein ersetzt, deren Ruinen auch heute noch die Ruhr überragen.

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Und weiter geht’s!

Inmitten der Wallanlage offeriert sich ein mächtiges Kriegerdenkmal, dass einen liegenden gefallenen Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg darstellt. Auf der Höhe seines linken Unterschenkels wacht der Adler. In dem Moment, als ich meine Kamera zückte, um den Soldaten aufzunehmen, warf die Sonne ihre Strahlen direkt auf den Kopf des Adlers und auf das Gesicht des Soldaten. Wir konnten diesen Moment einfangen.

In unmittelbarer Nähe befinden sich drei große steinerne Tafeln. Andächtig stehen wir davor. Es sind wieder ganze Familien, die als Kriegsopfer zu beklagen sind. Opfer aus den Kriegen 1870/71, als auch aus dem Ersten Weltkrieg und seinem Anschlusskrieg. Unzählige deutsche Opfer sind zu beklagen. Die wahren Kriegstreiber hierfür sind bekannt.

Nächster Halt bei Kaiser Wilhelm, der uns auf seinem Pferd „entgegeneilt“. Vertreten sind auch Reichskanzler Otto von Bismarck und der preußische Generalfeldmarschall Helmuth von Moltke.

Was fehlt sind die Inschriften. Und zwar gänzlich. Eigentlich sollte hier stehen: „Kaiser Wilhelm dem Ersten

und seinen Helden“

die dankbare Grafschaft Mark

Das Denkmal ist den Helden des Deutsch-Französischen Krieges von 1870/71, den Schöpfern des zweiten Reiches, dem Deutschen Reich 1871 – 1918 (Kaiserreich) gewidmet. Auf Anregung des Rittergutsbesitzers Adolf Overweg wurde die Errichtung am 15. April 1889 beschlossen.

Die Atmosphäre hier, ähnelt ein wenig der des Kyffhäusers, auch wenn das Plateau ein wenig „schmaler“ daherkommt. Und doch ist es nicht weniger beeindruckend.

Fazit: Eine Reise in das (heutige) industrielle Herz Nordrhein-Westfalens lohnt. Wir kommen wieder!

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Quelle /Fotos /Aufnahmen

Überwiegend eigene Aufnahmen mit Besuch am 11.11.2023

Von den ehemaligen vier flankierenden Standbildern wurden die von Kronprinz Friedrich Wilhelm uns von Prinz Friedrich Karl entfernt. (Bild Wikipedia (Ansichtskarte aus 1907)

Kaiser Wilhelm-Denkmal auf Hohensyburg in Westfalen – Ruine Hohensyburg, ehemaliger Sitz des Hezogs Wittekind, zerstört durch Karl den Großen Anno 775 (Bild Deutsche-schutzgebiete)

• Meyers Konversations-Lexikon“ 5. Auflage in 17 Bänden 1893 – 1897

• „Meyers Großes Konversations-Lexikon“ 6. Auflage in 24 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien, 1906 – 1908

• „Meyers Kleines Konversations-Lexikon“, 7. Auflage in 6 Bänden Bibliographisches Institut Leipzig und Wien 1908

• „Hohensyburg – Seine Geschichte und seine Denkmäler“, Dr. Otto Schnettler – Verlag Gebr. Lensing


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