Im Anschluss an unseren Ausflug zur Hohensyburg „rollten“ wir nur wenige Kilometer weiter bis ins schöne Sauerland hinein und fanden einen herrlichen Platz am Hexenteich von Menden.

Es war schon später Nachmittag als wir eintrafen. In der aufkommenden Dämmerung und mit dem leichten Nebel, der sich über den See erstreckte, wirkte dieser Ort eigenwillig.
Die Atmosphäre wohltuend, romantisch, ja sogar idyllisch, trotz des Wissens, dass hier vor vielen Jahren unschuldige Frauen und Männer, angeblich der Hexerei überführt, ertränkt worden sein.
Die dunkle Vergangenheit wird durch wundersame Baumskulpturen untermauert. Auf den ersten Blick wirken sie wie Marterpfähle. Hand angelegt hat hier der serbische Künstler Mile Prerad. Ich verweilte einen Moment vor einer solchen Skulptur, die doch viel Raum zur Interpretation gab.








Nachdem wir uns entschlossen haben zu bleiben, zockelten die letzten Besucher zu ihren Autos. Ein junge Familie mit ihren Kindern lief an uns vorbei und es war so wundervoll ihnen zuzuhören. Offensichtlich noch eng mit der Sagenwelt verbandelt, erzählte die junge Mutter ihren Kindern etwas zu den Hexen und ihren Bräuchen. Es war durchweg positiv. Die Kinder stellten kluge Fragen.
Warum erwähne ich das? Ganz einfach, es tut gut zu wissen, dass die kommende Generation (zumindest noch in Teilen) unser altes Gut, unserer Traditionen, Bräuche und Überlieferungen pflegt.
Gleich darauf schlenderte ein altes Volkslied trällernd, „Das Wandern ist des Müllers Lust“, ein Ehepaar vorbei. Wunderbare Momente in einem kurzen Zeitfenster. Das macht Hoffnung.
Später, als es stockdunkel war – wir saßen schon gemütlich in unserem Bert, hörten wir Stimmen, die immer näherkamen. Mit Blick nach draußen, sahen wir das Leuchten mehrerer Taschenlampen, hörten das Lachen junger Menschen – kurz darauf loderte ein Feuer. Es war eine gesellige Truppe von freundlichen jungen Menschen.
Wir widmeten uns weiter den Erzählungen zu den Hexenprozessen. Im Jahr 1446 gab es in Köln die erste Anklage wegen Hexerei, die urkundlich erwähnt ist. Jedoch hatte die Frau, die der Zauberei angeklagt wurde, das Glück gegen das Versprechen, in Zukunft dieses Handwerk nicht mehr zu betreiben und Ruhe zu geben, freigelassen.
Der Hexenhammer – Menschen fallen einem gesellschaftlichen Wahn zum Opfer
Weitere 41 Jahre später, im Jahr 1487, wurde durch die Kölner Dominikanermönche Jacob Sprenger und Heinrich Institoris der „Hexenhammer“ veröffentlicht.
Nach der Veröffentlichung dieses Werkes hatten die Städte und Gemeinden kaum noch die Möglichkeit, Angeklagte wieder frei zu lassen. Wer in die Mühlen der Prozessordnung geriet, war meist schon verloren. Im Raum Köln fanden in der Zeit zwischen 1491 und 1738, also einem Zeitraum von annähernde 250 Jahren, Hexenprozesse statt. Und die Parallelen sind immerdar: Die Menschen fielen einem schrecklichen gesellschaftlichen Wahn zum Opfer. Nur durch Folter wurden sie zudem gemacht, was sie darstellen sollten: „Hexen“.
Erleichtert wurde die Durchführung der Prozesse in Menden durch eine besondere Rechtsordnung zu dem Verbrechen der Hexerei des Kurkölner Erzbischof, Ferdinand von Bayern, die die Folter der angeklagten Hexen erleichterte. Dadurch lassen sich auch die prozentual höheren Prozess- und Hinrichtungszahlen in dem kurkölnischen Raum erklären. Auch in Menden zeugen Folterprotokolle von forcierten Geständnissen nach einem bestimmten Fragenkatalog.
Entgegen der geläufigen Meinung fielen nicht nur Frauen, sondern auch Männer den Prozessen zum Opfer. So standen auch am Beginn der Hochphase um 1630 in Menden die Prozesse zweier Männer: Blesien Bill und Franz Hillmerich.
In dem gesamten Raum waren mindestens 18% der hingerichteten männlich, wobei bei 283 Verurteilten nicht ersichtlich ist, ob sie Frauen oder Männer waren.
Entgegen der weit verbreiteten Meinung, wurden in Menden keine Hexen verbrannt. „Lediglich“ die Wasserprobe wurde an dem Teich vermutlich durchgeführt.
Was darf man darunter verstehen?
„Diese Wasserprobe diente der Bestimmung von Hexen, wenn sie nicht geständig wurden und konnte so als ein weiterer Beweis herangezogen werden.
Neben der Wasserprobe sind auch die Nadelprobe und die Tränenprobe bekannt.
Auch das Ausbleiben von Schmerz konnte als Teufelspakt gewertet werden.

Dabei waren diese Beobachtungen völlig unverhältnismäßig. Bei Prozessbeginn waren sie irrelevant, konnten diesen aber auch nicht aufhalten, sollte kein Teufelspakt auf diese Art nachweisbar sein.
Bei der Wasserprobe wurden den Angeklagten die Gliedmaßen gefesselt und sie so in die Mitte des Teichs geworfen. Gingen sie unter, waren Zeitgenossen der Meinung, dass es sich um ein Zeichen der Unschuld handle. Trieben sie jedoch auf dem Wasser und gingen nicht unter, so gingen die Menschen davon aus, dass es ein Zeichen sei, dass die vermeintliche Hexe einen Pakt mit dem Teufel geschlossen haben müsste, der ihr in dem Moment der Wasserprobe beiseite stand. Damit galten sie als schuldig im Sinne der Anklage.“
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Trotz dieser Geschichten, haben wir die Nacht wunderbar geschlafen – kein Netz, kein Internet, stockdunkel und mucksmäuschenstill, nur vereinzelt vernahm man ein Knacken im Gehölz.
Ausgeruht starteten wir in den Sonntag und die Sonne war uns hold. Perfekt für eine Wanderung auf dem sogenannten „Liebesweg“ entlang des Hexenteichs von Menden.
Dort begegneten wir Ritter Goswin von Rodenburg und Richenza, Bernhard Adolph von Dücker & Theresia. M. E. von Westrem, sowie Rudolpf und Hermine Schmöle, geb. Basse.











Ein bisschen Tannengrün haben wir auch noch gesammelt, für den Julkranz. Dazu schreibe ich die Tage noch mehr.
Der Hexenteich von Menden – ein zauberhafter und zugleich geschichtsträchtiger Ort, an den wir gerne zurückkehren.
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Quellen
(Rüberg: Giftmischer, Hexen und Werwölfe, S. 32.)
https://www.regioport-siegerland.de/…/orte-und…
(vgl. Hegler: Werwolf aus Wickede, S. 13)
Esoterischer Reiseführer NRW, Marion Röbkes