Mit Otto III. und Heinrich II. beenden wir das Kapitel zu den Sächsischen Kaisern – aus der Reihe „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel.

Weiter geht es dann in der nächsten Woche mit den Fränkischen (Salischen) Kaisern (1024-1125) Konrad II., Heinrich III., Heinrich IV. Gregor IV., über den Investiturstreit hin zu Heinrich IV. in Canossa, Heinrich V. und Lothar von Sachsen, und ab da die Staufischen Kaiser (1138-1254). Es bleibt also spannend.

Jetzt aber zurück zu Otto III., der sechzehnjährig zur Regierung kam, bestieg dann ein weltfremder Phantast den Thron- Zwar war er hochgebildet und von einer so umfassenden Gelehrsamkeit, dass man ihn das Wunder der Welt nannte; doch fühlte er sich mehr als Römer denn als Deutscher und träumte von einer Weltherrschaft: Italien und Deutschland sollten in einem Reich verschmolzen werden und Rom wieder der Mittelpunkt der Welt sein.

Bei solcher Unterschätzung und Missachtung aller praktischen Hinweise musste er scheitern. Schon begann sich der Widerstand gegen seine aussichtslose Politik sowohl in Deutschland als auch in Italien ernstlich geltend zu machen, da raffte im Jahr 1002 ein vorzeitiger Tod den 22jährigen dahin.

Verhängnisvoll wie sein Leben ward auch sein Tod für Deutschland. Mit ihm starb das Geschlecht der Sachsenkaiser aus, ein anerkannter Nachfolger war nicht da, und so trat wieder die Wahl an die Stelle des Erbrechts.

In dem gleichen Maße, wie dadurch die Stellung des Königtums geschwächt wurde, erstarkte die Macht der Stammesherzöge. Je mehr das Reich zum Wahlreich wurde, desto mehr vermochten sie sich in ihrem Land die Erbfolge zu sichern.

Gewählt wurde der Bayernherzog Heinrich, ein Urenkel Heinrichs I. Heinrich II. (1002-1024) war – im schärfsten Gegensatz zu seinem Vorgänger – ein echter Deutscher und ein tüchtiger Herrscher, der seine so eigenwilligen Landsleute verstand und richtig zu behandeln wusste.

Doch zu viel war im letzten Menschenalter versäumt worden, als dass er den Bau des Reiches in alter Stärke herstellen konnte. Was er leistete, konnte nur Stückwerk sein.

In mannigfachen Kämpfen verging seine Regierung. Beständig musste er in Bewegung sein, um bald hier, bald da das Reich zu schützen. In Italien geschah das nicht ohne Erfolg: selbst in Unteritalien vermochte er die deutsche Herrschaft wiederaufzurichten.

An der Ostgrenze jedoch konnte er das Erstarken des Slawentums nicht verhindern, dort bildete sich ein großes Polenreich. Immerhin: Ein Ende seiner Regierung (1024) hatte er von den zerrütteten Zuständen wenigstens so viel aufgeräumt, dass Raum geschaffen war, für einen neune Bau. Die Früchte seiner arbeitsreichen Regierung konnte er nicht mehr genießen.

„Er starb, als er den Frieden des Reiches gesichert hatte und nach langer Anstrengung und Arbeit dessen Früchte zu ernten begann“, schreibt treffend sein Biograf Wipo.

Persönlich war er ein frommer Mann, hielt die Kirche aber in straffer Abhängigkeit. Im Jahr 1007 gründete er das Bistum Bamberg. Im Dom zu Bamberg, seiner Lieblingsschöpfung, liegt er mit seiner Gemahlin Kunigunde begraben. Am Portal des Domes sind noch heute ihre Standbilder zu sehen.


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