Gregor VII. (1073-1085)

In der Reihe „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel und in Fortsetzung an den Fränkischen (Salischen) Kaiser Heinrich IV, richten wir in diesem Teil unsere Aufmerksamkeit auf Gregor VII. (römischer Papst), und damit zur Überleitung des gewaltigen Kampfes zwischen Staat und Kirche (Investiturstreit). Zudem gehen wir dann noch näher auf den „Gang nach Canossa“ ein, den Bußgang, welchen ich bereits im letzten Beitrag zu Heinrich IV. erwähnte.

Gregor VII. (1073-1085)

Gerade jetzt besaß die Kirche den Mann, der gewillt und fähig war, die Ideen von Cluny zu verwirklichen. Das war Gregor VII.

In seiner kleinen Gestalt mit den bleichen Gesichtszügen lebte eine Feuerseele. Als Mönch Hildebrand war er einst im Kloster Cluny gewesen und hatte dessen Geist in seiner ganzen Fülle in sich aufgenommen. Als Kardinal in Rom hatte er dann den größten Einfluss auf die Leitung der Kirche ausgeübt. Er war es gewesen, der 1059 den ersten großen Schritt getan hatte zur Befreiung des päpstlichen Stuhls von der Kaiserkrone, indem er den Papst bewog, die Papstwahl neu zu ordnen, sie unabhängig zu machen, von weltlicher Gewalt, im besonderen von der des Kaisers.

Sein höchstes Ziel war die Verwirklichung des Gottesreiches auf Erden unter Leitung des Papstes. , Dieser, als der Stellvertreter Christi auf Erden, soll die Brücke bilden zwischen Diesseits und Jenseits. Mit Energie verfolgte er diese Ideen, als er selbst als Gregor VII. den päpstlichen Stuhl bestieg. Das geschah im Jahr 1030, als Heinrich schon in schweren Verwicklungen mit den Sachsen stand.

Sogleich erließ er zwei wichtige Verfügungen, durch welche die unbedingte Herrschaft der Kirche aufgerichtet werden sollte: Das Gebot für alle Priester, ehelos (caelebs) zu bleiben (Zölibat), und das Verbot für alle Geistlichen , die kirchliche Würde aus der Hand eines Laien zu empfangen (Verbot der Laieninvestitur). Hätte Gregor dieses Verbot völlig durchgesetzt, so wären auch alle Bischöfe und Äbte, also ein großer Teil der Reichsfürsten, samt ihren Gebieten der Oberhoheit des Königs entzogen worden und in unmittelbare Abhängigkeit vom Papst geraten. Bei einer solchen Umwälzung hätten das Reich und die Königsherrschaft nicht bestehen können. Der König musste daher alles aufbieten, um dies zu verhindern. So kam es zu jenem langwierigen „Investiturstreit“.

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Die Leitsätze (Dictatus Papae) des Gregor VII. , erlassen 1075 und der Versuch/Beginn das Christentum in eine totalitäre Diktatur zu verwandeln:

  1. Dass die römische Kirche vom Herrn allein gegründet worden ist.
  2. Dass allein der römische Papst mit Recht universal genannt wird.
  3. Dass er allein Bischöfe absetzen und wieder einsetzen kann.
  4. Dass sein Gesandter auf einem Konzil den Vorrang vor allen Bischöfen hat, auch wenn er einen niedrigeren Weihegrad hat, und dass er gegen sie ein Absetzungsurteil fällen kann.
  5. Dass der Papst Abwesende absetzen kann.
  6. Dass wir mit von ihm Exkommunizierten unter anderem nicht in demselben Haus bleiben dürfen.
  7. Dass es allein ihm erlaubt ist, entsprechend den Erfordernissen der Zeit, neue Gesetze zu erlassen, neue Gemeinden zu bilden, ein Kanonikerstift zur Abtei zu machen und umgekehrt, ein reiches Bistum zu teilen und arme zu vereinigen.
  8. Dass er allein die kaiserlichen Herrschaftszeichen verwenden kann.
  9. Dass alle Fürsten nur des Papstes Füße küssen.
  10. Dass in den Kirchen allein sein Name genannt wird.
  11. Dass dieser Name einzigartig ist auf der Welt.
  12. Dass es ihm erlaubt ist, Kaiser abzusetzen.
  13. Dass es ihm erlaubt ist, bei dringender Notwendigkeit Bischöfe von einem Sitz zum anderen zu versetzen.
  14. Dass er jeden beliebigen Kleriker aus allen Diözesen weihen kann.
  15. Dass ein von ihm Geweihter einer anderen Kirche vorstehen, aber ihr nicht dienen kann; und dass er von einem anderen Bischof keinen höheren Weihegrad annehmen darf.
  16. Dass keine Synode ohne sein Geheiß universal genannt werden darf.
  17. Dass kein Rechtssatz und kein Buch ohne seine Autorisierung für kanonisch gilt.
  18. Dass sein Urteilsspruch von niemandem widerrufen werden darf und er selbst als einziger die Urteile aller widerrufen kann.
  19. Dass er von niemandem gerichtet werden darf.
  20. Dass niemand es wage, jemanden zu verurteilen, der an den apostolischen Stuhl appelliert.
  21. Dass die wichtigen Streitfragen jeder Kirche an ihn übertragen werden müssen.
  22. Dass die römische Kirche niemals in Irrtum verfallen ist und nach dem Zeugnis der Schrift niemals irren wird.
  23. Dass der römische Bischof, falls er kanonisch eingesetzt ist, durch die Verdienste des heiligen Petrus unzweifelhaft heilig wird, nach dem Zeugnis des heiligen Bischofs Ennodius von Pavia, dem viele heilige Väter beistimmen, wie aus den Dekreten des heiligen Papstes Symmachus hervorgeht.
  24. Dass es auf sein Geheiß und mit seiner Erlaubnis Untergebenen erlaubt ist Klage zu erheben.
  25. Dass er ohne Synode Bischöfe absetzen und wieder einsetzen kann.
  26. Dass nicht für katholisch gilt, wer sich nicht in Übereinstimmung mit der römischen Kirche befindet.
  27. Dass er Untergebene vom Treueid gegenüber Sündern lösen kann.

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Quelle Leitsätze Wikipedia.


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