Heinrich V. (1106-1125)

Im Anschluss an den letzten Beitrag „Der Investiturstreit“ https://undinepeter.blog/…/der-investiturstreit-1075…/ setzen wir die Reihe „Deutsche Geschichte“ nach Albert Thümmel mit Heinrich V. fort.

Dieser moralisch so minderwertige Herrscher besaß bedeutende Regenteneigenschaften: Machtsinn, Überlegung, Kühnheit, Willenskraft. Aber die rücksichtlose Härte, mit der er überall seinem Vorteil nachging, seine verschlagene , unzuverlässige, unedle Natur erweckten ihm ringsum Feindschaften.

So nahmen die Kämpfe in Deutschland kein Ende, vor allem gegen den mächtigsten Fürsten im Reich, Lothar von Supplinburg, den Herzog von Sachsen. Seine treuesten Stützen in diesen Kämpfen waren seine Neffen Friedrich und Konrad von Staufen, die er als die natürlichen Erben seiner Herrschaft und seines salischen Besitzers betrachtete.

Den Kampf gegen das Papsttum führte er fort, da er keinesfalls gewillt war, seine Herrscherrechte der Kirche zu opfern. Nach langem Hin und Her kam es 1122 zu einem Vergleich zwischen den beiden Gewalten, zum „Wormser Konkordat“: die Bischöfe sollten in Gegenwart des Kaisers oder seines Stellvertreters gewählt werden. Der Gewählte erhielt vom König das Zepter als Symbol für die weltlichen Hoheitsrechte (Investitur), vom Papst Ring und Stab als Symbole der geistlichen Gewalt (kirchliche Weihe). In Deutschland sollte die Investitur vor der kirchlichen Weihe erfolgen, in Italien und Burgund umgekehrt. So endete der gewaltige Kampf mit einem Vergleich.

Die beiden Interessenten teilten sich in die Rechte der Bischofswahl. Im Vergleich zu den Zeiten Heinrichs IV. war es ein Erfolg der weltlichen Macht. Im ganzen gesehen aber war es ein Gewinn der geistlichen Gewalt; denn die einstige absolute Unterordnung des Papsttums unter das Kaisertum, noch unter Heinrich III., war der Gleichberechtigung gewichen.

Aus den Kämpfen der letzten Zeit war das deutsche Königtum unheilbar geschwächt hervorgegangen. Der Ansatz der Erblichkeit, den es unter den sächsischen und fränkischen Kaisern genommen hatte, war wieder dahin. Deutschland war jetzt ein Wahlreich, und die Wahl erfolgte unter dem unmittelbaren Einfluss der Kirche. Geschickt hintertrieb diese Nachfolge Friedrichs von Staufen, des Herzogs von Schwaben, des Verwandten des verhassten Salier. Gewählt wurde der einstige eifrige Gegner Heinrichs IV., Lothar von Sachsen.


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