Das hier ist ein Kapitel, dass ich schon oft in Angriff nehmen und fortführen wollte. Irgendwas kam aber immer dazwischen, mal abgesehen von der Tatsache, dass sich vor mir eine Flut an Tatsachenberichten und damit Inspiration für weitere Beiträge zu unserer deutschen Geschichte und ihrer damit einhergehenden Wahrheit auftut.

Vorab: Unzählige Friedensangebote aus deutschen Reihen blieben seinerzeit erfolglos, ungehört, wurden schlichtweg ignoriert. Die Zündung einer „politischen Atombombe“ wie ein Amerikaner die mögliche Sprengung des alliierten Bündnisses genannt hat, hätte mit großer Wahrscheinlichkeit Europa, besonders Russland und Deutschland, unendlich viel Leid und riesige Zerstörungen erspart.
Allein bis 1941 sind 28 unternommene Versuche bekannt, um von deutscher und internationaler Seite aus, den Frieden zu retten!
Ich denke dabei auch, an einen der wohl bekanntesten Fälle: Der Hess-Flug am 10. Mai 1941, Churchills Friedensfalle und Verrat an Europa.

Ergebnis: Es gab keine, wie vorgesehen, Friedensverhandlungen mit einer Friedenspartei, vielmehr behandelte man Rudolf Hess wie einen Kriegsgefangenen, den man endlos verhörte – zumal er zur Erleichterung Churchills keine Verhandlungsvollmachten von Hitler vorweisen konnte. Damit war die Hess-Mission endgültig gescheitert, der europäische Konflikt weitete sich aus und wurde zum Weltkrieg mit vielen Millionen Opfern. Zu den Hintergründen des Heß-Fluges 1941 folgt zu gegebener Zeit noch ein extra Beitrag.
Die Akten im britischen Staatsarchiv sollten zu diesem Vorfall übrigens erst 2017 freigegeben worden sein. Nachdem eine Sperrfrist schon einmal verlängert wurde.
Der Chef der Abteilung „Spezialoperationen“ kam damals nach einem Gespräch mit Churchill zu der Schlussfolgerung: „Wahrscheinlich werden wir den Krieg in Europa nicht gewinnen können, aber einen Weltkrieg.“
Bevor wir uns nun der nahezu endlos erscheinenden Liste an Friedensversuchen widmen, noch auf ein Wort:
Viele kennen den Film „Schindlers Liste“ doch niemand kennt den Film zu „Die Liste über die vergeblichen Versuche den Frieden zu retten“.
Grund dafür könnte sein, dass es einen solchen Film gar nicht gibt. Und wenn man sich die eigentliche Kriegstreiberei einmal genauer betrachtet, als uns über die modernen Lehrbücher vermittelt wird, erklärt sich der Grund dafür. Dann fällt es einem wie Schuppen von den Augen. Aber wer will das schon? Warum sollten auch die, die immer noch die Fäden ziehen und Macht besitzen, über ihre eigenen Schandtaten berichten?
Es wäre falsch an dieser Stelle zu titeln: Wie alles seinen Anfang nahm. Vielmehr ist doch dieser sogenannte „Zweite Weltkrieg“ nichts anderes als die Fortsetzung des Ersten Weltkrieges. Es besteht heute wohl kaum Zweifel: Die tiefste Ursache dieses mörderischen Krieges liegt im Versailler Diktat.
Der Vorwurf der Grausamkeit ist dem deutschen Volk in seiner Gesamtheit durch alle Jahrhunderte noch nie mit Recht gemacht worden.
Und da wir immer noch ohne einen Friedensvertrag sind, geht es immer so fort.., und weiter, und weiter und weiter…
Warschaus Kriegswille 1939, ja sein fanatischer Eifer zum Krieg, ist vielfach belegt: Der polnische Marschall und Oberbefehlshaber der Armee RYDZSMIGLY erklärte in einem Vortrag vor polnischen Offizieren und Anwärtern im Sommer 1939: »Polen will den Krieg mit Deutschland, und Deutschland wird ihn nicht vermeiden können, selbst wenn es das wollte.«







Indes nahmen die deutschen, und später auch skandinavischen Friedensbemühungen ihren Beginn ab dem 31. August 1939. Ich habe nur vereinzelt die daraus resultierenden Ergebnisse ausführlicher aufgeführt. Jeden einzelnen Versuch der Friedensverhandlungen ausführlich darzustellen, würde an dieser Stelle zu weit führen. Auch wenn jedem unternommenen Friedensversuch ein extra Beitrag gebührt.
Somit hier lediglich eine Übersicht:
1. Versuch, einen Krieg zu vermeiden: Die Friedens-Rettungsmission des Fritz HESSE im August 1939. Bekanntlich erhielt Berlin am 13. August von der Sowjetregierung eine Einladung zu Verhandlungen, von denen man sich die Lösung des deutsch-polnischen Konfliktes versprach. Ergebnis: WILSONS Gesprächsaufzeichnung vom 20. August 1939 zeigt, dass die britische Regierung nicht bereit war, vermittelnd auf Polen einzuwirken. Tatsächlich hat sie nichts unternommen, was den Ausbruch des Krieges hätte verhindern können; im Gegenteil: Mit dem Garantievertrag vom 26. August gab sie Polen freie Hand, wohl wissend, dass das Krieg bedeutet.
2./3. Versuch, einen Krieg zu vermeiden: Friedensinitiativen des Schweden Birger Dahlerus im August 1939. Am Sonntag, dem 27. August, bat HITLER den Schweden DAHLERUS, als Vermittler der britischen Regierung mitzuteilen, daß Deutschland eine Verständigung wünsche. DAHLERUS sagte zu und flog nach London, wo er von CHAMBERLAIN, Lord HALIFAX und Sir Alexander CADOGAN empfangen wurde. Am 31. August kam es um 16 Uhr 30 zu einer Konferenz mit dem britischen Botschafter HENDERSON, GÖRING und DAHLERUS. E
4. Versuch, einen Krieg zu vermeiden: Dr. Fritz HESSES Sondermission am 2. September1939. Ergebnis: Als sie aber um 19 Uhr auseinandergingen, hatte GÖRING nichts erreicht.
5. Versuch, den Frieden zu retten: Birger Dahlerus‘ Vermittlungsversuch am 3. September1939:
Am Sonntag, dem 3. September, übergab der britische Botschafter HENDERSON um 9 Uhr Reichsaußenminister VON RIBBENTROP ein Ultimatum mit dem Ersuchen um Antwort vor 11 Uhr. Es verlangte genau das, was HITLER durch HESSE angeboten hatte, daß nämlich
1. Deutschland die Feindseligkeiten einstellen und
2. die deutschen Truppen hinter die deutschen Grenzen zurückziehen solle. Auf Bitten GÖRINGS versuchte sich DAHLERUS abermals als Vermittler, und es gelang ihm, gegen 9 Uhr 30 das Foreign Office in London telefonisch zu erreichen. Er teilte London mit, dass GÖRING bereit sei, zu Verhandlungen nach London zu kommen.
Ergebnis: Statt einer Antwort gab CHAMBERLAIN kurz nach 11 Uhr im Rundfunk bekannt, dass sich Großbritannien mit Deutschland im Kriegszu-stand befinde, weil Deutschland die Note/das Ultimatum nicht vor elf Uhr beantwortet habe – eine Zeitspanne, die bewusst jegliche Möglichkeit einer Verhandlungs-Auszeit rigoros ausschloss So war der letzte Versuch, einen europäischen Krieg zu vermeiden, von London vereitelt worden. Millionen Menschen ahnten nicht, dass an diesem Tag ihr Tod besiegelt wurde.
6.Versuch, den Frieden zu retten: Görings Friedensangebot vom 9. September1939:
Am 9. September erklärte GÖRING in einer Rede in Berlin, im Einverständnis mit HITLER, dass es Deutschland lediglich um eine stabile, friedliche Ostgrenze gehe. Frankreichs Grenzen habe Deutschland ein für allemal garantiert. HITLER sei weiterhin zum Frieden bereit, er wolle sich mit Ostoberschlesien und dem Korridor zufriedengeben – also mit weniger, als die demokratischen Regierungen der Weimarer Republik gefordert hatten.
Ergebnis: In England reagierte man sehr nervös auf dieses Friedensangebot. Denn seit den deutschen militärischen Erfolgen in Polen befürchtete (!) die britische Regierung eine deutsche Friedensinitiative. Als indirekte Antwort auf GÖRINGS Friedensangebot erklärte Premierminister CHAMBERLAIN, man werde sich auf eine dreijährige Dauer des Krieges einrichten.
7. Versuch, den Frieden zu retten: Hitlers Danziger Rede vom 19. September1939:
Nach der Eroberung Polens zeigte sich HITLER ZU einem Ausgleich bereit. Trotz der für England ungünstigen Lage wollte der britische Premier alle Friedensangebote HITLERS sofort zurückweisen. Am 19. September leitete HITLER deshalb im »befreiten« Danzig mit einer Rundfunkrede eine offizielle, mehr als einen Monat andauernde deutsche Friedenskampagne ein. Dabei betonte er die deutsche Bereitschaft zu Frieden oder Krieg – die Entscheidung liege bei den Alliierten.
Ergebnis: Während neutrale Zeitungen in ihren Kommentaren zur >Füh- rerrede< die Argumente HITLERS durchaus positiv fanden, schrieb die Nachrichtenagentur Reuter, HITLER habe den »üblichen schamlosen« Versuch unternommen, Frankreich von Großbritannien zu trennen. Angesichts der Gefahren (!) einer öffentlichen Friedensdebatte lehnte der englische Premier im Unterhaus das deutsche Angebot ab.
8. Versuch, den Frieden zu retten: Hitlers Sportpalastrede vom 6. Oktober 1939:
Am 6. Oktober 1939 hielt HITLER im Sportpalast seine von den Alliierten gefürchtete, in Deutschland sowie im neutralen Ausland herbeigesehnte »Friedensrede«.13 Mit Blick auf das Ausland wies der Reichskanzler auf das friedliche und durch bilaterale Pakte abgesicherte Verhältnis Deutschlands zu seinen nichtkriegführenden Nachbarn hin. Taktisch klug bestätigte er die Neutralität dieser Länder und betonte, keinerlei Forderungen an sie zu ha- ben, wie er auch nie von Frankreich etwas gefordert und ausdrücklich auf Elsaß-Lothringen verzichtet habe. HITLER wiederholte nochmals seine Be- reitschaft, dem Krieg ein Ende zu setzen.
Ergebnis: CHAMBERLAIN befand sich bereits im Fahrwasser CHURCHILLS. Am 12. Oktober wies er das deutsche Angebot vor dem Unterhaus zurück.
9. bis 13. Versuch, den Frieden zu retten: DAHLERUS vermittelt im Auftrage Görings.
Am 18. September 1939 bat Birger DAHLERUS in GÖRINGS Auftrag den britischen Gesandten in Stockholm um eine sofortige Kontaktaufnahme. Das Foreign Office war damit einverstanden, zumal GÖRING zur Wiederherstel- lung Polens in den Grenzen vor 1918 eine deutsche Abrüstung angeboten hatte.
Ergebnis: Im Einverständnis mit dem Premier und dem Außenminister lehnte das britische Außenamt das deutsche Friedensangebot ab.
(10) Am 29. September legte DAHLERUS GÖRINGS 12 Punkte-Programm in London CHAMBERLAIN, HALIFAX und CADOGAN vor und schlug ein Treffen zwischen General IRONSIDE und dem deutschen Feldmarschall vor.14
Ergebnis: Auch dieser Vorschlag und auch der Kontakt wurden von London abgelehnt.
Inzwischen hatte sich der regierungsinterne Widerstand gegen die Ge- heimverhandlungen mit DAHLERUS derart verstärkt, dass CADOGAN einen erneuten Besuch in London verhindern wollte. HITLER hatte aber mit DAHLERUS in Gegenwart GÖRINGS am 9. und 10. Oktober die Neugestaltung Polens erörtert15 und sich damit einverstanden erklärt, die Polenfrage auf einer Friedenskonferenz zur Diskussion zu stellen. Mit diesem Zugeständnis reiste DAHLERUS erneut nach London.
Ergebnis: In der Unterhausrede lehnte CHAMBERLAIN am 12. Oktober auch dieses neue Angebot ab.
Nach drei Gesprächen mit GÖRING reiste DAHLERUS am 7. Dezember 1939 ein weiteres Mal nach London.
14. Versuch, den Frieden zu retten: Tryggve Grans Vermittlung im Auftrage Görings.
15. Versuch, den Frieden zu retten: Die Mission des Prinzen HOHENLOHE 1939.
16. Versuch, den Frieden zu retten: Friedensappell Belgiens und der Niederlande Die sieben Neutralen, Norwegen und Schweden, Belgien, Dänemark, Finnland, Luxemburg, Niederlande, erklärten nach Kriegsbeginn zwar ihre Unabhängigkeit, waren aber weder in der Lage, ihre Neutralität gemeinsam zu schützen, noch gemeinsame Friedensinitiativen zu ergreifen. Ergebnis: London und Paris kam diese Erklärung völlig ungelegen. Präsident ROOSEVELT gab seine Sympathie zum Ausdruck, allerdings erst dann, als man ihn von der britischen Ablehnung informiert hatte.
17. Versuch, den Frieden zu retten: skandinavische Vermittlungsvorschläge 1939.
18. Versuch, den Frieden zu retten: Reichstagsrede HITLERS vom 19. Juli 1940.
19./20. Versuch, den Frieden zu retten: Friedensbemühungen Ulrich von Hassels und Lonsdale Bryans‘ 1940. Lonsdale Bryans‘ versprach, die Erklärung an den Außenminister weiterzuleiten. Doch Halifax sagte wegen angeblicher Überlastung ab. Am 14. April 1940 trafen er und von Hassel letztmalig, aber ergebnislos, zusammen. Ergebnis: London hatte offensichtlich kein weiteres Interesse an Friedensvermittlungen.
21. Versuch, den Frieden zu retten: Franz VON PAPEN in der Türkei 1939/40.
22. Versuch, den Frieden zu retten: Hohenlohne sondiert bis Mai 1940 im Auftrag von Heydrichs SD. Ergebnis: Im Foreign Office reagierte man mit großem Unbehagen auf KELLYS ständige Berichte, in denen von Friedensmöglichkeiten die Rede war. Inzwischen war es Churchill gelungen, alle ernst zu nehmenden Gegner seiner Politik auszuschalten, auch David Kelly, der Anfang 1942 als Botschafter nach Argentinien versetzt wurde.
23./24. Versuch, den Frieden zu retten: Friedensdiplomatie des Vatikans 1939/1940.
25. Versuch, den Frieden zu retten: die Plesman-Initiative, »Kondominium der Stärksten«. Ergebnis: Als der holländische Außenminister Kleffens und Lord Halifax am 19. August 1940 zusammentrafen, lehnte Halifax jede Verhandlung mit Hitler ab. Damit war auch der PLESMAN-Plan endgültig gescheitert.
26. Versuch, den Frieden zu retten: Hitler-Weissauers Friedensmission 1940.
27. Versuch, den Frieden zu retten: Hitlers Friedensangebot vom November 1940 mit Hilfe des päpstlichen Nuntius in Madrid.
28. Versuch, den Frieden zu retten: der HESS-Flug am 10. Mai 1941, CHURCHILLS Friedensfalle und Verrat an Europa.
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Quelle: Rolf Kosiek/ Olaf Rose – der große Wendig
o Doc. No. FO 371 24408, NA, Kew. Der Verfasser bezieht sich in seinem Beitrag auf ein sechzig Jahre gesperrtes Memorandum des Foreign Office, das die britischer Ablehnung von sechzehn deutschen und neutralen Friedensangeboten enthüllt. Das vollständige Memorandum in bei: Marin ALLEN, Churchills Friedensfalle, Druffel, Stegen/Ammersee 2002, abgedruckt.
Sein Buch führt nicht nur zu einem neuen Geschichtsbild, sondern ist gleichzeitig eine Anklage gegen Großbritannien, das sich beharrlich weigerte, Friedensgespräche mit der deutschen Reichsregierung zu führen.
Weiter Quellenverweise:
o CC, CHRS 128 Telegramm CHRISTIE (London) an BELVIS (Schweiz) vom 11. 10. 1939. 18 Ebenda.
o Dok. Nr. 1; CADOGAN an HALIFAX, 4. 10. 1939, in: Bernd MARTIN, »Britischdeutsche Friedenskontakte in den ersten Monaten des Zweiten Weltkrieges«
o Bernd MARTIN, »Friedensinitiativen und Machtpolitik im Zweiten Weltkrieg 1939-42«, in: Geschichtliche Studien Politik und Gesellschaft, Bd. 6, Droste, Düsseldorf 1974, S. 87,
o Fritz HESSE, Das Vorspiel zum Kriege
Foto/Aufnahmen/Bilder. Bertelsmann-Chronik , Bibliothek des 20. Jahrhunderts 1936-1939 / 1949-1943
13 Helmut GORDON, Kriegsreden 1936-1941, Druffel, Leoni 1992, S. 298 ff.